5. Ergebnisse 67
Als Datengrundlage für die Untersuchungen wurde der Norddeutsche Klimaatlas14 herangezogen und für
die Region Schleswig-Holstein und Hamburg hinsichtlich der Veränderung der Niederschlagsmengen aus-
gewertet. Es zeigt sich eine Tendenz zunehmender Jahresniederschläge um ~5 % bis zum Jahr 2030 und
bis ~10 % im Jahr 2070. Im Jahresverlauf stellt sich diese Zunahme als starker Anstieg der Niederschlags-
mengen in den Wintermonaten (35 % bis 2070) und in geringerem Maße im Herbst und Frühling dar.
Demgegenüber wird langfristig für die Sommermonate mit einer Abnahme der Niederschlagsmengen ge-
rechnet. Als Grundlage für den Meeresspiegelanstieg wurde der Maximalwert des (IPCC 2007) mit 80 cm
für den Zeitraum 1990–2100 als Szenario vorgeschlagen.
Abbildung 5-35: Aktuelle Entwässerungsstruktur der Teilgebiete in den Niederungsgebieten von Schleswig-
Holstein (links, AG Niederungen 2050 2014, Abbildung 4) und Projektion der Entwässerungsstrukturen in
Niederungsgebieten für das Jahr 2070 (rechts, AG Niederungen 2050 2014, Abbildung 28).
Handlungsoptionen ergaben sich demzufolge in der Optimierung des Siel- und Schöpfwerksbetriebs und
dem Aus- und Neubau von Schöpfwerken, aber auch der Einrichtung von Retentionsraum im betreffenden
Einzugsgebiet oder dem Einsatz erneuerbarer Energien. Forderungen zum Erhalt und der Weiterentwick-
lung von Entwässerungsstrukturen ergeben sich auch durch überregionale Infrastrukturen wie Straßen und
Schienenwege, die durch die Niederungsgebiete hindurchführen, da alternativ sehr große Aufwendungen
entstehen würden (Neubau von Straßen und damit verbundene viel weitere Fahrstrecken z. B. für Rettungs-
dienste und Nahverkehr). Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch eine Analyse des Bundesinstituts für Bau-,
Stadt- und Raumforschung, die unter Mitwirkung des BSH entstanden ist (siehe Buthe et al. 2015). Hier
wurden verkehrsbedingte Auswirkungen eines extremen Sturmflutszenarios mit dem Transportstromvisua-
lisierungsmodell und dem Erreichbarkeitsmodell des Bundesinstituts bestimmt.
Ferner bleiben Anforderungen an die Forschung weiterhin bestehen, wie die grundlegenden Untersuchun-
gen zu lokalen Auswirkungen des Klimawandels, die Erklärung von Wirkungszusammenhängen (z. B. Aus-
wirkung einer Veränderung des Niederschlagsregimes auf das Binnenabflussregime) sowie die Bereitstellung
von aktuellen Klimaszenarien für die Planungspraxis auf lokaler Ebene (Niederschlag, Abfluss, Tidewasser-
stände, Sturmfluten, etc.). Dies bleibt auch eine Aufgabe des Expertennetzwerks in Phase II.
14 http://www.norddeutscher-klimaatlas.de/ [Zugegriffen Januar 10, 2011].