5. Ergebnisse 41
Tabelle 5-5: Aus 30-jährigen Beobachtungen mithilfe der Gumbelverteilung bestimmte Höhen [in cm über
Pegelnullpunkt] für das 10 bis 100-jährliche Hochwasserereignis in Cuxhaven (von 1843–1872) und Husum
(von 1951–1980) und die Änderung der Häufigkeit für spätere Zeitintervalle.
Station 10 jährl. Ereignis 20 jährl. Ereignis 50 jährl. Ereignis 100 jährl. Ereignis
Cuxhaven 889,5 912,8 943,7 967
1843–1872 10 jährlich 20 jährlich 50 jährlich 100 jährlich
1951–1980 4,5 jährlich 9 jährlich 22 jährlich 43 jährlich
1986–2015 4 jährlich 8 jährlich 20 jährlich 40 jährlich
Husum 942,7 966,9 998,6 1023,2
1951–1980 10 jährlich 20 jährlich 50 jährlich 100 jährlich
1986–2015 6 jährlich 11 jährlich 28 jährlich 57 jährlich
Ein wichtiges Resultat der exemplarischen Untersuchung ist, dass bei der Anwendung extremwertstatisti-
scher Untersuchungen grundsätzlich vorher genau geprüft werden sollte, welche Anpassung für die verwen-
deten Daten die optimale Methode ist. Wünschenswert wäre auch die Nutzung mehrerer Methoden, um die
Variabilität zwischen den unterschiedlichen Methoden abschätzen zu können.
5.2.2 Seegang/Extremwellen
In dieser Studie wurde das Auftreten von Extremwellen in der südlichen Nordsee mit den Daten von ins-
gesamt 6 Messbojen näher untersucht. Zusätzlich standen auch Radarmessungen von privaten Betreibern
(wie einer Shell-Station in der westlichen Nordsee) zur Verfügung, die aus rechtlichen Gründen hier aber
nicht weiter erwähnt werden können. Ein Vergleich der Ergebnisse von Radarmessungen mit Bojenmes-
sungen wird daher in einer gesonderten Veröffentlichung stattfinden.
Extremwellen sind definiert als Einzelwellen, die entweder mindestens doppelt so hoch wie die signifikante
Wellenhöhe Hs im umgebenden 30-min Zeitraum sind oder deren Gipfelhöhe C (gemessen von der Nullli-
nie bis zur Scheitelhöhe) mindestens 125 % der Hs beträgt (C> 1.25 Hs), wobei Hs als das Mittel über das
höchste Drittel aller Wellen angesehen werden kann.
Insgesamt werden Rohdaten von sechs Messbojen, die innerhalb eines gemeinsamen Zeitraums von sechs
Jahren vorliegen, untersucht. Die Stationen sind auf der Karte in Abbildung 5-13 dargestellt. Alle Bojen sind
Waverider-Bojen des Typs Mark III und messen mit einer Frequenz von 1,28 Hz. Nach der Qualitätskon-
trolle stehen 170 Millionen Einzelwellen zur Verfügung. Als erstes wurde die Anzahl aller Extremwellen im
Vergleich zur Anzahl aller Wellen untersucht. Das Ergebnis ist ebenfalls in Abbildung 5-13 gezeigt.
Es sind Unterschiede zwischen den verschiedenen Stationen zu erkennen. So ist SEE vor Norderney die
einzige Bojenstation, die mehr Extremwellen identifiziert als in der Theorie nach Forristall (1978) zu erwar-
ten ist. Auf den ersten Blick ist hier keine Gesetzmäßigkeit zu erkennen, nach der etwa die geografische
? Zu der Änderung der Häufigkeit von Extremwellen im Klimawandel kann noch keine Aussage
getroffen werden. Extremwellen treten an verschiedenen Bojenstationen der südlichen Nordsee
unterschiedlich häufig, besonders oft vor der Insel Norderney auf.
? Im untersuchten Zeitraum von 2011–2016 sind etwa 20 % aller Extremwellen im Verbund von
3 bis 4 hohen Einzelwellen (die 3 Schwestern) aufgetreten. Während normale Extremwellen in der
südlichen Nordsee etwa so häufig wie theoretisch vorhergesagt auftreten, sind besonders hohe
Extremwellen häufiger als theoretisch erwartet.
? Die Vorhersagbarkeit von Extremwellen und damit die Möglichkeit einer Echtzeitwarnung soll
in einem Nachfolgeprojekt überprüft werden. Weitere Informationen sind im Abschlussbericht
der HZG und in einem eigenen Meilensteinbericht (M108-c2, Teutsch 2019) des BSH zu finden.