Eingänge von meteorologischen Journalen etc., Mai 1884,
hielt sich der günstige Wind zunächst noch für mehrere Tage in hoch nördlicher
Richtung, und später stellte sich in der Nähe von 37° S-Br und 23,5° W-Lg
ein durchstehender Westwind ‚ein, bei dem der noch vorliegende Theil des
Weges zum ersten Meridian in rascher Fahrt vollendet werden konnte. Am
18. September, 21 Tage später, als der Aequator verlassen worden war, ging
„Patagonia* in 41,2° S-Br von westlicher in östliche Länge über. Vorher war:
10° S-Br in 32,2° W-Lg am 2. September, 20° S-Br in 35,9° W-Lg am 5. Sep-
tember und 30° S-Br in 31,4° W-Lg am 10. September gekreuzt worden.
Für das Ablaufen der erfqrderlichen Länge suchte „Patagonia“ den
Parallel von 45° Süd auf. Bei den in dessen Nähe herrschenden kräftigen
West- und Nordwinden konnte man für längere Zeit einen recht befriedigenden
Fortgang erzielen, Als man 59° O-Lg überschritten hatte, nahm der Wind süd-
östliche Richtung an und verursachte an zwei Tagen eine bedeutende Ver-
zögerung der Fahrt. Ferner war hinderlich der später an zwei Tagen
beobachtete leise Zug, Begünstigt von einem schliefslich wieder durchgekom-
menen kräftigen Westwinde überschritt „Patagonia“ am 8. Oktober in 41,5° S-Br
den Meridian von 80° Ost. Der 8, Oktober war der 20. bis dahin in östlicher
Länge verbrachte Tag. Durch besonders hervorzuhebende Stürme war die Fahrt
nicht beunruhigt worden.
Aufserordentlich günstige Verhältnisse wurden von „Patagonia“ auf dem
Wege zum Gebiete des SE-Passates angetroffen. Der dort für längere Zeit fast
stürmisch wehende Westwind veränderte sich zunächst von SW nach NW und
drehte später, nachdem er schwach geworden war, nach links zurück, bis
schlieflslich in dieser Weise der Passat entstand. Die südliche Grenze desselben
schien am 14. Oktober in der Nähe von 32,5° S-Br und 98,2° O-Lg zu liegen.
Das Barometer erreichte dort einen höchsten Stand von 764,7mm. Der bald
wieder kräftiger gewordene Passat führte das Schiff in rascher Fahrt zur Sunda-
Strafse. Am 22. Oktober, nur 85 Tage später, als der Kanal verlassen worden
war, befand sich „Patagonia“ in Sicht von Java Head. Auf dem Wege dahin
war: 30° S-Br in 99,5° O-Lg am 15. Oktober, 20° S-Br in 102,8° O-Lg am
19. Oktober und 10° S-Br in 105,1° O-Lg am 22. Oktober gekreuzt worden,
Am 20, Oktober hatte „Patagonia“ unweit 16° S-Br in 104° O-Lg Signale mit
der Bremer von Cardiff nach Hongkong bestimmten Bark „Elisabeth“ aus-
gewechselt. Dieselbe befand sich damals schon 99 Tage in See. Südlich von
der Sunda-Strafse sah „Patagonia“ eine Menge Bimstein auf dem Meere treiben,
und in der Strafse selbst war die Bimsteinschicht so mächtig, dafs die Fahrt
des Schiffes bei schwachem Winde fast ganz dadurch gehemmt wurde. Nach
darauf bezüglichen, von Kapt. Hellwege angestellten Peilungen war die Meeres-
oberfläche etwa 26 Zoll mit Bimstein bedeckt. Die ursprünglichen Leucht-
ihürme in der Strafse waren verschwunden, und ebenso war von Anjer keine
Spur. zu erblicken. Nachdem die Sunda-Strafse glücklich passirt und auch die
Sunda-See durchsegelt worden war, ankerte „Patagonia“ am 2. November auf
äder Rhede von Singapore. Kapt, Hellwege erwähnt am Schlusse seiner Reise,
dafs am 8, November ein russisches, von Cardiff und der Malakka-Strafse her-
kommendes Vollschiff den Hafen von Singapore nach 127 Tagen erreicht habe,
dafs ferner ein norwegisches, auf derselben Reise begriffenes und auch durch
die Malakka-Strafse segelndes Schiff am 22. November nach einer Reise von
135 Tagen im Hafen von Singapore geankert habe. „Patugonia“, welche den
Anweisungen. der Soewarte gemäfs ihren Weg durch die Sunda-Strafse nahm,
vollendete die ganze Reise von der Elbe zum Bestimmungshafen in 104 Tagen.
Am 26. Dezember ging „Patagonia“ von Singapore aus wieder in See,
um nach Boston zu segeln. Am 4, Januar 1884 befand sich die Bark westlich
und in Sicht von Java Head. Der vorher wehende mäfsige NW-Wind veränderte
sich dort nach SE und wurde bald zum kräftigen beständigen Passat, Von
diesem begünstigt, nahm die Reise für eine ungewöhnlich lange Zeit einen sehr
befriedigenden Verlauf. Als das Schiff jenen Theil des Indischen Oceans er-
reicht hatte, wo sonst der Regel nach die polare Passatgrenze angetroffen wird,
wurde zwar wiederholt heftiges Blitzen und regnerisches Wetter, aber doch kein
Umlaufen des Windes nach NE beobachtet. Man konnte daher bis zum 31. Januar
nach 34° S-Br in 27,5° W-Lg vorrücken, bevor sich eine nennenswerthe Ver-
änderung im Winde einstellte. In der Nähe dieses Punktes nahm der Ostwind
Ann. d. Hydr. ete.. 1834. Heft 1X.
537