10 Börgen: Ueber die Berechnung eines einzelnen Hoch- oder Niedrigwassers,
benutzt werden dürfen, müssen sie durch Multiplikation mit einem Faktor auf
die zur gewünschten Zeit stattfindende Neigung der Mondbahn reducirt werden.
Nachdem wir im Vorstehenden die Formeln zur Berechnung von Zeit und
Höhe eines Hoch- oder Niedrigwassers entwickelt haben, wird es nun unsere
Aufgabe sein, zu zeigen, wie dieselben praktisch zur Anwendung gebracht werden
können. Soweit es die halb- und eintägigen Tiden angeht, sind die Entwickelungen
yanz allgemein, und kann die Genauigkeit so weit getrieben werden, wie man
will. Es würde aber in der Praxis zu weit führen, wenn man alle Tiden dieser
veiden Klassen, welche bisher für einen Ort abgeleitet worden sind, berück-
sichtigen wollte, denn 1. würde die Genauigkeit, die man dadurch erreichen
würde, doch nur eine scheinbare sein, weil man die unter Umständen nicht
anbedeutenden Neben- und zusammengesetzten Tiden vernachlässigt, und 2, genügt
für den Zweck, welcher hier angestrebt wird, eine mäfsige Genauigkeit, durch
welche die Zeit des Eintritts einer Phase auf etwa 10 bis 15 Minuten und die
Höhe auf etwa 0,1 m genau erhalten wird. Die Hauptsache ist, daß man
Zeit und Höhe in thunlichst kurzer Zeit, mit Aufwand mäfsiger Mühe und ohne
schwierige Rechnungsoperationen finden kann. Von diesem Gesichtspunkte aus
wird es genügen, die folgenden Tiden zu berücksichtigen: M,, S,, N, K, und L
von deu halbtägigen und K,, O0, P und Q von den eintägigen Tiden, Will man
sich mit einer etwas geringeren Genauigkeit begnügen, so ist nichts dagegen
einzuwenden, die Tiden K, und L ebenfalls unberücksichtigt zu lassen, wogegen
aber N unter allen Umständen mitgenommen werden sollte; von den eintägigen
Tiden können allenfalls P und Q weggelassen werden, wenn die eintägigen Tiden
überhaupt klein sind im Vergleich zu den halbtägigen, ja in geeigneten Fällen
wird man die eintägigen Tiden überhaupt vernachlässigen dürfen, wenigstens an
der europäischen Seite des Atlantischen Öceans; doch mufs betont werden, dafs die
gänzliche Vernachlässigung der eintägigen Tiden nur in seltenen Fällen zulässig ist.
Durch die genannten Tiden werden aufßser den Hauptfluthen für Mond und
Sonne (M,, S, und K,, O, P) die Korrektionen derselben wegen Parallaxe des
Mondes (N, Lund Q) und wegen des combinirten Einflusses der Deklination von
Mond und Sonne (K,) berücksichtigt, es werden also alle diejenigen Momente
in Betracht gezogen, welche von den älteren Autoren (Laplace, Airy, Lubbock
und Anderen) zur Berechnung von Hoch- und Niedrigwasserzeit und Höhe als
nothwendig und ausreichend angesehen wurden.
Der Kürze halber wollen wir für die in den Formeln (9) und (10) vor-
kommenden, durch Multiplikation mit den Reduktionsfaktoren fix (für KK),
f (für M,) und f, (für Kı) auf die betreffende Neigung der Mondbahn reducirten
Koefficienten ni d, und A wie für die konstanten Winkel 2u — xy
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and x, — x; einfache Bezeichnungen einführen, welche wir nachstehend nebst
den Ausdrücken für die Winkel v und v— k, zusammenstellen. In diesen
letzteren kommen einige Bezeichnungen vor, welche folgende Bedeutung haben:
u Sin __ sinw?(1 — 3 sin 1?)
ea = a 0d6dk,? ka = eind®
KO Sin __ 8in 2 w (1 — 3 sin 1?)
ES u 0A6aE = sin 2J
RR — 6tg4J?sin 2 (pm —%)
8% 1 61tg1J*cos2(pun— 5)
worin @ = Neigung der Ekliptik gegen den Aequator, i = Neigung der Mond-
bahn gegen die Ekliptik und pm = Länge des Perigäums der Mondbahn für Juli
1,5 in gewöhnlichen und für Juli 1,0 in Schaltjahren bedeuten. Näherungsformeln
für 29, v. v% und £ sind:
»“=—178°sinN—05°sin2N, %»=129°sinN— 13° sin2N
v=—88°sinN — 0.6° sin2N, =” -—1.07° sin N.