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Full text: Jahresbericht 1993

M 
eereskunde 
Kadet-Rinne relativ schnell abnahmen. Ein wei 
terer günstiger meteorologischer Anstoß hätte 
vermutlich genügt, das salzreiche Bodenwasser 
über die Darßer Schwelle in das Arkona-Becken 
fließen zu lassen. 
Der kräftige Einstrom frischen Tiefen 
wassers im Januar aus dem Kattegat in die Ost 
see schien nach den Überwachungsergebnis 
sen des Instituts für Ostseeforschung im April 
das Gotland-Becken erreicht zu haben. Jeden 
falls deuteten schwache Sauerstoffgehalte in 
Bodennähe (Wassertiefe des Gotlandtiefs: 230- 
240 m) eine geringfügige „Auffrischung“ des 
regional sonst schwefelwasserstoffhaltigen 
(„toten“) Tiefenwassers an, die in Verbindung 
mit dem Januar-Einstrom gebracht worden war. 
Diese Hinweise wurden zum Anlaß genom 
men, die örtliche Tiefenzirkulation im Gotlandtief 
näher zu untersuchen, wobei davon ausgegan 
gen wurde, daß der Einstrom eine Intensivierung 
der Tiefenzirkulation im Gotlandbecken ver 
ursacht, wo im allgemeinen nur wechselhafte 
und schwache mittlere Wasserbewegungen 
(<1 cm/s) auftreten. 
Zu Beginn der Forschungsfahrt Nr. 233 der 
GAUSS sind im Rahmen des Projektes OPUS 
drei Geräteketten mit jeweils drei Strömungs 
messern in der Tiefenschicht verankert worden. 
Am Ende der GAUSS-Fahrt wurden die Geräte 
nach 2 Wochen wieder geborgen. Das H 2 S-Mi- 
iieu führte bereits nach dieser kurzen Zeit zu 
chemischen Reaktionen in Form von schwarzen 
Überzügen der Kunststoff-Rotoren und der 
Gerätebehälter (mit Epoxyd beschichtete Metall- 
Legierung), insbesondere bei den bodennahen 
Geräten, ca. 4 m über Grund. Die Gummikappen 
70 
der akustischen Auslöser, ca. 2 m über dem Bo 
den, wiesen eine unbekannte Aufrauhung der 
Oberfläche auf. 
Die Meßergebnisse deuten an, daß das 
Wasser in Bodennähe im Gotlandtief während 
des Meßzeitraums entgegengesetzt zum Uhrzei 
gersinn mit mittleren Geschwindigkeiten von 
2-4 cm/s zirkulierte. Dieses Richtungsverhalten 
bestätigt die einzigen aus diesem Seegebiet 
bekannten Strömungsmeßergebnisse, die vom 
Institut für Meereskunde, Kiel, während der 60er 
Jahre gewonnen worden waren (Abb. 20). 
Die auf der gleichen GAUSS-Fahrt im 
Dezember untersuchten Salzgehalte im Gotland 
tief (Abb. 21) waren erwartungsgemäß in der 
gesamten Tiefenschicht höher als vor dem Ein 
strom Anfang 1993 und höher als noch im 
August. 
Kleinräumige Strömungen in der 
Deutschen Bucht 
Im April/Mai sind Strömungsmessungen in 
der Deutschen Bucht durchgeführt worden, um 
den Einfluß kleinräumiger Unebenheiten des 
Meeresbodens auf die örtliche Strömung und auf 
Vermischung zu untersuchen. 
Ausgewählte Testgebiete waren 
-ein etwa 6 m hoher Rücken nördlich von 
Baitrum, wo bereits in vergangenen Jahren 
ähnliche Arbeiten stattgefunden haben und 
- ein 8-10 m tiefes (Spül-)Loch westlich von Sylt, 
das durch Sandgewinnung zum Inselschutz 
von Sylt entstanden war.
	        
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