3. Schnittstellen und Kooperationen 9
Ferner wurden Informationen an die Schwerpunkte Klimawirkungsanalyse (Hänsel et al. 2020b) sowie Anpas-
sungsoptionen (Norpoth et al. 2020) geliefert, die die finalen Produkte aus allen Schwerpunkten des Themen-
felds bündeln.
3.2 Themenfeldübergreifende Schnittstellen
Themenfeldübergreifend bestehen Verbindungen zum Themenfeld 6 Verkehrswirtschaftliche Analysen. Am
Beispiel des schweren Seeunfalls des Containerzubringers Akacia wurden Einflüsse von Einschränkungen
der Verkehrswege auf den Güterverkehr mit Hilfe von Schiffsbewegungsdaten (Automatic Identification
System, AIS) am Beispiel des NOK nachvollzogen (Cox et al. 2019). Die Akacia hatte am 19.02.2018 das
Schleusentor der Neuen Südschleuse in Kiel-Holtenau gerammt und durchbrochen.
Die Auswirkungen dieses Unfalls und der nachfolgenden Sperrung der Schleusenkammer für Reparaturen
bis zum 06.04.2018 waren selbst Wochen nach der Wiederinbetriebnahme noch deutlich wahrnehmbar:
Untersuchungen der von der GDWS zur Verfügung gestellten Daten im Zeitraum vom 01.01 – 31.05.2018
belegen, dass die Schiffspassagen im NOK für Monate deutlich zurückgingen (Abbildung 3.2). Dies kann
auf die Sperrung der Schleusenkammer und die damit einhergehenden Wartezeiten an der Schleuse Kiel-
Holtenau zurückgeführt werden.
Abbildung 3-2: Übersicht
über die Schiffspassagen in
den ersten fünf Monaten
des Jahres 2018. Die Verla-
gerungseffekte sind auch
nach mehreren Wochen
gut sichtbar (Quelle: Cox et
al. 2019, Abbildung 37).
Die Auswertung der AIS-Daten im Zeitrahmen vom 11.02. – 08.03.2018 zeigen, dass sich mehrere Schiffe
für einen Umweg über Skagen entschieden haben (Abbildung 3-3), obwohl diese Route mit nachweislich
erheblichen Mehrkosten verbunden ist. Seeschiffe, die aufgrund ihrer Größe für die Kanalpassage nicht in
Frage kamen oder Zwischenstopps auf der Skagenroute aufwiesen, wurden in dieser Auswertung nicht be-
rücksichtigt.
Auswirkungen von Verkehrsverlagerungen auf die deutschen Häfen konnten im Rahmen dieser Studie nicht
nachgewiesen werden. Jedoch kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine Häufung von Störungen und
damit einhergehenden langen Wartezeiten am NOK zu längerfristigen Verlagerungen der Warentransporte
in konkurrierenden Häfen führen können. Auf Basis der erzielten Ergebnisse sollen in Phase II ausführli-
chere und tiefgreifendere Untersuchungen durchgeführt werden, die unter anderem mögliche Verkehrsein-
schränkungen durch veränderte klimatische Randbedingungen (z. B. Meeresspiegelanstieg, Großwetterlage)
beinhalten.
2.772
2.412 2.363 2.394
2.434
2.000
2.200
2.400
2.600
2.800
3.000
Januar Februar März April Mai
Schiffspassagen im NOK (2018)