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werden können und dementsprechend auch keine neuen Zellen bei Meeresspiegelanstieg hinzukommen.
Aufgrund des implementierten Überfluten- und Trockenfallalgorithmus sind die Modelle jedoch in der Lage
neue Zellen im Deichvorland zu überfluten, wenn der Meeresspiegel steigt.
Nach der Argumentation von Pelling et al. (2013) könnte eine Erklärung für die unterschiedliche Reaktion
auf 0,8 m Meeresspiegelanstieg im feineren Deutsche Bucht Modell und im gröberen Schelfmodell
DCSMv6FM darin bestehen, dass bei steigendem Meeresspiegel weniger neue Flächen im Schelfmodell
geflutet werden und somit weniger dissipative Flächen im Schelfmodell existieren. Auf diese Weise wären
die größeren dissipativen Bereiche im Feinmodell eine Erklärung für den schwächeren Anstieg und in eini-
gen Bereichen den Rückgang der M2 Amplitude im feineren Deutsche Bucht Modell. Eine Analyse der
nassen Flächen (Tabelle 5-7, vgl. Tabelle 5-6) in den Modellvarianten unterstützt diese Erklärung jedoch
nicht: Die Veränderung der nassen Bereiche durch einen Anstieg des Meeresspiegels um 0,8 m im Fall der
feinen Auflösung ohne Ästuare (GBM_slr80_NE - GBM_ref_NE) und im Fall der groben Auflösung ohne
Ästuare (GBM_slr80_NE_CB - GBM_ref_NE_CB) unterscheidet sich nicht stark (Tabelle 5-7). Dennoch
sind die Änderungen in der Dissipation in den jeweiligen Modellvarianten durch den gleichen Meeresspie-
gelanstieg unterschiedlich.
Tabelle 5-6: Durchgeführte Simulationen.
Feine Bathymetrie, mit Ästuaren, ohne Meeresspiegelanstieg GBM_ref
Feine Bathymetrie, ohne Ästuare, ohne Meeresspiegelanstieg GBM_ref_NE
Grobe Bathymetrie, ohne Ästuare, ohne Meeresspiegelanstieg GBM_ref_NE_CB
Feine Bathymetrie, ohne Ästuare, Meeresspiegelanstieg 0,8 m GBM_slr80_NE
Grobe Bathymetrie, ohne Ästuare, Meeresspiegelanstieg 0,8 m GBM_slr80_NE_CB
Tabelle 5-7: Mittlere Flutungsflächen bei Tidehochwasser (nasse Bereiche) im Wattenmeer bis zur 20m-
Tiefenlinie und die Dissipationsrate über diesen Bereich gemittelt.
Nasse Bereiche
[109 m2]
Dissipationsrate
[10-3 W/m2]
GBM_ref_NE 15,90 2,9
GBM_slr80_NE - GBM_ref_NE 0,22 0,6
GBM_ref_NE_CB 15,91 3,0
GBM_slr80_NE_CB - GBM_ref_NE_CB 0,24 0,2
In einer weiteren Analyse wurde die Dissipation über den flachen Bereichen des Wattenmeers bis zur 20 m-
Tiefenlinie gemittelt (vgl. Abbildung 5-17, schwarzer Kasten). In der feinen Bathymetrie (GBM_slr80_NE
- GBM_ref_NE) steigt die Dissipationsrate, während sie in der Modellvariante mit grober Bathymetrie
(GBM_slr80_NE_CB - GBM_ref_NE_CB) nahezu konstant bleibt. Die größere Zunahme der Dissipati-
onsrate in der feinen Bathymetrie ist auf die höhere Zunahme der mittleren Strömungsgeschwindigkeiten
zurückzuführen. In der groben Bathymetrie kann ein Anstieg der mittleren Strömungsgeschwindigkeiten
nicht in gleichem Maße verzeichnet werden. Die gröbere Bathymetrie enthält künstliche Untiefen und Bar-
rieren, die besonders in den Rinnen des Wattenmeers keinen kontinuierlichen und ungehinderten Durch-
fluss erlauben. Dies führt zu den Unterschieden in der mittleren Strömungsgeschwindigkeit sowie deren
Reaktion auf einen Meeresspiegelanstieg.
Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine ausreichend feine Auflösung der flachen Regionen wie dem
Wattenmeer in hydrodynamischen Modellen für eine möglichst genaue Darstellung der Tidendynamik und