Jahresbericht Nr.14/1959
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III. DER AUSSCHUSS DES SEEVERKEHRSBEIRATS FÜR DIE
ANGELEGENHEITEN DES D.H.I.
1. Veranstaltungen, Vorträge und Berichte
Der Ausschuß des Seeverkehrsbeirats für die Angelegenheiten des D.H.I.
hielt am 17.2.1959 im Hause der Bundesverkehrsbehörden in Hamburg seine
16. Sitzung ab. Hauptpunkte der umfangreichen Tagesordnung der 16.Sitzung
waren Vorträge über die Art und das Ausmaß der Beteiligung des D.H.I. an
dem Arbeitsprogramm des Internationalen Geophysikalischen Jahres (I.G.J.).
Oberregierungsrat Horn berichtete über das Programm "Internationale
Längen- und Breitenbestimmung", an dem der Zeitdienst des D.H.I. als ein
zige deutsche Beobachtungsstelle 18 Monate lang im durchlaufenden 24-
Stunden-Dienst mit astronomischer Zeit- und Breitenbestimmung an 2 Instru
menten teilgenommen und im Zusammenhang damit täglich über 100 eigene Zeit
zeichen ausgesendet oder fremde Punkzeitzeichen eingemessen hat. Ziel des
Programms war a) über große Distanzen die Längen- und Breitenwerte mit
höchster Genauigkeit zu bestimmen, b) Unterlagen zu schaffen, die durch
Vergleich mit früheren oder späteren Messungen Aufschluß über eine Ver-
driftung der Kontinente geben, c) das Verhalten der Erde bei der Rotation
zu studieren, d) aus den unterschiedlichen Laufzeiten der Zeitsignale Bei
träge zum Studium der Ionosphäre zu liefern. Die Anforderungen, die zu er
füllen waren, damit eine Beobachtungsstelle als Teilnehmer zugelassen wurde,
lagen sehr hoch und belasteten das eingesetzte Personal bis an die Grenze
der Leistungsfähigkeit. Die Beobachtungen aller beteiligten Institute wer
den zentral in Paris ausgewertet.
Über den Beitrag des Instituts zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen
Erscheinungen auf der Sonne und deren Folgen auf der Erde berichtete Regie
rungsrat Dr.Meyer in seinem Vortrag "Vorhersage der Güte des Funkverkehrs;
Erdströme bei erdmagnetischen Störungen". Erscheinungen auf der Sonne machen
sich besonders als Störungen des erdmagnetischen Feldes und der Ionosphäre
bemerkbar. Letztere beeinträchtigen den Funkverkehr oder können ihn auf ein
zelnen Frequenzen unterbinden. Beide Störungen sind weitgehend mit dem Auf
treten von Sonnenflecken gekoppelt. Da die erdmagnetischen Störungen meistens
mehr als 6 Stunden früher auftreten, können Vorhersagen über die Güte des
Funkverkehrs gemacht werden. Die "Arbeitsgemeinschaft Ionosphäre der Geophy
sikalischen Institute", zu der u.a. das Erdmagnetische Observatorium Wingst
des D.H.I., das Max-Planck-Institut für Ionosphärenforschung und die Sonnen
observatorien Wendelstein und Schauinsland gehören, erarbeitet die Vorher
sagen in Gemeinschaft mit der Bundespost, die ihr Nachrichtennetz zur Ver
fügung stellt.
Eine weitere Arbeit wurde zusammen mit dem Geophysikalischen Institut
Göttingen und dem Erdmagnetischen Observatorium Fürstenfeldbruck ausgeführt.
Sie betrifft die sogenannten Bay-Störungen. Man führt sie auf Erdströme