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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, März 1916,
dann folgt für mittlere Verhältnisse (80° relative Feuchtigkeit) schon eine um
fast 40%, zu hohe Verdunstung (vgl. 8 13).
Daß die Windgeschwindigkeit am Verdunstungsgefäß, wie natürlich,
größer war als an der Meeresoberfläche, konnte zu dem erwähnten Ergebnis
nichts beigetragen haben, Größere Ventilation hätte bei der Anordnung den
Temperaturunterschied in jedem Falle verringert. Die Windwirkung ist also
mindestens voll der erwähnten überlagert.
In den Lütgensschen Berechnungen vermisse ich schließlich — und das
dürfte vor allem den Ausschlag geben — das außerordentlich wichtige Glied
für die Übertragung vom kleinen Verdunstungsgefäß auf die weite
Meeresfläche. Gerade diese Reduktion ist eine der notwendigsten.
Zahlenwerte. Nimmt man nun — für die Passatzone — in 5m Höhe
etwa 30 km/h Windgeschwindigkeit an, an der Wasserfläche 20 km/h (die Ver-
schiedenheit ist wahrscheinlich größer, vgl. $ 11), so verhielte sich die Ver-
dunstung oben zu unten (Bigelowsche Formel, $ 10) wie 3.52: 2.68, d. i. wie
1.31:1. Im Stillengürtel, wo man oben etwa 4, unten vielleicht 2.7 km/h Ge-
Schwindigkeit annehmen kann, wird das Verhältnis günstiger, aber nicht
geringer als 1.09. Eben weil die Gesamtverdunstung im Wind viel stärker
ist, gibt bei Mittelbildung jeder Art die größere Luftbewegung den Ausschlag.
Sicher liegt also der Faktor, welcher die Windwirkung darstellt, im Mittel nicht
unter 1,25,
Der reziproke Wert des Reduktionsfaktors von einem Gefäßdurchmesser
von 19.1 cm (Oberfläche des »Normalgefäßes« von Lütgens 288 em?) auf die
freie Wasserfläche wird nach $ 7 442/230 =1.94. Nun war das Verdunstungs-
gefäß durch einen Luftmantel geschützt, die »äußere Wärmeleitung« ($$ 4—6)
herabgesetzt; deshalb mochte diese Wirkung kleiner sein und wir setzen sie —
wohl auch zu niedrig — auf weniger als die Hälfte an, etwa 1.4. Die übrigen
Wirkungen, die höchstens einige Prozente ausmachen, lassen wir beiseite,
Nimmt man nun noch die eben angeführte Wirkung des verschiedenen
meteorologischen Zustandes hinzu, welche auch den Strahlungseinfluß, soweit er
nicht in dem Reduktionsfaktor wegen der Gefäßgröße enthalten ist, umfaßt, so
folgt, daß die Lütgensschen Messungen im Durchschnitt das 1.25 .1.4-1.35
=24-fache der tatsächlichen Verdunstung auf dem Meere lieferten.
Ich möchte nun nicht behaupten, daß der Reduktionsfaktor tatsächlich so
hoch %ewesen sei, sondern halte einen Wert von etwa.2 für den wahrscheinlich-
sten. Welchem der Teilbeträge eine geringere Wirkung, als errechnet, zukommt,
läßt sich ohne wirkliche Versuche schwer sagen: am ehesten wäre der dritte
Faktor zu hoch.
$ 19. Zusammenfassung und Anregung. Die großen Abweichungen
zwischen den theoretisch errechneten und den Lütgensschen Ver-
dunstungswerten wären also vollkommen im Sinne meines Ansatzes in
der Arbeit erklärt und ich darf meine Werte sicher noch als Höchst-
werte bezeichnen. Ferner erscheint mir aber das, was ich dort als Vermutung
aussprach, daß nämlich die Zahlen für die Passatzonen etwas zu hoch seien
gegenüber den anderen, nach den jetzigen ausführlicheren Überlegungen nur
noch wahrscheinlicher. Dadurch würde aber in meiner Ableitung der Wärme-
transport gleichmäßiger, die Gesamtverdunstung auf dem Meere etwas, aber
kaum merklich, höher ausfallen.
Wegen der großen Zahl der — noch dazu mit verschiedenen Anord-
nungen angestellten — Messungen, auf welchen die Brücknerschen!) Werte
für die Verdunstung auf dem Meere beruhen, ist es mir unmöglich, auch da auf
ähnlichem Wege einen Zahlenwert zur Umrechnung abzuleiten. Daß in diesem
Fall der Reduktionsfaktor — ich nehme etwa 1.4 bis 1.5 an — viel kleiner ist,
die Werte also richtiger sind als die unmittelbaren Lütgensschen Messungen,
hängt jedenfalls damit zusammen, daß bei ihnen Angaben von größeren ver-
dunstenden Flächen Verwendung fanden.
Aa. O0. SL.