Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1898,
Auf den Werth der graphischen Darstellung in ähnlichen Fällen ist auch
noch mit einem Wort einzugehen, Der Anblick der Fig. 2 a. a. O. zeigt un-
mittelbar, auch ohne Rechnungen, dafs jeder Versuch des Nachweises irgend
einer Periode völlig aussichtslos, d. h. sicher nicht im Stande ist, die [v*]
irgendwie wesentlich herabzudrücken, Es kann heutzutage, wo Viele die „Fest-
stellung“ von Perioden in ähnlichen Beobachtungsreihen der Meteorologie u. 8. W.
etwas leicht nehmen, kaum eindringlich genug auf diese Bedeutung der graphischen
Darstellung hingewiesen werden. Nicht ganz aussichtslos scheint dem Anblick
der Figur nach höchstens der Versuch, der ausgleichenden Linie eine (sehr
kleine) Neigung gegen die Abscissenachse zu geben (d. h. also eine kleine
stetige, der Zeit proportionale Aenderung des Mittelwassers anzunehmen; es
könnte damit eine sehr langjährige Periode angedeutet sein, ohne irgendwelche
Möglichkeit einer Annahme über die Dauer dieser Periode), ihrer Gleichung die
Form y= c,-+Kk-x, statt y = c wie oben, zu geben. Führt man aber diese
(ebenfalls sehr einfache) Rechnung durch, so zeigt sich, daß m nur so unbedeutend
verringert wird und dafs der mittlere Fehler von k ein so grofser Theil von k
selbst wird (?/s ungefähr), daß von einer „Feststellung“ einer solchen Veränderung
des Wasserstandes im Laufe der Zeit gar keine Rede sein kann.
E. Hammer.
Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1897.
Dieser Rückblick auf das Wetter von Deutschland im vorangehenden Jahre
beruht, wie der vorjährige, auf dem Beobachtungsmaterial der Seewarte und den
Monatsübersichten fast aller deutschen meteorologischen Institute und Central-
stationen. Nur die Monatszusammenstellungen des Königlich Sächsischen Meteoro-
logischen Instituts konnten ihres späteren Einganges wegen nicht berücksichtigt
werden.
In den angefügten Tabellen ist gegen das Vorjahr insofern eine Aenderung
eingetreten, als für Süddeutschland andere Beobachtungsstationen als Repräsentanten
der verschiedenen Gegenden darin aufgenommen sind. Die Veranlassung dazu
zab eine Veränderung in den Witterungsübersichten des Königlich Württem-
bergischen Statistischen Landesamtes für die einzelnen Monate des Jahres. Aus
diesen Uebersichten konnte ein grofser Theil der Beobachtungsdaten, welche in
den beigefügten Tabellen wiedergegeben sind, für Hohenheim nicht mehr ent-
nommen werden, und daher war diese Station aus den Tabellen auszuscheiden.
Um die vier süddeutschen Orte aber auch ferner über das Gebiet möglichst
gleichmäfsig vertheilt zu erhalten, bedurfte es ebenfalls einer neuen Auswahl der
anderen drei Stationen; so ist denn anstatt Strafsburg, Hohenheim, Bamberg,
München in diesem Bericht Metz, Mannheim, Freiburg i. B., Weifsenburg a. S.
eingesetzt worden.
Die Witterung zeigte im Jahre 1897 für die verschiedenen Gegenden
Deutschlands häufiger als gewöhnlich einen verschiedenen Verlauf. Der Norden
und Süden oder der Westen und Osten Deutschlands hatten während mancher,
eine längere Reihe von Tagen umfassender Zeiträume, besonders in Bezug auf
Niederschläge und Temperatur, erheblich voneinander abweichende Verhältnisse;
Nässe und Trockenheit, für die Jahreszeit hohe oder niedrige Temperaturen
standen zeitweise einander gegenüber. Diese Erscheinung hängt mit dem Umstand
zusammen, dafs Centraleuropa aufsergewöhnlich häufig von der Läugsaxe einer
langgestreckten, mehr oder weniger ausgeprägten Depression quer durchschnitten
wurde und daher in seinen verschiedenen T’heilen unter den Einflufs entgegen-
gesetzter Luftströmungen gelangte. Der gleiche Umstand hat ferner zur Folge
das häußge Auftreten überaus heftiger Regenfälle, welche mehrfach verheerende
Ueberfluthungen herbeiführten.
Im Allgemeinen charakterisirte sich die Witterung des verflossenen Jahres
durch einen kalten und trockenen Januar, milden Februar und März, kühles und
regnerisches Wetter im April und der ersten Hälfte des Mai, warme und meist
trockene, doch gewitterreiche erste Hälfte des Mai und ebensolchen Juni, kühlen