44 Schlussbericht des SP-108 Fokusgebiete Küsten, BMVI-Expertennetzwerk (2016–2019)
geflutet werden dürfen, wird viel Energie auf den flachen Gebieten der niederländischen Küste sowie des
ostfriesischen Wattenmeers dissipiert. Daher erreicht weniger Energie die nördliche Deutsche Bucht, was
sich in einer abgeschwächten M2 Amplitude ausdrückt. In dem Modell, das eine feste vertikale Begrenzung
vorgibt, verbleibt aufgrund des Fehlens einer zusätzlichen dissipativen Fläche mehr Energie in der M2-
Gezeit. Dies führt zu einer Erhöhung der M2-Amplitude bei mittlerem Meeresspiegelanstieg. In einer wei-
teren Studie von Pelling und Mattias Green (2014) wird mit ähnlichen Modellen ein kleinerer Meeresspie-
gelanstieg von 1 m untersucht. Das Ergebnis dieser Studie unterstützt die Theorie von Pelling et al. (2013).
Die Hauptaussage dieser Studie von Pelling und Mattias Green (2014) ist, dass hochauflösende Simulationen
mit aktuellen und realistischen Hochwasserschutzanlagen erforderlich sind, um eine Veränderung der Tide-
dynamik durch einen Meeresspiegelanstieg abschätzen zu können.
In diesem Zusammenhang stellte sich die Frage, ob die Auflösung von Schelfmodellen ausreicht, um die
Reaktion der Tidendynamik in der Nordsee auf einen Meeresspiegelanstieg beurteilen zu können. Insbe-
sondere flache Bereiche mit hoher Dissipation und die Ästuare sind in diesen Modellen häufig unzureichend
dargestellt. Die betrachteten Schelfmodelle haben eine Gitternetzauflösung von ca. 2 km bis 7 km. Daher
sind bestimmte topographische Strukturen in diesen Modellen auflösungsbedingt nicht enthalten. Hierzu
zählen die Berücksichtigung der Ästuare sowie die detaillierte Darstellung der Watten und Rinnen im Wat-
tenmeer. So können potenziell wichtige Faktoren wie fehlendes Schwingungsvolumen oder eine unzu-
reichend aufgelöste Topographie die Ergebnisse beeinflussen.
Abbildung 5-16: Modellgebiet des DCSMv6FM. Der schwarze Rahmen zeigt die Deutsche Bucht (Quelle:
Rasquin et al. 2020). mNHN = Meter bezogen auf Normalhöhennull.
Im Rahmen dieses Schwerpunktes wurden zwei Modelle verwendet. Zum einen das DCSMv6FM (Zijl et al.
2013, Zijl et al. 2015, Abbildung 5-16), welches den gesamten Schelf der Nordsee abdeckt und zum anderen
das regionale Deutsche Bucht Modell der BAW (Abbildung 5-17). Mit beiden Modellen wurde ein Meeres-
spiegelanstieg von 0,8 m simuliert. Auch diese Modelle zeigen eine unterschiedliche Reaktion der M2-
Amplitude auf diesen Meeresspiegelanstieg. Das DCSMv6FM reagiert mit einem Anstieg der M2-Amplitude