Ann. d. Hydr. etc., XVII. Jalirg. (1889), Heft IX.
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Prüfung
der Poisson’schen Deviationstheorie für die Schiffskompasse
durch Beobachtungen.
Vou Di. 0. D. E. Weyer, Professor a» der Universität in Kid.
Das gröfse Hindernifs, welches sieh der Einführung eiserner Schiffe
Anfangs entgegenstcllto, daß der Kompais gänzlich unbrauchbar zu werden
drohte, ist glücklich beseitigt würden durch die Anwendung топ Poissonß
Theorie der Störungen der Magnetnadel, welche von dem Eisen des Schiffes
hervorgebracht werden, und durch Airy’s entsprechende Kompensations-Vor
richtungen dagegen. Schon im Jahre 1B24 gelangte Poissou bei seinen all
gemeinen Untersuchungen über die Erscheinungen des Magnetismus zur Auf
stellung von Fundamental-Gleichungen, 1 } welche noch gegenwärtig die Grundlage
der Dcviationstlioorio bilden. Damals hatte P, Barlow in England durch direkte
Versuche gefunden, dafs eiserne Kugeln, die von der magnetischen Erdkraft
allein, nach ihrer Lage parallel zur Inklmationsriehtimg magnetisch werden,
nicht im Verhältnifs ihre)- Masse, sondern nach der Gröfse ihrer Oberfläche auf
die Magnetnadel ein wirkten, also eine Ifolilkugel dieselbe Wirkung wie eine
Vollkugel äufsere, wenn nur die Dicke der Kugelschale nicht gar zu gering
war. Poisson untersuchte nun den allgemeinen Pall, wie die Gesammtwirkung
solcher um eine Magnetnadel vertheilter Kugeln und selbst beliebig geformter
Bisenstiioke, auch bei aller magnetischen Wechselwirkung dieser Stücke zu ein
ander, sich noch auf die hinreichend entfernt gedachte Magnetnadel äufsern
müfste. Um die nothwendigen allgemeinen Bedingungen dabei durch Gleichungen
auszudrücken, wurden die Kräfte nach den drei rechtwinklig zu einander ge
dachten Richtungen с, ß, у zerlegt, von denen die beiden ersten beliebig in
einer horizontalen Ebene liegen sollen, alle drei aber die Richtung und Gröfse
der so zerlegten magnetischen Erdkraft bezeichnen. Indem vom Eisen nur an
genommen wurde, dafs es hier lediglich durch die Erdkraft magnetisch wird,
also dieser Erdkraft proportional ist und ihrer Richtung folgt, kann auch die
Wirkung eines jeden, beliebig gestellten Eisenstückes zerlegt gedacht werden
nach denselben drei Richtungen als Kraftkomponenten, deren jede einzeln wieder
der Erdkraftkomponente proportional ist, daher zweckmäßig als einfaches
Produkt daraus dargestellt wird. Werden ferner die dem Eisen nach seiner
Beschaffenheit und Lage eigentümlichen Faktoren in gleicher Richtungsweise
durch p, r bezeichnet, so läfst sich danach folgendes System der Gesammt-
wirkuug der gedachten Eisenstüeke auf die Magnetnadel vorstellen, abgesehen
von einer etwaigen Reaktion der Nadel auf das magnetische Eisen, und auch
abgesehen von der Länge der Nadel, die klein genug, sowie das störende Eisen
entfernt genug angenommen wird, damit das Nordende der Nadel immer eben
soviel angezogen, wie das Bildende derselben abgestofsen werde. Darf außer
dem, wie bei einer symmetrischen Vertheilung des weichen Eisens um den
Kompafs, angenommen werden, dafs keine der störenden Kräfte so iibermäfsig
1) Sur I.a theorie du jnAgüetisme, 1824. Mem. de ГАеаЛ., T. V, Paris 1826, pag. 538.
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