38 Schlussbericht des SP-108 Fokusgebiete Küsten, BMVI-Expertennetzwerk (2016–2019)
beschrieben. Im Rahmen der Untersuchungen des Expertennetzwerks zu den Wasserständen in der Deut-
schen Bucht wurden nicht nur die Änderungsraten der mittleren Wasserstände bestimmt, sondern auch die
Änderungsraten der verschiedenen Perzentile bzw. der sehr hohen (mit jährlicher bis zu 100-jährlicher Wie-
derkehrrate). Dabei zeigte sich, dass die Änderungsraten für die verschiedenen Perzentile teilweise deutlich
voneinander abweichen. Es ändert sich also die Verteilung der Wasserstände insgesamt, zusätzlich zu dem
mittleren Anstieg. Beispielhaft ist dies für den Pegel Cuxhaven durch Entwicklung des Niedrigwasserschei-
telstandes für verschiedene Perzentile für die jeweiligen 30-jährigen Mittel darstellt (Abbildung 5-11). Deut-
lich wird, dass etwa ab Mitte des vorigen Jahrhunderts das mittlere Niedrigwasser bis 2014 stagniert, wäh-
rend vor allem die hohen Perzentile weiter anstiegen. Dies ist unter anderem relevant für die Entwässerung
der norddeutschen Tiefebenen, da bei zu hohen Wasserständen das Entwässerungsfenster beispielsweise
des NOK verkürzt wird.
Diese beobachtete Änderung der mittleren Wasserstände und deren Verteilung, ist auch in Projektionen des
SLR sichtbar. Analysiert wurden stündliche Wasserstände im Lauf 1 des gekoppelten globalen Klimamodells
MPI-OM/REMO (Mathis et al. 2018) im Weiter-wie-bisher-Szenario. Die Ergebnisse sind in Tabelle 5-3 zu-
sammengefasst: Dargestellt sind die mittlere Änderungsraten [in mm/Jahr] für ausgewählte Perzentile der
Hochwasser- und Niedrigwasserscheitel am Pegel Cuxhaven. Die Trends, die signifikant (auf dem 5 % Test-
niveau) von dem mittleren Anstieg (etwa 4,4 mm/Jahr für den Zeitraum 1951–2100) abweichen, sind in rot
hervorgehoben. Es wird klar, dass die sehr hohen und sehr niedrigen Perzentile signifikant höhere Anstiegs-
raten aufweisen als die mittleren Wasserstände. Auch die extremwertstatistischen Untersuchungen zeigen
einen stärkeren Anstieg hoher Werte.
Abbildung 5-11: Entwicklung der Niedrigwasserstände am Pegel Cuxhaven für das mittlere Niedrigwasser
und ausgewählte Perzentile (vom 50. bis zum 99. Perzentil) im Zeitraum von 1843–2014. Dargestellt sind
30-jährigegleitende Mittel. Alle Werte wurden der besseren Vergleichbarkeit wegen für die erste 30-Jahre-
periode (von 1843–1872) auf null gesetzt.
Wie schon erwähnt, stehen an der deutschen Nordseeküste langjährige Pegeldaten der Wasserstände zur
Verfügung, die teilweise bis in das Jahr 1843 zurückreichen (Pegelstandort Cuxhaven). Diese Pegeldaten
sind in unterschiedlicher zeitlicher Auflösung vorhanden. Bis in das Jahr 1918 stehen nur Scheitelwerte der
Hoch- und Niedrigwasser zur Verfügung. Danach gibt es für viele Pegel stündliche und später sogar minüt-
liche Werte. Aufgrund der Länge von meist als 30 Jahren, können die Pegeldaten für extremwertstatistische