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Full text : 24, 1901

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Aus  dem  Archiv  der  Deutschen  Seewarte  —  1901  No.  1  —

zu.  Bei  sehr  schwachem  Winde  —  von  3  bis  4 h  auf  der  Seewarte  nur  3.6  m  pro  Sek.  im  Durchschnitt  —
und  sehr  ruhig  fliegendem  Drachen  zeigt  um  3 h 17  der  Zeiger  des  Thermographs  eine  plötzliche  Abkühlung
um  3.2°F  =  1.8°C  ohne  entsprechende  Höhenänderung;  gleichzeitig  ist  die  Feuchtigkeit  von  61%  auf  70%
gestiegen.  Nach  dem  Landen  zeigte  der  Thermograph  um  2.6°  C  zu  niedrig.  Die  Registrir-  Apparate  der
Seewarte  haben  in  dieser  Zeit  keine  merkbaren  Sprünge  gezeigt.
Ein  anderer  manchmal  vorkommender  Fehler  liegt  in  den  Schreibfedern  des  Meteorographen;  dieselben
sind  auf  die  Zeigerhebel  nur  aufgeschoben;  es  ist  wichtig,  dass  sie  dabei  genau  auf  dem  gleichen  Punkt
der  Zeitskala  kommen,  und  dass  ihre  Verbindung  mit  den  Zeigern  sich  nicht  lockern  kann.  Ist  ersteres
nicht  der  Fall,  so  sind  die  auf  derselben  Zeitkurve  liegenden  Punkte  des  Thermogramms,  Ilygrogramms  und
Barogramms  nicht  genau  simultan,  und  das  kann  bei  raschem  Steigen  oder  Sinken  des  Drachens  erhebliche
Fehler  geben.  Ist  dagegen  die  Verbindung  nicht  fest,  so  können  die  Federn  bei  einem  Stoss  abfallen  und
verloren  gehen,  was  hier  in  der  Tliat  beim  Richard  geschehen  ist;  die  neuen  sind  deshalb  mittels  eines
Platindrahts  an  den  zu  diesem  Zweck  durchbohrten  Zeiger  befestigt  worden,  was  stets  geschehen  sollte.
Auch  die  Führung  der  Meteorographen-Trommel  giebt  zuweilen  zu  Unklarheiten  Anlass,  die  bei  der
Kleinheit  der  Skala  des  Meteorogramms  merkliche  Fehler  bedingen.  Durch  Stösse  kann  sich  die  Trommel
einerseits  ein  wenig  —  beim  Instrument  von  Marvin  um  ungefähr  1  mm  —  in  der  Richtung  der  Achse  verschieben, ­
  andererseits  die  Verschraubung  sich  lösen  und  die  Trommel  gedreht  werden.  Das  ist  z.  B.  auch  in
dem  auf  Tafel  6  wiedergegebenen  Meteorogramm  vom  22.  Sept.  1900  zu  erkennen;  beim  Landen  ist  die
Trommel  um  den  Werth  von  ca.  2'/г  Zeitminuten  zurückgesprungen,  was  man  im  Barogramm  deutlicher
sieht,  als  im  Thermogramm,  weil  die  Feder  des  Thermographs  in  den  vorhergehenden  drei  Minuten  nicht
geschrieben  hatte.  Solche  Rücksprünge  sind  auch  schon  in  weit  stärkerem  Maasse  vorgekommen,  wenngleich ­
  nur  wenige  Male.
Im  allgemeinen  kann  man  sicli  nur  wundern,  dass  ein  Registrir-Apparat  in  so  schwankender  Aufstellung
so  ruhige  Kurven  ergiebt.  Dieselben  sind  in  der  Regel  während  des  Fluges  feiner  und  ruhiger,  als  beim
Tragen  des  Instruments  in  der  Hand,  wie  man  dies  an  den  Meteorogrammen  der  Tafel  6  erkennen  kann;
