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Full text: Jahresbericht 1993

Meereskunde 
Transporten von Frischwasser und Salz be 
stimmt. Auch diese Feldmessungen liefern einen 
Beitrag zum WOCE-Gesamtdatensatz. 
Als Vorausexperiment fand vom 12. 6. bis 
31 7.1993 die Reise GAUSS 226 statt (Hamburg 
- Halifax - Hamburg). Diese bisher längste Fahrt 
des F.S. Gauss, ihre erste nach Nordamerika, 
hatte auch vorbereitenden Charakter für einen 
möglichen Beitrag des BSH am geplanten Global 
Ocean Observing System (GOOS). Das Meß 
programm umfaßte auf der Ausreise die Ausle 
gung von fünf Verankerungen zur Langzeltmes 
sung von Strömung, Temperatur und Salzgehalt, 
einen engabständigen XBT/XCTD-Schnitt sowie 
auf der Heimreise Messungen mit CTD-Sonde 
und Kranzwasserschöpfern auf 75 Stationen 
zwischen den Neufundlandbänken und dem 
Englischen Kanal. Die Aufbereitung des hydro 
graphischen Datensatzes konnte bereits an Bord 
nahezu abgeschlossen und erste vorläufige Er 
gebnisse herausgearbeitet werden. 
Mehr als 1000 km südlich seines Entste 
hungsgebietes konnte in 2000 m Wassertiefe die 
Ausbreitung des durch winterliche Konvektion 
und deshalb als Klimaindikator wichtigen Labra- 
dor-See-Wassers (LSW) direkt beobachtet wer 
den. Ein Vergleich mit dem einzigen adäquaten 
Datensatz aus diesem Gebiet, dem des kanadi 
schen Forschungsschiffes HUDSON von 1982, 
ergab für das westliche LSW eine Temperaturab 
nahme in den letzten 11 Jahren um etwa 0,4 bis 
0,5 °C (Abb. 26). Der ursächliche Zusammen 
hang liegt in der von kanadischen Wissenschaft 
lern im Gebiet zwischen Labrador und Grönland 
registrierten außergewöhnlichen Zunahme der 
LSW-Produktion seit 1988. Ihre Berechnungen 
94 
ergaben eine Verdoppelung der Produktionsrate. 
Die Gauss-Messungen zeigen, daß die mit der 
Ausbreitung des LSW verbundenen Vermi 
schungsvorgänge sehr turbulent verlaufen. Das 
deutet darauf hin, daß die thermohaline Zirkula 
tion durch die LSW-Produktion einen kräftigen 
Schub bekommen hat. Die Temperaturdifferenz 
im östlichen LSW, sie beträgt nur etwa 0,1 bis 
0,2 °C, kann als Hinweis gewertet werden, daß 
das westliche und östliche LSW nicht im glei 
chen Winter erzeugt worden sind. 
Welche Auswirkungen die verstärkte Kon 
vektion in der Labrador See und Irminger See 
auf andere Komponenten der nordatlantischen 
Zirkulation und damit möglicherweise auf eine 
Klimaänderung in Europa haben könnte, läßt 
sich zur Zeit noch nicht mit Bestimmtheit sagen. 
So weisen die Karten der Oberflächentempera 
tur für die Regionen des Golfstromes und des 
Nordatlantischen Stroms in den letzten Jahren 
deutlich höhere Temperaturen gegenüber dem 
langjährigen Mittelwert aus. Entsprechende re 
gelmäßige Salzgehaltsbeobachtungen gibt es im 
offenen Atlantik bis jetzt nicht. Ein Anstieg des 
Oberflächensalzgehaltes mit zunehmender Tem 
peratur und zunehmender Verdunstungsrate 
wäre zu erwarten. Beobachtungen im Kanal und 
in der Nordsee, beides Seegebiete im Einflußbe 
reich des Nordatlantischen Stroms, weisen dar 
auf hin. Seit Ende der 80er Jahre wird neben ei 
ner Temperaturzunahme ein deutlicher Anstieg 
des Salzgehaltes registriert, der nur vom offenen 
Atlantik herrühren kann. Ob auch die in den letz 
ten Jahren beobachteten Änderungen im Ökosy 
stem der Nordsee z.B. hier ihre Ursachen haben, 
kann z.Zt. ebenfalls noch nicht beantwortet wer-
	        
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