14
Aus dem Archiv der Deutschen Seewarte — 1901 No. 3 —
Die Tabelle des jährlichen Temperaturganges III bestätigt im einzelnen die Angaben, die bei der Ein
teilung der Stationen nach den Klimatypen gemacht worden sind. Man erkennt die starke Verspätung des
Sommer-Maximums in Tanga, die die Station dem Kapverden-Tvpus anreiht. Was den Uebergang aus dem
europäischen Typus mit Maximum 1—2 Monate nach der Sonnenwende zum indischen mit Maximum vor
der Sonnenwende anlangt, so sind Uebergangs-Stationen vorhanden, bei denen das Maximum zeitlich zwischen
beiden Lagen erscheint (z. Б. Kilossa). Vielfach aber weisen hohe Temperatur sowohl der Februar, als der
Dezember auf, durch einen kühleren Januar getrennt. Dies Minimum mitten im Sommer ist durch die
äquatoriale Lage der Kolonie hervorgerufen, für die auch die Sommersonnenwende eine Zeit niedrigeren
Sonnenstandes bedeutet. Am schärfsten tritt dies in den Zahlen der Station Muanza hervor, wo die wärmsten
Monate März und September dem Zenitlidurchgang der Sonne entsprechen und zur Zeit der Sommersonnen
wende die Temperatur am niedrigsten ist.
B. Sonnenstrahlungs-Temperatur.
Regelmässige Beobachtungen der Sonnenstrahlungs - Temperatur mit dem Schwarzkugel-Thermometer
liegen nur aus Daressalam vor, und sonst sind einige auf Reisen vorgenommen worden. Der höchste ab
solute Werth in Daressalam wurde im Dezember 1897 mit 66?5 abgelesen; derselbe Monat zeigte auch das
höchste mittlere Maximum mit 62?4. Den Gang des mittleren Maximums im Jahr und die höchsten beob
achteten Wertlie der einzelnen Monate giebt die folgende Zusammenstellung; die Ziffern in Klammern geben
die Anzahl der Beobachtungsmonate.
Daressalam. Sonnenstrahlungs - Temperatur.
Jan. Febr. März April Mai Juni Juli August Sept. Okt. Nov. Dez. Jahr
Mittel 57.4 (1) 57.1 (1) 58.1 (1) 56.1 (1) 52.7 (2) 54.3 (2) 54.1 (2) 54.8 (2) 55.6 (2) 55.4 (3) 57.9 (3) 59.9 (3) 56.1
Maximum . 64.8 61.3 62.0 61.5 62.6 58.4 5S.3 58.2 59.1 62.4 65.6 66.5 66.5
In dem sehr regenreichen Mai 1899 (375.4 mm #) betrug das Mittel nur 49?3; der merkwürdig trockene
Mai 1898 (56.3 mm ü) gleicht dies aber wohl aus. Der heisse Dezember 1897, der auch durch seine heissen
Nächte besonders sich auszeichnete, brachte nur 3.8 mm Regen.
Ueber den täglichen Gang der Strahlungs-Temperatur wurden im November und Dezember 1897 Be
obachtungen gemacht. Danach fiel das Maximum ziemlich genau auf den Mittag und die Strahlungs-Tem
peratur lag im Mittel von 7 h 40 m a. m. bis 4 h 25 m p. m. über 50°; während derselben Zeit etwa (meist etwas
länger) piiegt man an der Küste den Tropenhut zu tragen. Beobachtungen, die Geheimrath Koch in Kwai
im Dezember 1897 machte, lassen es als wahrscheinlich erscheinen, dass dort die Strahlungs-Temperatur 60°
kaum erreicht. Die höchste dort beobachtete Temperatur war 59?5 am 25. Dez. 1897 um 1?*, 55° wurden
in diesen sehr heissen Tagen öfters überschritten.
Auf der Reise zum Kilimandjaro, die ich von Mitte Januar bis Ende März 1898 ausführte, also in
trockener und lieisser Zeit, habe ich Strahlungs-Temperaturen über 60° häufig abgelesen. Die folgende
Tabelle giebt eine Zusammenstellung von solchen Beobachtungen, wobei zu berücksichtigen ist, dass die
Zahlen nur untere Grenzen angeben, da das Thermometer keine Maximum-Einrichtung besass und die Tages
zeit der Beobachtungen sich nach der Lage der Raststunden richten musste.
(Tab. V siehe S. 15.)
Das Zeichen > soll ausdrücken, dass die Sonne zur Zeit der Beobachtung nicht völlig unverschleiert
schien. Die Zahlen zeigen, dass der Unterschied zwischen der Luft- und der Sonnenstrahlungs-Temperatur
hei hohem Sonnenstand 30°, sogar 35° überschreiten kann. Besonders auffallend ist die in einer Höhe von
3685 Metern bereits um ll h 15™ a. m. erreichte Temperatur von 45?3 bei 1()?1 Lufttemperatur; mit den von
E. Frankland in Diavolezza (2980 Meter hoch) gefundenen Zahlen, 59?5 in der Sonne bei 6?0 im Schatten,
ist unser Beispiel allerdings noch nicht zu vergleichen.