4 Schlussbericht des SP-108 Fokusgebiete Küsten, BMVI-Expertennetzwerk (2016–2019)
1.4 Fokusregion Nord-Ostsee-Kanal (Abschnitt 5.4)
1.5 Relevante Ergebnisse verwandter externer Projekte in Küstengebieten
(Abschnitt 5.4.3)
? Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG): Die Entwässerungskapazitäten in Brunsbüttel und Kiel-
Holtenau sind ausreichend groß, um unter gegenwärtigen Bedingungen den Wasserstand des
NOK weitgehend unterhalb der kritischen Marke von 5,40 m Pegelnullpunkt (Einstellung der
Schifffahrt) zu halten. In der Vergangenheit traten temporär Überschreitungen der kritischen
Wasserstandsmarke auf. Bei einem Meeresspiegelanstieg von 170 cm würde sie im Mittel an 85
% der Tage eines Jahres überschritten (300 Tage). Mehrere Anpassungsoptionen wären denkbar,
u. a. auch die Installation eines Pumpwerks. Eine Pumpenleistung von 25 m?/s würde die Häu-
figkeit der Überschreitung um 2/3 reduzieren (von 300 Tage auf 100 Tage). Mit einer Pumpen-
leistung von 100 m?/s könnten fast wieder gegenwärtige Verhältnisse erreicht werden.
? Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrogeographie (BSH): Unter den gewählten Szenarienan-
nahmen ist von einer deutlichen Zunahme von bisher bereits auftretenden Grenzzuständen der
Bewirtschaftung des NOK auszugehen. Schon ein Meeresspiegelanstieg von 55 cm bis 2100 führt
für das Weiter-wie-bisher-Szenario zu einem Rückgang der potentiellen Entwässerungsleistung um
über 40 %. Im Falle des high-end-Szenarios könnte der Kanal zum Ende des Jahrhunderts fast nicht
mehr im freien Gefälle entwässert werden. Zudem ist mit häufigeren Wetterlagen aus Nordwest
zu rechnen, die angespannte Entwässerungssituationen zur Folge haben könnten, da sie mit er-
höhten Pegelständen wie auch erhöhten Niederschlägen korrelieren.
? KLEVER – „Klimaoptimiertes Entwässerungsmanagement im Verbandsgebiet Emden“
(Spiekermann et al. 2018): Im Verbandsgebiet Emden werden sich die potentiellen Sielzeiten bei
einem Meeresspiegelanstieg von 50-110 cm zum Ende des Jahrhunderts bis 2040/2060 halbieren
und bis 2060/2080 kaum noch Kapazitäten bestehen. Maximal möglicher Schutz lässt sich nur
durch Kombination von Anpassungsmaßnahmen und -typen erreichen.
? AG Niederungen 2050 (2014) – In den Niederungsgebieten [Schleswig-Holsteins] werden die
Möglichkeiten zur Entwässerung über Siel gegenüber Schöpfwerken bis 2070 deutlich abnehmen.
Handlungsoptionen bestehen in der Optimierung des Siel- und Schöpfwerksbetriebs, dem Aus-
und Neubau von Schöpfwerken, aber auch der Einrichtung von Retentionsraum im betreffenden
Einzugsgebiet, um u. a. auch die Verkehrsinfrastruktur zu erhalten.
? EXTREMENESS – „Extreme Nordseesturmfluten und mögliche Auswirkungen“ (Schaper et al.
submitted): Die Simulation möglicher Auswirkungen von extremen Sturmfluten und die Diskus-
sion von Handlungsoptionen zeigten, dass der Küstenschutz in Ostfriesland gegenwärtig gut auf-
gestellt ist, aber Bedarf an weiteren Untersuchungen zum Auftreten und möglichen Auswirkun-
gen kaskadierender Effekte besteht. EXTREMENESS hat damit wesentliche Beiträge zur An-
passung, Formen und Notwendigkeiten eines zukünftigen Küstenschutzes geliefert, die unter an-
derem auch Eingang in die aktuelle Katastrophenschutzübung der Stadt Emden fanden.