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Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1SS8 No. 2 —
Werden die Werthe der gleichnamigen Stunden der beiden Jahresmittel für 1885 von einander sub-
trahirt, so erhält mau ähnliche Grössen, wie sie am Schlüsse der Tafel auf S. 3 gefunden wurden. Vergleicht
man die Jahres-Missweisung für 1885 nach Weglassung der Störungen (11°29.'22) mit der auf gleiche Weise
im Jahre 1884 gefundenen (ll°35.Tl), so erhält man eine jährliche Abnahme derselben von 5/89. Der
Unterschied der Jahres-Missweisung aus V2 (Maximum + Minimum) der Stuudenmittel beider Jahre, gleichfalls
nach Weglassung der Störungen (11°35.'32—11°29.T9) giebt 6/13, im Mittel also 6.01 Minuten.
Um das Stundenmittel aus allen Beobachtungen dieses Jahres mit dem auf dieselbe Weise gefundenen
des vorigen Jahres vergleichen zu können, sind sämmtliche Beobachtungen für 1884 nochmals berechnet
worden. Das Mittel ist oben angegeben. Dass die Jahres-Korrektionen beider Jahre theilweise schlecht
übereinstimmen, ist leicht erklärlich. Es sind im Jahre 1885 nahe doppelt so viele Beobachtungen als im
Vorjahre gemacht, welche alle auf die Zeit von 7 bis 8 Uhr abends fallen, während 1884 im Sommer oft
von 6 Uhr morgens bis 9 Uhr abends, im Winter, ausser November und Dezember, in der Dunkelheit gar
nicht beobachtet wurde. — Vergleicht man die Jahres-Missweisung aus den Stundenmittcln dieser beiden
Jahre mit Beibehaltung der Störungen, so erhält man als jährliche Abnahme 11°35.'23 —ll°29/50 = 5/73,
oder ll°35/34—11°29.'48 aus ‘/2 (Maximum+Minimum) = 5/86 oder im Mittel 5.8 Minuten. — Werden
jedoch drittens nur die Summen der monatlichen Unterschiede der verschiedenen Missweisungen seit De
zember 1884 genommen, so erhält man als Mittelwerth nur 4/31. Wenn jede Bestimmung eine gleiche
Berechtigung hat, so würde die Abnahme der Missweisung für 1884/85 nahe = 1 / 3 (6.01 + 5.80+4.31) = 5.37 Mi
nuten sein, was ein bedeutend kleinerer Werth als in den Vorjahren ist.
Nordlicht — eigentlich nur Nordlicht-Schein ohne Strahlung — wurde nur einmal im Jahre gesehen,
und zwar am 6. Dezember um 6 Uhr abends. Der Stand der Nadel war schon vormittags klein, die
grösste Abweichung fand jedoch von 4 bis 8 Uhr abends statt. Die Ablenkunng war eine östliche und
betrug die kleinste Missweisung 11° 14' um 7 Uhr.
In der Zeit vom 8. Februar bis 28. November 1885 wurden, wie im Vorjahre, Intensitäts-Bestim
mungen gemacht, und zwar zum grössten Theil in der Zeit zwischen 9 und 10 Uhr vormittags und abends.
Die einzelnen Beobachtungen weichen oft beträchtlich von einander ab, so dass viel erreicht ist, wenn der
aus 228 Beobachtungen gefundene Mittelwerth von 1.7861 G. S. annähernd richtig ist. Die Zunahme von
0.0024 G. Einheiten in etwa 8 Monaten scheint zu gross.
Barth, Januar 1886.