6 Fazit und Ausblick
Die im Rahmen der Phase I des Expertennetzwerks erarbeiteten Ergebnisse haben nicht nur Fragen beant-
wortet, sondern auch neue Fragen aufgeworfen. Es ist darum wichtig und notwendig, bestehende Untersu-
chungen fortzuführen bzw. aufbauende Untersuchungen anzuregen. Unter anderem müssen weitere Daten
und Methoden in die Untersuchungen einfließen. Dies betrifft nicht nur neue und aktualisierte Modellketten
(z. B. CMIP6), sondern auch Verfahren zur Extremwertbestimmung oder die Einbindung von verkehrs-
wirtschaftlichen Fragen. Ebenso wichtig ist eine Rückmeldung seitens der Nutzenden, in wieweit die bereits
vorhandenen Ergebnisse genutzt werden können und wo weiterer Forschungsbedarf besteht. Auf diese
Weise könnten die Forschungsarbeiten zielgerichtet angepasst werden.
6.1 Wesentlicher Erkenntnisgewinn
Im Wesentlichen lassen sich folgende Schlussfolgerungen aus den bisherigen Untersuchungen ziehen:
? Die Modellauflösung (räumlich wie zeitlich) ist bisher oft unzureichend für lokale bis regionale
Untersuchungen, insbesondere in Bezug auf Extreme der Windgeschwindigkeit und des Nieder-
schlags. Derzeit existieren beispielsweise kaum konvektionserlaubende Modelle, die zeitlich und
räumlich begrenzte extreme Ereignisse wiedergeben können. Somit müssen weitere methodische
Schritte unternommen werden. Die Nutzung von Wetterklassen, die ihrerseits Informationen z. B.
über Sturmlagen (Lamb-Wetterlagen) beinhalten, könnte sich hier als zielführend erweisen (siehe
auch Kapitel 6.2). Basierend auf der bisherigen Erkenntnis, dass keine bzw. nur geringe Änderungen
in der Sturmhäufigkeit zu erwarten sind, ist die Sicherheit der Seeschifffahrt nicht als gefährdet
anzusehen.
? Der globale Meeresspiegelanstieg wird sich nach aktuellen Erkenntnissen (z. B.IPCC 2019) weiter
beschleunigen. Aufgrund der verschiedenen beteiligten Prozesse, die teilweise noch nicht vollstän-
dig erforscht werden konnten, werden auch in Zukunft regionale Untersuchungen (z. B. im Pro-
gramm SPP 1889 - Regional Sea Level Change and Society, gefördert durch die Deutsche For-
schungsgemeinschaft DFG) große Bedeutung haben, da viele Prozesse an der Küste sensitiv auf
den regionalen/lokalen Meeresspiegel reagieren. So wird die Entwässerung küstennaher Gebiete
zum Großteil durch den Außenwasserstand beeinflusst. Einige tiefliegende Gebiete, wie z. B. das
Verbandsgebiet Emden (siehe Projekt KLEVER), werden sich in der fernen Zukunft nur noch durch
Pumpen entwässern lassen. Am NOK wird man zum Ende des Jahrhunderts ebenfalls mit einem
angepassten Management die Entwässerung des Einzugsgebiets und den Kanalverkehr steuern
müssen. Daraus ergeben sich vermehrt Ansprüche an die Verkehrsinfrastruktur, z. B. durch Sicher-
stellung von Ausweichrouten, oder Umlagerung auf andere Verkehrsträger.
? Die Tidedynamik in der Deutschen Bucht reagiert auf den lokalen Meeresspiegelanstieg. Bei den
zur Abschätzung dieser Reaktion verwendeten hydronumerischen Modellen spielt die Darstellung
der Bathymetrie in den flachen Küstenregionen eine große Rolle.
? Durch den Meeresspiegelanstieg wird sich die Topographie in den flachen Küstengebieten der
Deutschen Bucht, insbesondere im Wattenmeer, ändern.
? Der Meeresspiegelanstieg führt zu einem erhöhten Verhältnis von Flut- zu Ebbstromgeschwindig-
keit und dadurch zu einem erhöhten Import von marinen Feinsedimenten. Falls sich die Wassertiefe
aufgrund des erhöhten Sedimentimports stärker verringert, als sie sich durch den Meeresspiegelan-
stieg vergrößert, muss mit erhöhten Baggermengen gerechnet werden.
? Eine einfache Übertragung der Ergebnisse für den NOK auf andere Küstengebiete erscheint auf-
grund der bisherigen Ergebnisse und nach Rücksprache mit den Ländervertretern nicht sinnvoll,
da regionale Besonderheiten einen großen Einfluss auf die einzelnen Faktoren (Außenwasserstand,