accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 3 (1875)

595 
„Shearwater“ vollständig dazu ausgerüstet war; sie segelte dann mit den Mit- 
gliedern der Expedition am 14. Juli nach der Insel Rodriguez ab; am 7. August 
erreichte sie Port Louis auf Mauritius und verliess diesen Hafen am 12. August, 
um nach Port Mathurin auf der Insel Rodriguez zu segeln. Ein guter Platz 
wurde daselbst für das Observatorium ausgesucht und noch an demselben Tage 
wurden die Instrumente und Ausrüstungsgegenstände der Expedition an das 
Land gebracht. Von diesem Tage an bis zum 9.. Dezember machte das Schiff 
Reisen zu Längenbestimmungen und Vermessungen bei der Insel und stand der 
Expedition in jeder Weise zur Seite. Am 9. Dezember wurde der Vorüber- 
gang der Venus von dem Commander Wharton zu Port Coton, dem Ost- 
cap, vom Lieutenant Neate und Mr. Burton zu Port Mathurin und vom 
Lieutenant Hoggan auf der kleinen Insel Hermitage an der Südseite, beob- 
achtet. Am 15. Dezember verliess das Schiff mit den Astronomen an Bord die 
Insel und landete am 18. Dezember zu Port Louis, Am 30. Dezember ging 
die „Shearwater“ nach den Seychellen. und Zanzibar und erreichte am 11. Ja- 
nuar 1875 Mahi, traf dort die in Quarantaine liegende Expedition von Lord 
Lindsay und kam am 29. Januar in Zanzibar an. Alsdann begann die „Shear- 
water“ eine Aufnahme der. Küste Ostafrikas zwischen Ras Kimbiji und Quiloa, 
welche sich an die vorjährige der „Shearwater“ und an die der „Nassau“, (von 
ca. 11° bis 9° Süd-Breite) anschliesst. Da die Regenzeit einsetzte, konnte 
deshalb nur langsam mit den Vermessungen vorgegangen werden; es wären 
bis Mai nur 60 Seem. Küste vermessen und 448 engl. Quadratmeilen abge- 
lothet, als das Schiff nach Hause beordert wurde. Die Besatzung hatte in der letzten 
Zeit sehr an verschiedenen Krankheiten zu leiden, 3 Offciere und 18 Mann 
mussten zurückgelassen werden, 2 Mann starben auf der Reise nach England 
und 3 Officiere und 9 Mann mussten in Malta zurückbleiben. Am 8. Mai ver- 
liess das Schiff Zanzibar, erreichte am 25. Juni Malta und am 23, Juli Sheerness. 
Das Schiff war 4 Jahre und 3 Tage in Dienst gewesen und hat in dieser 
Zeit 790 Seem. Küstenlinie vermessen und 5900 Quadrat-Seem. abgelothet. 
Die „Hydrographie Notice“ Nr. 21, 1875 bringt nachstehende nähere 
Beschreibung der Insel Rodriguez*) nach dem Berichte des Commander Whar- 
ton. Die in demselben vorkommenden Peilungen sind missweisend; die Va- 
riation betrug 8° 16‘ West im Jahre 1875., 
Allgemeine Beschreibung. Die Insel Rodriguez**) liegt ungefähr 
330 Seem. östlich von der Insel Mauritius, zu deren Verwaltungsbezirk sio ge- 
hört, ist in der Richtung ONO—WSW 10 Seem. lang und dabei 4 Seem. 
breit. Sie ist‘ vulkanischer Natur, . besteht grösstentheils aus Basalt mit 
kleinen gehobenen Korallenriffen an ihren Enden und ist im Allgemeinen 
hügelig, so dass nur wenig flaches Land vorhanden ist. Ein Bergrücken, der 
in dem Berge „Montagne Limon“ seine grösste Höhe, 396 Met., erreicht, theilt 
die Insel von dem Ostende aus beinahe der Länge nach in zwei Theile, und 
von diesem Bergrücken ziehen sich dann Ausläufer mit dazwischen liegenden 
tiefen Schluchten nach der nördlichen und südlichen Küste hin. Das west- 
liche Ende der Insel ist viel mehr zerklüftet, hat viele einzeln liegende Berge 
und ist im Ganzen niedriger. 
Mit Ausnahme der trockenen Jahreszeit ist kein Mangel an Flüssen in 
den Thälern, einige dieser Bergströme sind stark mineralisch, so dass ihr 
Wasser nicht zum Trinken zu gebrauchen ist. Im Ganzen wird nur wenig Acker- 
bau getrieben, obgleich ‚der Boden ergiebig ist. Die Bergabhänge sind mehr 
oder weniger mit Buschwerk bedeckt, zwischen denen kleine Bäume empor- 
ragen; die alten Wälder befinden sich nur noch in den tieferen Schluchten, 
Im Jahre 1874 waren ungefähr 1200 Einwohner auf der Insel, dieselben 
waren alle farbige Creolen und leben hauptsächlich vom Fischfang; die Fische 
senden sie in getrocknetem und gesalzenem Zustande nach Mauritius. An der 
Südseite der Insel befinden sich überhaupt nur einzelne Fischerhütten. Auf dem 
westlichen Ende der Insel lebt eine Heerde Rindvieh von ungefähr 5000 Stück, 
Ziegen sind zahlreich, von denen gelegentlich eine Ladung nach Mauritius ge- 
*) Siehe „India Directory,“ J. Horsburgh by D. Taylor 1874. Part. I, pag. 524. 
. #**) Die Insel wurde 1645 von den Portugiesen entdeckt, war darauf längere Zeit im Be» 
sitz der Franzosen und gehört seit 1814 den Engländern,.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.