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| International zertifiziertes Studium der Hydrographie
International zertifiziertes Studium der Hydrographie
an der HafenCity Universität Hamburg (HCU)
7.1 Einleitung
In dieser Festschrift stellen unter anderem die
BSH-Präsidentin, Monika Breuch-Moritz, und
Holger Klindt für die Deutsche Hydrographische
Gesellschaft die immense Wichtigkeit der Hydro-
graphie für die Sicherheit und Leichtigkeit der
Schifffahrt, aber auch für planerische und dokument
arische Zwecke für Wirtschaft und Gesellschaft
dar. Die Erfassung, Modellierung und Darstellung
von Strukturen, Objekten und Zuständen, die unter
der Wasseroberfläche verborgen sind oder sich
im Wechselspiel zwischen Wasser und Land im
Bereich der Ufer und Küsten befinden, stellen
komplexe Anforderungen an den Hydrographen.
Das Arbeitsumfeld ist sehr hoch technisiert, zur
Erfassung der Parameter werden zumeist kinema-
tische Multi Sensor Systeme genutzt. Die Qualitäts-
sicherung soll bereits an Bord geschehen, im
Moment der Aufnahme sollen bereits erste Aus-
sagen zur Qualität der Messung möglich sein.
Dies erfordert ein hohes Maß an Verständnis für
die Mess-Systeme und deren Parameter, aber auch
für die Entstehung der Strukturen, die erfasst werden
sollen. Diese können natürlichen und künstlichen
Ursprungs sein.
In der Hydrographie wirkt daher auch ein weites
Spektrum an Professionen, wie zum Beispiel Oze-
anographen, Geophysiker, Geologen, Hydrologen
und Bauingenieure. Die Hydrographie ist im weiten
Sinne aber der Geodäsie (bzw. der Geomatik) zu-
gehörig. Folgerichtig hat sich der Studiengang als
Spezialdisziplin aus diesem Berufszweig entwickelt
Der Hydrograph wirkt im interdisziplinären Umfeld,
dieses spiegelt sich auch im Studium wider
An allen größeren Standorten, an denen eine
Geomatik- bzw. Geodäsieausbildung betrieben
wird, gibt es auch einzelne Vorlesungen, die sich
zumindest in Teilen mit der Thematik befassen.
Durchgreifend wird die Disziplin aber nur an der
HafenCity Universität Hamburg (HCU) gelehrt. In
«einer anderen deutschen Stadt sind die notwen-
digen Fachkompetenzen so gut vertreten wie hier.
Neiter wird noch ein technischer Kurs Hydrographie
vei der TECHAWI in Bremerhaven angeboten. Der
vorliegende Beitrag beschreibt die Historie, die
Entwicklung hin zu einem internationalen, einge-
oetteten Angebot und den momentanen Status des
Aydrographiestudiums an der HCU.
7.2 Historie
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die
Hydrographie in Deutschland im Wesentlichen von
der Marine ausgeübt. Eine Ausbildung zum Hydro-
graphen gab es nicht, vereinzelt wurden zur Erledi-
gung der Arbeiten Ingenieure über ein insgesamt
etwa 8-jJähriges Doppelstudium Vermessungswesen
und Nautik eingesetzt. Hydrographische Themen-
Schwerpunkte fanden somit erst 1952 Eingang in
dem 1871 gegründeten Deutschen Verein für Ver-
messungswesen (DVW), damals in dem Arbeitskreis
6 „Ingenieur-Vermessung“. Aus den Aktivitäten ent-
wickelte sich 1971 der DVW-Arbeitskreis 4 „Hydro-
graphische Vermessungen“, der sich ab 1979 mit
dem Thema „Ausbildung zum Hydrographen*
befasste. Bereits im Februar 1981 fasste der Vor-
standsrat des DVW den einstimmigen Beschluss,
dass an allen geeigneten Hochschulen in der dama-
igen Bundesrepublik Deutschland die Einrichtung
eines Hydrographiestudiums empfohlen wird.
Damals wie heute ist die Freie und Hansestadt
Hamburg aufgrund der geographischen Lage,
aber auch wegen der Funktion als bedeutendster
Hafen in Deutschland, als Wirtschafts- und Wissen-
schaftszentrum für alles Maritime der ideale Standort
‘ür eine Hydrographieausbildung. Nirgendwo sonst
in Deutschland gab und gibt es eine derart dichte
Agglomeration an Fachkompetenzen, die der Inter-
disziplinarität optimal gerecht werden kann.