Meereskunde
renden Schiffsstationen, wird die Brutto-Gam-
mastrahlenaktivität direkt im Meerwasser mit
NaJ-Detektoren gemessen. Die effektive Nach
weisgrenze der Uberwachungsmessungen be
trägt, abhängig von den Gegebenheiten am
Meßort, ca. 1 Bq/I (bezogen auf K-40 Gamma).
Die Meßwerte werden von den festen Überwa
chungsstationen regelmäßig via Satellit bzw.
Telefonmodem in den Meßnetz-Rechner des
BSH in Hamburg übertragen.
Die Hochsee-Stationen werden im Zusam
menhang mit dem ozeanographischen Meßnetz
des BSH betrieben. Sie sind auf unbemannten
Geräteträgern (Feuerschiffersatz-Systeme, Boje,
Leuchtturm, Meßpfahl) aufgebaut. Die Stationen
sind mit automatischen Probennehmern zur
Alarmprobennahme ausgerüstet. Die Küsten-
Stationen nutzen feste Einrichtungen an der Kü
ste (Hafenpier, Pegelschacht, Seebrücke, Meer
wasserentnahmestelle). Die Alarmprobennahme
wird dort von ständig erreichbarem Personal
wahrgenommen. Darüber hinaus sind 4 Schiffe
des BSH als fahrende Stationen mit Meßnetz
geräten ausgerüstet, um im Ereignisfall „Spots“
hoher Radioaktivität oder Radioaktivitäts-Quel
len im Meer auffinden und vermessen zu kön
nen.
Der Leitsteilen-Rechner im BSH sammelt
und bewertet automatisch die von den Meßnetz
stationen kommenden Meßwerte. Sind die ein
gestellten Alarmkriterien erfüllt, wird automatisch
ein innerbetrieblicher Alarm ausgelöst. Nach
Überprüfung der erhöhten Meßwerte durch Ana
lyse der Alarmprobe wird gegebenenfalls eine
Warnmeldung an die Zentralstelle des Bundes in
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IMIS weitergeleitet. Außerdem werden die ein
laufenden Überwachungsdaten regelmäßig für
IMIS geprüft und ausgewertet.
Der Ausbau des Stationsnetzes wurde mit
der Errichtung von drei neuen Stationen in der
Ostsee vor der Küste Mecklenburg-Vorpom
merns abgeschlossen. Die Meßsonden der bei
den neuen Küstenstationen sind wegen der dort
herrschenden geringen Wassertiefe mit Druck
pegeln ausgerüstet, um bei der Auswertung der
Meßergebnisse den von der Höhe der abschir
menden Wasserüberdeckung abhängigen
Höhenstrahlenanteil kompensieren zu können.
Abbildung 14 zeigt die Impulsratenregistrie
rung der Gammastrahlung auf der Station
GREIFSWALDER OIE (Stat. Nr. 12) im Monat
Dezember 1993. Die Variabilität der gezeigten
Registrierung ist nicht auf künstliche Radioakti
vität sondern auf Änderungen der natürlichen
Umgebungsstrahlung zurückzuführen. Das ge
genläufige Verhalten von abschirmender Was
serhöhe über der Sonde gegenüber dem gemes
senen Impulsratenverlauf zeigt den Einfluß der
Höhenstrahlung auf den Meßwert. Die kurzzeiti
gen Impulsraten-Spitzen stammen von natürli
chen Radon-Tochternukliden, die mit dem Re
gen aus der Atmosphäre in das Meer gelangen.
Sie können eine Aktivität von einigen 100 Bq/I
erreichen, sind aber aufgrund ihrer kurzen Halb
wertszeit von der zu überwachenden künstlichen
Radioaktivität zu unterscheiden.
1993 wurde im Radioaktivitätsmeßnetz
keine erhöhte künstliche Radioaktivität regi
striert.