5. Ergebnisse 27
digkeit künftig nicht nur häufiger erreicht und überschritten werden muss, sondern auch, dass es zu extre-
meren Überschreitungen kommen muss als gegenwärtig. Wir beschränken uns hier darauf, die Änderungen
der Häufigkeit der stündlichen Extremwindgeschwindigkeiten für die Zeitscheiben nahe Zukunft und ferne
Zukunft gegenüber derjenigen für den Bezugszeitraum zu quantifizieren.
Im Gegenwartsklima beträgt die klimatologische relative Häufigkeit der stündlichen Windgeschwindigkei-
ten, welche die P98-Geschwindigkeit erreichen oder überschreiten, definitionsgemäß 2 %; die klimatologi-
sche absolute Häufigkeit beträgt demnach etwa 175 h/Jahr. Die gegenwärtige P98-Geschwindigkeit dient
auch für die Zukunftsklimata als Schwellwert zur Bestimmung der künftigen Häufigkeiten. Dazu werden
die stündlichen Geschwindigkeiten der Zukunftszeitreihen zunächst aufsteigend sortiert, um festzustellen
in welchem Verhältnis der Schwellwert die beiden Datensätze aufteilt bzw. welchem Perzentil der Schwell-
wert in den Zukunftszeitreihen entspricht. Eine Aufteilung 96:4, beispielsweise, entspräche einer Verdopp-
lung der stündlichen Extremwindgeschwindigkeiten von 2 auf 4 % oder 350 h/Jahr im klimatologischen
Jahresmittel. Die Ergebnisse der Analyse der 8 Realisierungen des Weiter-wie-bisher-Szenarios sind für die 7
Regionen als Differenzen der klimatologischen Jahresmittel „Zukunft“ minus „Gegenwart“ in Abbildung
5-4 zusammengefasst.
Abbildung 5-4: Abweichung der klimatologischen Anzahl von Extremwindstunden pro Jahr in der nahen
(jeweils links) und fernen Zukunft (rechts) von derjenigen im Bezugszeitraum (1971–2000) für die in Abbildung
5-1 dargestellten Nord- und Ostseeregionen. Eine stündliche Windgeschwindigkeit zählt als Extremwind-
stunde, wenn sie die für den Beobachtungszeitraum bestimmte P98-Schwellwertgeschwindigkeit erreicht
oder überschreitet. Ausgewertet wurden 8 Realisierungen des Weiter-wie-bisher-Szenarios mit den Klimamodellen
MPI-OM/REMO und NEMO/RCA4. Positiven Differenzen sind in rot und negative in blau dargestellt.
Erwartungsgemäß korrespondieren die regionalen Änderungen der Häufigkeiten der Extremwindstunden
mit denen der stündlichen P98-Geschwindigkeiten (Abbildung 5-3), denn letztere wurden lediglich in eine
anschaulichere Dimension transformiert, die einer Einschätzung ihrer Bedeutung besser zugänglich ist. Wie
sich durch Vergleich beider Abbildungen leicht einsehen lässt, entspricht der geringe Anstieg der P98-Ge-
schwindigkeit um ~3 % immerhin einer Zunahme der jährlichen Extremwindstunden um ~100 h oder
~60 %. Im Übrigen ergeben sich aufgrund der Äquivalenz beider Darstellungen (Abbildung 5-3 vs. Abbil-
dung 5-4) keine anderen oder zusätzlichen Schlussfolgerungen als diejenigen, die bereits im Rahmen der
Diskussion der P98-Geschwindigkeiten gezogen wurden. So ergeben sich entsprechend geringere Änderun-
gen der Häufigkeiten der Extremwindstunden für analog durchgeführte Analysen der moderaten und Klima-
schutz Projektionen der gleichen Modelle, vgl. Ganske (2019a).