30 Schlussbericht des SP-108 Fokusgebiete Küsten, BMVI-Expertennetzwerk (2016–2019)
5.1.2.1 Wetterlagen-Klassifizierungsverfahren
Eine integrale Beschreibung der regionalen atmosphärischen Zirkulation ist mithilfe definierter Zirkulati-
onsmuster oder Wetterlagen möglich (Lamb 1950). Am BSH wird dazu im Rahmen der Analysen des Nord-
seezustands das von Jenkinson und Collison (1977) zur Objektivierung der „Lamb Weather Types“ entwi-
ckelte automatische Klassifizierungsverfahren verwendet (Loewe et al. 2005). Dieses Verfahren wurde auch
für die nachstehenden Untersuchungen verwendet, die sich vorerst auf das Weiter-wie-bisher-Szenario be-
schränken.
Das Verfahren besteht in der Auswertung von Luftdruckfeldern im Meeresniveau an 16 Gitterpunkten im
weiteren Nordseeraum, die zur Bestimmung repräsentativer Indizes für Wind und Wirbelstärke herangezo-
gen werden. Aus Relationen zwischen diesen Indizes lassen sich Wetterlage und Sturmstärke ableiten. Wäh-
rend das Klassifizierungsverfahren originär 27 verschiedene Wetterlagen zulässt, wurde hier mit einem auf
6 Wetterlagen reduzierten Set gearbeitet (Loewe 2009). Diese 6 charakteristischen Wetterlagen sind: Anti-
zyklonal (A), Zyklonal (C), Nordost (NE), Nordwest (NW), Südost (SE), Südwest (SW).
5.1.2.2 Häufigkeitsanalyse für zwei gekoppelte Klimamodelle
In Abbildung 5-6 sind die Jahresklimatologien für die relativen Häufigkeiten der Wetterlagen in 3 verschie-
denen 30-Jahreszeiträumen (Bezugszeitraum, nahe Zukunft, ferne Zukunft) beispielhaft für einen Modelllauf
(MPI-OM/REMO Lauf 3) dargestellt. Die Wetterlagen SW und A treten mit 26 % und 22 % in der Gegen-
wart am häufigsten auf, gefolgt von NW (16 %), C (16 %), SE (13 %) und NE (7 %). Diese Rangfolge ergibt
sich auch für alle anderen Modellläufe. Die Rangfolge ändert sich auch zum Ende des Jahrhunderts nicht,
obwohl die individuellen Häufigkeiten durchaus variieren.
Abbildung 5-6: Jahresklimatologien der relativen Häufigkeiten der 6 Lamb-Wetterlagen-Klassen (A, C, NE,
NW, SE, SW) in [%], beispielhaft für die Modellkopplung MPI-OM/REMO im Lauf 3 für den Bezugszeit-
raum (1971–2000), die nahen (2031–2050) und ferne Zukunft (2070–2099) im Weiter-wie-bisher-Szenario.
In Abbildung 5-7 ist dargestellt, ob sich für die komplette Zeitreihe (1961–2099) der jährlichen relativen
Häufigkeiten der Wetterlagen aus dem jeweiligen gekoppelten Modelllauf (siehe Tabelle 9-2) ein Trend
ergab. Die Vorzeichen geben an, ob es sich um einen positiven oder negativen Trend handelt.
Für die Zeitreihen aus beiden Modellfamilien wurde meist ein positiver Trend der NW Wetterlage und ein
negativer Trend der SE Wetterlage ermittelt. Der signifikant positive Trend der NW Wetterlage ist in 6 der
8 verfügbaren Läufe zu erkennen und ein signifikant negativer Trend für die SE Wetterlage in 5 von 8
verfügbaren Läufen. In den anderen Wetterlagen sind keine über die Läufe identischen Trends zu erkennen.
Die Modellläufe zeigen im Weiter-wie-bisher-Szenario für die Wetterlage NW für die ferne Zukunft (2070–2099)
einen relativen Anstieg der relativen Häufigkeit von 7-30 % gegenüber der relativen Häufigkeit im Bezugs-
zeitraum (1971–2000). Für die Wetterlagen SE ergibt sich eine relative Abnahme der relativen Häufigkeit von
-13 bis -35 %.