v.d. Vring, E.: Die Methode der Senkrechtstellung der Spiegel eines Sextanten usw, 239
Sonnenrandbeobachtungen nachgeprüft, der größte beobachtete Indexfehler betrug
danach bei einigen Sextanten 15”, der Mittelwert sämtlicher Sextanten 5”.
Bei einer weiteren Sextantenreihe wurde der große Spiegel nach Kollimatoren
senkrecht gestellt und darauf der kleine Spiegel nach Deckung des direkt gesehenen
Sonnenbildes mit dem Spiegelbild parallel gestellt und der Indexfehler beseitigt,
Bei dieser sehr ermüdenden Methode betrug die Abweichung des kleinen Spiegels
von der Senkrechten im Höchstwert 1’ 50”, während der verbliebene Indexfehler
im Höchstwert 1’ 830” war,
Eine kleinere Anzahl von Instrumenten wurde von der Firma C, Plath vor
Einlieferung auf der Deutschen Seewarte nach den in dortiger Werkstatt befind-
lichen Kollimatoren eingestellt und besondere Sorgfalt beim Transport dieser
Instrumente verwendet, um eine Änderung der Spiegeleinstellung zu verhüten,
Bei der Einlieferung auf der Deutschen Seewarte war bei allen Instrumenten durch
Gradbogenspiegelung keine Neigung des großen Spiegels erkennbar, Eine Nach-
prüfung der Einstellung auf dem beschriebenen Plathschen Instrumente ergab
bei einigen Instrumenten geringe Abweichung der Spiegeleinstellung, beim großen
Spiegel zwischen 20” und 50” Neigung, der kleine Spiegel stand in allen Fällen
genkrecht, Der verbliebene Indexfehler betrug am Kollimator im Höchstfall 20”,
nach terrestrischem Objekt bis 50”, nach Sonnenrandbeobachtungen bis 12”,
Bei einer weiteren Reihe von Spiegelinstrumenten wurden nach Kollimatoren
Spiegel eingestellt und Indexfehler beseitigt, Hinterher wurde der Indexfehler
bei einigen Instrumenten nach terrestrischem Objekt und bei allen nach Sonnen-
randbeobachtungen bestimmt; nach terrestrischer Methode war der Höchstwert
des Indexfehlers 1’, nach Sonnenrandbeobachtungen schwankte der Wert von —15”
bis 415". Mit einigen von diesen Instrumenten wurde bei Dunkelheit ein direkt
gesehener Stern mit seinem Spiegelbild in Deckung gebracht und bei allen In-
strumenten dieser Reihe das gleiche Verfahren mit dem Sonnenbild vorgenommen,
Die Deckung war bei allen Instrumenten vollkommen und Indexfehler == 0.
Bei einer Reihe von Sextanten, die vom Einlieferer nach Gradbogenspiegelung
und terrestrischen Objekten eingestellt waren, wurden die Abweichungen der Spiegel-
einstellung im Kollimator festgestellt und die Stellung des großen Spiegels nach
Gradbogenspiegelung nachgeprüft. Bei einer nicht unerheblichen Anzahl dieser
Reihe waren erkennbare Neigungen des großen Spiegels vorhanden, die sich zwischen
5’ bis 8’ bewegten, wie sich bei der Nachprüfung der Spiegeleinstellung mit Kolli-
matoren ergab, beim kleinen Spiegel ergaben sich Höchstwerte von 6’ bis 7. Der
durch die Kollimatoren festgestellte Indexfehler schwankte zwischen den Grenz-
werten von +1’ 50” bis — 1‘ 30”,
Aus diesen Vergleichsmessungen ergibt sich, daß die Genauigkeit der Spiegel.
einstellung mittels der Kollimatoren der Einstellung nach terrestrischen oder astro-
nomischen Objekten ohne Zweifel überlegen ist, Man muß sich jedoch die Frage
vorlegen, ob diese größere Genauigkeit notwendig ist, ob nicht die Genauigkeit
hach terrestrischen oder astronomischen Objekten für die Praxis vollkommen
hinreichend ist; diese Frage ist zu bejahen. Die Einstellung des großen Spiegels
nach Gradbogenspiegelung läßt sich so genau ausführen, daß bei einigermaßen
Übung sich eine Neigung von 6‘ bis 7’ erkennen und beseitigen läßt; eine Neigung
von 7’ ruft jedoch bei einem gemessenen Winkel von 120° erst einen Fehler von
1" hervor. Beim kleinen Spiegel läßt sich die Parallelstellung ebenfalls mit hin-
reichender Genauigkeit nach terrestrischen oder astronomischen Objekten erreichen,
Der vom Fabrikanten beabsichtigte Hauptzweck des Instrumentes, sich unab-
hängig von jeder Wetterlage zu machen, wird voll und ganz erfüllt, Für eine Prüfungs-
stelle, die tagaus, tagein mit der Prüfung von Sextanten vollauf beschäftigt ist,
dürfte ein solches Instrument von großem Wert sein, es würde verhindern, daß bei
unsichtigem Wetter eine Stockung in der Erledigung der Prüfungen eintritt.
Das Ideal für eine Prüfungsstelle wäre eine Kombination des Prüfungs-
apparates zur Feststellung der Exentrizität mit der Vorrichtung zur Senkrecht-
und Parallelstellung der Spiegel; eine Lösung dieses Problems scheint das von
R. Winters in Heft 12, 1925, dieser Zeitschrift beschriebene Instrument der
Ascania-Werke zu sein.