5. Ergebnisse 35
scheiden sich hingegen wenig. Beide Ereignisse treten bis ~2010 zunehmend seltener ein und werden an-
schließend zunehmend häufiger erwartet. Erst ab etwa ~2055 kommt es zu einer starken Verringerung der
Bandbreite, in der das anfänglich Jahrhundert- bzw. 60-jährige Ereignis nicht mehr enthalten ist. Insofern
weisen alle Realisierungen des Weiter-wie-bisher-Szenarios ab der Mitte des 21. Jahrhunderts auf ein häufigeres
Auftreten von extremen Niederschlägen hin.
Grundsätzlich erschwert die hohe natürliche Variabilität des Niederschlags (BMVI-Expertennetzwerk 2020,
Brienen et al. 2020) die Detektion signifikanter Änderungssignale. Auch wenn höhere Lufttemperaturen in
Zukunft bedeuten, dass die Atmosphäre mehr Wasserdampf enthalten kann, muss es nicht notwendiger-
weise heftiger regnen oder zu extremeren Extremniederschlägen kommen. Denn neben dem zur Verfügung
stehenden Wasserdampfgehalt spielen die Schichtung der Atmosphäre (stabil / instabil) und der notwendige
Vorrat an Kondensationskernen in der Luft bedeutende Rollen. Nur wenn sich genügend niederschlagsfä-
higes Wasser bilden kann, wird es auch ausfallen.
Tiefgreifendere Untersuchungen sind notwendig, um belastbare extremwertstatische Ergebnisse zu erzielen.
Die bisherigen Analysen bestätigen anderswo dargestellte Probleme im Anwendungsbereich der klassischen
Verfahren der Extremwertanalyse (z. B.Nikulin et al. 2011). Die dadurch motivierte andauernde Entwick-
lung neuer Verfahren und Methoden (z. B.Makkonen und Tikanmäki 2019) zeigt, dass es keinen extrem-
wertstatistischen „Königsweg“ gibt (Kapitel 5.2.1). Insbesondere zum Zusammenhang Feuchte/Abfluss,
sowie möglichen gemeinsamen Auftrittswahrscheinlichkeiten von erhöhtem Außenwasserstand und erhöh-
tem Abfluss können darum zurzeit keine belastbaren Aussagen getroffen werden. Die Anwendung der Er-
gebnisse zur Entwässerung am NOK (Kapitel 5.4.1 und 5.4.2) auf andere Einzugsgebiete ist zudem nicht
ausreichend verifizierbar, da lokale Gegebenheiten wie Bodenart, Versiegelungsgrad oder Lage, aber auch
der lokale Anstieg des Meeresspiegels und ggf. Landhebungs- bzw. Senkungsprozesse einen großen Einfluss
haben. Ferner müssen bereits vorliegende und in Planung befindliche Schutzmaßnahmen berücksichtigt
werden.
5.2 Änderungen ozeanographischer Parameter
5.2.1 Wasserstand/Meeresspiegel
Während für das vorige Jahrhundert etwa 50 % des Meeresspiegelanstiegs (Sea Level Rise (SLR)) auf die
Dichteänderungen des Wassers im Ozean zurückzuführen sind, wurde dieser Effekt um etwa das Jahr 2005
herum durch die Änderungen der Eismassen als Haupttreiber des Anstiegs abgelöst (Slangen et al. 2017).
Zurzeit sind die Beiträge der Landgletscher zum Meeresspiegelanstieg noch größer als die von Grönland
und der Antarktis, da sie zumeist in wärmeren Klimazonen liegen (Gregory et al. 2013). Es wird erwartet,
? Die aktuellen globalen Meeresspiegelanstiegsszenarien projizieren eine wahrscheinliche Band-
breite des Meeresspiegelanstiegs von etwa 61-110 cm bis zum Ende des Jahrhunderts im Weiter-
wie-bisher-Szenario (IPCC 2019).
? Die Projektionen zur Entwicklung des globalen Meeresspiegels sind aber weiterhin mit großen
Unsicherheiten behaftet, unter anderem aufgrund der bislang noch unzureichend erfassbaren
Entwicklung der arktischen und antarktischen Eismassen. Dies betrifft vor allem die Abschätzung
der oberen Grenze des Meeresspiegelanstiegs.
? Analysen der historischen Wasserstände bei Cuxhaven zeigen, dass sich seit der Mitte des 19.
Jahrhunderts die Verteilung der Wasserstände nicht gleichmäßig ändert, sondern die hohen Was-
serstände stärker angestiegen sind als die niedrigen Wasserstände. Diese ungleichmäßige Ände-
rung konnte auch in einem Zukunftslauf eines global gekoppelten Klimamodells (MPI-
OM/REMO im Weiter-wie-bisher-Szenario nachgewiesen werden.