5. Ergebnisse 49
Dieses Vorgehen führt dazu, dass tiefe Bereiche der Rinnen (z. B. im Ebbdelta und zwischen den Barrier-
einseln) stärker vertieft werden als flache Rinnenabschnitte im intertidalen Bereich. Die Zuordnung der
Topographieszenarien zu den Meeresspiegelanstiegen ist der Tabelle 5-8 zu entnehmen. Da die kontinuier-
liche Simulation für lange Zeitscheiben aus Gründen der Rechenressourcen nicht möglich ist, wird für die
Zeitscheiben Bezugszeitraum, nahe Zukunft und ferne Zukunft jeweils ein hydrologisches Jahr (November bis
Oktober) der jeweiligen Zeitscheibe untersucht.
Tabelle 5-8: Zuordnung der Topographieszenarien zu den entsprechenden Meeressspiegelanstiegen.
Meeresspiegelanstieg 0,30 m 0,80 m 1,74 m
Topographieszenario Watten um 0,2 m erhöht,
Rinnen um 4 % vertieft
Watten um 0,5 m erhöht,
Rinnen um 11 % vertieft
Watten um 0,65 m er-
höht, Rinnen um 14 %
vertieft
Für die Untersuchungen wird ein charakteristisches Jahr der jeweiligen Zeitscheibe verwendet, welches mög-
lichst die typischen Verhältnisse der Zeitscheibe wiedergibt. Voruntersuchungen im Rahmen des KLIWAS
Programms haben ergeben, dass der Einfluss des Meeresspiegelanstiegs gegenüber dem Wind einen größe-
ren Einfluss auf die Tidedynamik in der Nordsee hat (Seiffert et al. 2014). Auf mittelfristigen Zeitskalen
(Jahren) weist der Meeresspiegelanstieg kaum Schwankungen auf, während im Windklima eine starke Vari-
abilität zwischen den einzelnen Jahren auftreten kann (Ganske 2017). Die Auswahl der Jahre erfolgte dem-
nach über den Wind, zum einen da hier die größten Schwankungen innerhalb der Zeitscheibe zu erwarten
sind und zum anderen, weil im Küstenbereich neben dem Meeresspiegelanstieg der Wind der wichtigste
Faktor für die Tide- und auch Sedimentdynamik ist. Hierfür wurden zunächst die mittlere Häufigkeitsver-
teilung der Windgeschwindigkeit sowie die mittlere Windrichtung pro Zeitscheibe in allen drei Modellreali-
sierungen des gekoppelten MPIOM-REMO für das Weiter-wie-bisher-Szenario ermittelt (Ganske 2017).
Als charakteristisches Jahr wurde ein Jahr bestimmt, das sowohl geringe Abweichungen der Windgeschwin-
digkeitsverteilung (<10 m/s) als auch der mittleren Windrichtung zum Zeitscheibenmittel hat. Dabei wurde
die Windgeschwindigkeitsverteilung stärker gewichtet, da insbesondere hohe Windgeschwindigkeiten einen
größeren Einfluss auf den Sedimenttransport haben. Entsprechend der Ergebnisse von Ganske et al. (2016)
kann ein Trend zu verstärkt auftretendem Westwind festgestellt werden. Daher wird zusätzlich ein Jahr mit
häufig auftretendem starkem Westwind untersucht. Die Auswahl dieses Jahres erfolgte anhand von Wind-
rosen, die für alle Jahre jeder Zeitscheiben und Realisierung (insgesamt 270 Jahre) erstellt wurden. Gesucht
wurde hier ein Jahr mit wenig Ostwind und häufig auftretenden hohen bzw. sehr hohen Windgeschwindig-
keiten aus West und Nord-West (>12 m/s bzw. >20 m/s). In Tabelle 5-9 sind die ausgewählten charakte-
ristischen Jahre der jeweiligen Zeitscheibe bzw. des Szenarios mit häufigem starkem Westwind mit den
zugeordneten Meeresspiegelanstiegen aufgeführt.
Tabelle 5-9: Ausgewählte charakteristische Jahre mit zugehörigen Meeresspiegelanstiegen.
Zeitscheibe bzw. Szenario Referenz nahe Zukunft ferne Zukunft häufiger starker
Westwind
Ausgewähltes charakteristi-
sches Jahr (zugehöriger Rea-
lisierung aus MPIOM-
REMO)
1996 (r1) 2053 (r1) 2078 (r2) 2092 (r3)
Zugehöriger Meeresspiegel-
anstieg
0 m 0,30 m 0,80 m
1,74 m (Extrem-
szenario)
0,80 m
1,74 m (Extrem-
szenario)