die  Zacken  in  den  horizontalen  Stücken  der  Kurven  vor  und  nach  dem  Aufstieg  sind  durch  die  Erschütterungen ­
  meines  Körpers  entstanden,  während  ich  zum  Aufstiegplatze  oder  von  da  zurück  ging;  die
grösseren  Zacken  während  des  Fluges  sind  Höhenänderungen  des  Drachens  zuzuschreiben,  nur  die  Verbreiterung ­
  der  Kurve,  die  sich  beispielsweise  am  22.  September  nur  zeitweise  im  Barogramm  zeigte,  ist
einem  schnellen  Zittern  der  Feder  durch  Schwankungen  des  Drachens  zuzuschreiben.  Dieses  Zittern  stellt
sich  besonders  bei  der  Barographen-Feder  des  Instruments  von  Marvin  ein.  Der  Grund  liegt  wahrscheinlich
in  zu  lockerem  Bau  des  Dosen-Mechanismus;  ich  habe  ihn  mit  Absicht  bisher  nicht  beheben  lassen,  weil
in  dem  gegenwärtigen  Stadium  der  Versuche  ein  solches  Drachen-Seismometer  ganz  erwünscht  war.  In
einem  Falle,  am  5./10.  1900,  betrugen  die  Ausschläge  dieses  Zeigers  während  des  grösseren  Theiles  des
Fluges  7—9  mm,  was  30—50  mm  Barometerstandes  ausmacht;  die  anderen  beiden  Kurven  sind  gleichzeitig
nur  7-2—1  mm  breit.  Am  auffallendsten  ist  das  Barogramm  am  16./10  1900,  wo  die  Breite  der  Kurve  von
1—2  mm  um  5 h 25 m p.  m.  plötzlich  auf  5  —6  mm  übergeht,  wobei  gleichzeitig  die  Kontakte  des  Anemometers
aufhören,  wohl  weil  sie  wegen  steigender  Windgeschwindigkeit  zu  kurz  werden.  Vorher  hatten  50  Minuten
15  Kontakte  ergeben,  was  einer  Windgeschwindigkeit  von  18  m  pro  Sek.  entspricht.
Die  Aneroid-Dosen  des  Meteorographs  von  Marvin  haben  sich  im  Laufe  der  Zeit  beträchtlich  geändert.
Nicht  allein  ist  die  positive  Standkorrektion  sehr  gewachsen,  sondern  es  hat  sich  merkwürdigerweise  auch
die  Temperatur-Korrektion  sehr  verändert.  Der  Barographenzeiger  ist  nur  einmal,  Ende  April  1901,  verstellt ­
  worden,  um  die  zunehmende  Korrektion  zu  verringern,  und  zwar  um  so  viel,  als  die  Stellschraube
zuliess,  nämlich  40  mm  Stand.  Die  Standänderung  des  Instruments  ersieht  man  aus  folgender  Zahlenreihe,
die  bei  Zimmertemperatur  gewonnen  ist:

Zeit  1/8.  bis  1579.1900  16Д  bis  8711.1900  9.Д1.00  bis  28./2.01
Korr  +1  bis  10  mm.  +26  bis  32  mm  +46  bis  66  mm

173.  bis  11./4.  1901  1./5.  bis  30./6.190111/8.  bis  31/10.  1901
+96  bis  99  mm  +59  bis  68  mm  +74  bis  90  mm

Von  den  beiden  Malen,  wo  der  Apparat  mit  dem  Drachen  auf  weite  Entfernungen  weggeflogen  ist,
scheint  nur  der  zweite,  am  8./11.  1900,  merklichen  Einfluss  auf  die  Aenderung  ausgeübt  zu  haben;  der  erste,
am  1./9.  1900,  zeigt  keinen  solchen,  da  die  Korrektion,  die  am  1./9.  +8  mm  war,  am  12./9.  noch  +10  mm
betrug  und  erst  am  21./9.  sich  plötzlich  als  21  mm  herausstellte.
            
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