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Full text: Die Bibliothek des Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie

Archivmitteilungen 
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Detail der ältesten im Bestand vorhandenen deutschen Seekarte aus dem 
Jahr 1825. Quelle: BSH. 
Beginn des Ersten Weltkriegs unterbrochen. Vor und wäh- 
rend des Zweiten Weltkriegs wurde die Kartenherstellung 
dann erneut intensiviert. In der Hochzeit der deutschen 
Kartenproduktion gab es über 1.000 unterschiedliche 
Seekarten. 
Was bedeuten die Symbole und Abkürzungen? 
Viele Seeleute konnten früher nicht gut lesen und schreiben. 
Jaher spielten grafische Darstellungen lange eine wichtige 
Rolle in Seekarten und den dazugehörigen Seehandbüchern. 
Diese beruhten oft auf Zeichnungen, die die Seeleute selbst 
auf ihren Reisen anfertigten. 
Seit 1883 gibt es Übersichten der Symbole und Abkürzun- 
gen, die in deutschen Seekarten verwendet wurden. Unter 
Federführung der Internationalen Hydrographischen Orga- 
ıisation (IHO) wurde die Verwendung der in den Seekarten 
enthaltene Zeichen und Abkürzungen im Laufe der letzten 
Jahrzehnte international vereinheitlicht. Daher ist eine aktu- 
elle deutsche Seekarte auf den ersten Blick kaum von einer 
dänischen oder britischen Karte zu unterscheiden. 
internationale Zusammenarbeit bei der Seekartenher- 
stellung 
Karten galten früher als besonders wertvolle Informationen. 
Ihre Herstellung war teuer und aufwändig. Sie wurden daher 
neist von den jeweils Herrschenden in Auftrag gegeben und 
nur in wenigen Ausgaben hergestellt. Für einen Kapitän ge- 
hörten Seekarten zu den wichtigsten Arbeitsmitteln, die er 
beim Anheuern auf einem neuen Schiff nicht aus der Hand 
gab. Erst nachdem Karten nicht mehr gezeichnet, sondern 
gedruckt wurden, konnten diese auch in größeren Auflagen 
veröffentlicht werden. 
Ja es wichtig war, dass die Seeleute die vorhandenen Karten 
auch lesen konnten, wurden diese in der jeweiligen Landes- 
sprache erstellt. Ein Ziel der vom Reichstag beschlossenen 
Erweiterung des deutschen Seekartenwerks war daher auch 
die Erstellung „deutscher Karten für deutsche Seeleute“. Im 
Zuge der Kolonisierung nahm auch der Handel mit den neu- 
en Kolonien zu. Die Seegebiete vieler ehemaliger deutscher 
Kolonien wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts erstmals 
„on deutschen Schiffen vermessen. 
Im Interesse der Sicherheit des Schiffsverkehrs gibt es schon 
sehr lange einen regen Informations- und Datenaustausch 
zwischen den hydrographischen Diensten. Bis 1994 veröf 
fentlichte das BSH deutschsprachige Seekarten von Seege- 
bieten in aller Welt. Gleichzeitig gab es auch Karten der 
deutschen Küsten, die von anderen Ländern herausgegeben 
wurden. Um diese doppelte Arbeit zu reduzieren, wurde in 
den letzten Jahrzehnten — koordiniert durch die Internatio- 
nale Hydrographische Organisation (IHO) — eine engere in- 
:;ernationale Zusammenarbeit vereinbart. Bis auf wenige 
Länder wie z.B. Großbritannien, die sich noch ein weltweites 
Kartenwerk leisten, stellt inzwischen jedes Küstenland nur 
1och Seekarten seiner eigenen Küsten her. Gemäß interna- 
:jonalen Vereinbarungen erscheinen diese Karten immer 
zweisprachig in Englisch und der jeweiligen Landessprache, 
ım den Bedürfnissen global operierender Reedereien und ih- 
rer internationalen Besatzungen gerecht zu werden. 
Über einen Zeitraum von 20 Jahren zog das BSH die deut- 
schen Karten internationaler Gewässer nach und nach ein. 
Seit 2015 stellt es nur noch Karten der deutschen Küsten der 
Nord- und Ostsee sowie angrenzender ausländischer Seege- 
iete her. Aus diesem Grund hat sich die Zahl der vom BSH 
herausgegebenen Seekarten inzwischen auf etwa 130 redu- 
ziert. 
Herstellung der Seekarten und die Entwicklung zur elek- 
tronischen Seekarte 
Die Herstellung der Seekarten wurde im Laufe der Jahre im- 
mer wieder den technischen Gegebenheiten angepasst. Bis in 
die 1940er Jahre wurden die Karten noch aufwändig im Kup- 
ferstichverfahren hergestellt. Der darauffolgende Einsatz li- 
thographischer Verfahren mit anschließendem Offsetdruck 
zrmöglichte viel höhere Auflagen und eine vereinfachte Fort- 
führung der Karten. Ein weiterer Sprung erfolgte durch die 
Zinführung rechnergestützter Satztechnik für die Herstel- 
ıung der Druckerzeugnisse Mitte der 1990er Jahre. Seit An- 
fang des 21. Jahrhunderts hat sich die Digitalisierung auch 
in der Kartenherstellung durchgesetzt. Die Redaktion und 
?roduktion der Karten verlaufen mit Hilfe moderner Daten- 
banken, mit denen alle notwendigen Quelldaten zentral ge- 
sammelt und für die Herstellung der Seekarten sowie der 
weiteren nautischen Veröffentlichungen aufbereitet werden. 
Die dafür notwendigen Daten werden auch weiterhin regel- 
mäßig von den eigenen Vermessungsschiffen erhoben. 
Bereits seit Ende der 1980er Jahre gab es Bemühungen zur 
Erstellung elektronischer Seekarten (Electronic Navigatio- 
Zeitgeschichte regional. Mitteilungen aus Mecklenburg-Vorpommern 23. Ja. 1+2/19 | 
207
	        
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