66 Schlussbericht des SP-108 Fokusgebiete Küsten, BMVI-Expertennetzwerk (2016–2019)
des jährlichen Abflusses von bis zu 13 % zu rechnen, wobei die Werte im Sommer sogar eher abnehmen,
die Änderungen im Winter aber bis zu +26 % betragen könnten. Diese Ergebnisse decken sich mit den
Untersuchungen zum Niederschlag des BMVI Expertennetzwerks (BMVI-Expertennetzwerk 2020, Brienen
et al. 2020). Ferner ist eine deutliche Verstärkung extremer Abflussereignisse (bezogen auf Wochen- und
Tageswerte) zu erwarten (Spiekermann et al. 2018, Abbildung S.25).
Szenarien der Flächenversiegelung liefern eine weitere 5-12 % Zunahme im Abfluss. Schließlich wurde auch
der Meeresspiegelanstieg berücksichtigt: Wird von einem Anstieg von 50 bis 110 cm bis 2100 ausgegangen,
so werden sich die potentielle Sielzeiten bis 2040 (95. Perzentil des RCP8.5) bzw. 2060 (50. Perzentil des
RCP4.5) halbieren und bis 2060 bzw. 2080 kaum noch Kapazitäten bestehen. Beispielhaft ist dies für das
Siel-und Schöpfwerk Knock in Abbildung 5-34 dargestellt.
Abbildung 5-34: Berechnung potenzieller Sielzeiten bis 2100 für das Siel- und Schöpfwerk Knock anhand
der Auswertung des IPCC-Szenarienensembles des Meeresspiegelanstiegs für die Deutsche Bucht und der
Binnenzielwasserstände im Verbandsgebiet. Der grau hinterlegte Bereich zeigt das Spektrum aller Szenarien
(jeweils Mittelwert und 95. Perzentil des moderaten bzw. Weiter-wie-bisher-Szenarios) der potenziellen Sielzeiten.
In dunkelblau ist der Mittelwert der vier Szenarien dargestellt. Die blauen Balken veranschaulichen die ge-
nutzten Sielzeiträume an der Knock von 2001–2016 (Spiekermann et al. 2018, Abbildung 18, S.26).
Neben dem Binnenhochwasserschutz sind weitere Anforderungen an das Entwässerungsmanagement im
Bereich der Landwirtschaft, des Tourismus/Freizeit und des Ökosystemschutzes gegeben. Diese wurden
ihm Rahmen eines Beteiligungsprozesses mit betreffenden Akteuren diskutiert und bewertet. Es entstand
ein konkreter Maßnahmenkatalog, der im Anhang des Ergebnisberichts zu finden ist. Höchste Zustimmung
erhielten demnach Maßnahmen zur Gewässerunterhaltung, Retention Boden, Regenrückhaltung, Speicher-
polder und Siedlungsentwässerung. Als Ergebnis kann hier festgehalten werden, dass die maximale mögliche
Wirkung durch eine Kombination verschiedener Maßnahmen und Maßnahmentypen erreicht wird. Bisher
nicht berücksichtigt wurden dabei verkehrsträgerspezifische Untersuchungen. Die zusammengetragenen
Ideen und Vorschläge könnten aber als Ansatzpunkte für weitere Überlegungen und konkrete Planungen
im Verbandsgebiet Emden sowie in vergleichbaren Küstenräumen dienen, ebenso die Methoden zur Betei-
ligung von Akteuren.
5.4.3.2 AG Niederungen 2050
Zu ähnlichen Ergebnissen kam die AG Niederungen 2050 in ihrem Abschlussbericht (AG Niederungen
2050 2014) zur Entwässerung der Niederungsgebiete Schleswig-Holsteins: Abbildung 5-35 zeigt die aktuelle
(links) und die für das Jahr 2070 projizierte (rechts) Entwässerungssituation. Deutlich zu erkennen ist, dass
die Möglichkeiten zur Entwässerung über Siel (rot) gegenüber Schöpfwerken (grün) abgenommen haben.