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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 17 (1889)

Ann. d. Hydr. etc., XVII. Jalirg. (1889), Heft IX. 
315 
Prüfung 
der Poisson’schen Deviationstheorie für die Schiffskompasse 
durch Beobachtungen. 
Vou Di. 0. D. E. Weyer, Professor a» der Universität in Kid. 
Das gröfse Hindernifs, welches sieh der Einführung eiserner Schiffe 
Anfangs entgegenstcllto, daß der Kompais gänzlich unbrauchbar zu werden 
drohte, ist glücklich beseitigt würden durch die Anwendung топ Poissonß 
Theorie der Störungen der Magnetnadel, welche von dem Eisen des Schiffes 
hervorgebracht werden, und durch Airy’s entsprechende Kompensations-Vor 
richtungen dagegen. Schon im Jahre 1B24 gelangte Poissou bei seinen all 
gemeinen Untersuchungen über die Erscheinungen des Magnetismus zur Auf 
stellung von Fundamental-Gleichungen, 1 } welche noch gegenwärtig die Grundlage 
der Dcviationstlioorio bilden. Damals hatte P, Barlow in England durch direkte 
Versuche gefunden, dafs eiserne Kugeln, die von der magnetischen Erdkraft 
allein, nach ihrer Lage parallel zur Inklmationsriehtimg magnetisch werden, 
nicht im Verhältnifs ihre)- Masse, sondern nach der Gröfse ihrer Oberfläche auf 
die Magnetnadel ein wirkten, also eine Ifolilkugel dieselbe Wirkung wie eine 
Vollkugel äufsere, wenn nur die Dicke der Kugelschale nicht gar zu gering 
war. Poisson untersuchte nun den allgemeinen Pall, wie die Gesammtwirkung 
solcher um eine Magnetnadel vertheilter Kugeln und selbst beliebig geformter 
Bisenstiioke, auch bei aller magnetischen Wechselwirkung dieser Stücke zu ein 
ander, sich noch auf die hinreichend entfernt gedachte Magnetnadel äufsern 
müfste. Um die nothwendigen allgemeinen Bedingungen dabei durch Gleichungen 
auszudrücken, wurden die Kräfte nach den drei rechtwinklig zu einander ge 
dachten Richtungen с, ß, у zerlegt, von denen die beiden ersten beliebig in 
einer horizontalen Ebene liegen sollen, alle drei aber die Richtung und Gröfse 
der so zerlegten magnetischen Erdkraft bezeichnen. Indem vom Eisen nur an 
genommen wurde, dafs es hier lediglich durch die Erdkraft magnetisch wird, 
also dieser Erdkraft proportional ist und ihrer Richtung folgt, kann auch die 
Wirkung eines jeden, beliebig gestellten Eisenstückes zerlegt gedacht werden 
nach denselben drei Richtungen als Kraftkomponenten, deren jede einzeln wieder 
der Erdkraftkomponente proportional ist, daher zweckmäßig als einfaches 
Produkt daraus dargestellt wird. Werden ferner die dem Eisen nach seiner 
Beschaffenheit und Lage eigentümlichen Faktoren in gleicher Richtungsweise 
durch p, r bezeichnet, so läfst sich danach folgendes System der Gesammt- 
wirkuug der gedachten Eisenstüeke auf die Magnetnadel vorstellen, abgesehen 
von einer etwaigen Reaktion der Nadel auf das magnetische Eisen, und auch 
abgesehen von der Länge der Nadel, die klein genug, sowie das störende Eisen 
entfernt genug angenommen wird, damit das Nordende der Nadel immer eben 
soviel angezogen, wie das Bildende derselben abgestofsen werde. Darf außer 
dem, wie bei einer symmetrischen Vertheilung des weichen Eisens um den 
Kompafs, angenommen werden, dafs keine der störenden Kräfte so iibermäfsig 
1) Sur I.a theorie du jnAgüetisme, 1824. Mem. de ГАеаЛ., T. V, Paris 1826, pag. 538. 
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