Fritsch, H.: Ein Libellenquadrant und seine Verwendung auf See.
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halbiert (siehe nebenstehende Fig. 5). Der dann beim Nonius abgelesene Fig. 5.
Winkel ergibt die Höhe des Gestirns, die in diesem Falle nur für
Indexfehler und Refraktion zu verbessern ist. Den Indexfehler bestimmt 7 D
man am: besten nach der Kimme, FI
Wer meinen Aufsatz bis hierher gelesen, wird die Sache für ganz (a
einfach halten und beim ersten Gebrauch des Instruments eine große X | w
Enttäuschung erleben. i —
N Nein, wie bei allem Neuen, gilt hier ganz besonders das Wort: -: \®
» Übung macht den Meister«,: Es wäre verkehrt, das Instrument zur Hand
zu nehmen und gleich sofort eine leichte Beobachtung und gute Resultate zu ver-
Jangen, anderseits soll man aber auch nicht gleich die Geduld verlieren und den
Quadranten als unbrauchbar zur Seite werfen. Auf See, wenn das Schiff stampft
und rollt, eine Höhe zu nehmen, wird dem Anfänger kaum möglich sein. Nein,
man mache die ersten Versuche bei ruhigem Wetter, in der Nähe und unter dem
Schutze von Land, im Kanal, beschränke sich zuerst nur auf das Messen von
Höhen und beobachte zugleich mit dem Sextanten, um sich selbst kontrollieren
zu können.
Im Nebel, wo das Instrument ja eigentlich zur Geltung kommt, wird das
Schiff in den meisten Fällen ruhig liegen, Diese Ruhe wird sich durch Stoppen
der Maschine, durch Legen des Schiffes auf einen geeigneten Kurs noch ver-
größern lassen. Dann vermeide man Höhen. über 50 bis 60 Grad, Niedrige
Höhen sind bequemer und leichter zu beobachten, auch beobachte man mehrere
Höhen möglichst in gleichen Zwischenräumen. Bei Beobachtungen im Nebel kann
man dann aus der Ab- bzw. Zunahme der Höhen zugleich einen Schluß auf ihre
Brauchbarkeit ziehen,
Unter diesen Bedingungen — möglichst ruhiges Schiff, Höhen unter
50 bis 60 Grad, und das Mittel aus mehreren Höhen, deren Brauchbarkeit ein
gleichmäßiges Ab- und Zunehmen angibt, wobei ich stets bei jeder Beobachtung
Gestirn und Libelle von neuem einstellte, um nicht durch die vorher gemessene
Höhe beeinflußt zu werden — habe ich immer brauchbare Resultate erzielt. Die
Differenz mit der durch den Sextanten beobachteten Länge betrug stets weniger
als zehn Minuten, im Durchschnitt fünf Minuten, Natürlich beobachtete ich auch
an Land. Hier, wo das Schiff absolut still lag, waren die Höhen und die damit
erzielten Resultate fehlerlos,
Bei meinen Beobachtungen zog ich das zweite Instrument mit Blendrohr
vor. Durch Anfügung eines passenden Schulterstücks wie bei dem ersten würde
es wohl noch an Brauchbarkeit gewinnen, auch würde ich empfehlen, den Hand-
griff, der die Batterie enthält, unten etwas zu verkürzen, um zu vermeiden, daß
derselbe den Gradbogen überragt, was das Ablesen etwas beeinträchtigt, endlich
sollten Batterie und Lampe genügend stark sein.
In der Praxis auf See wird der Libellenquadrant ein Hilfsinstrument
bleiben; er wird immer hinter dem Sextanten stehen und nur dann in Anwendung
kommen, wenn ersterer versagt, das ist in der Nacht und vor allem im Nebel,
Hat man dann genügend bei klarem Wetter beobachtet und ist sich seiner Beob-
achtungen sicher, so ist es ohne Zweifel von unschätzbarem Vorteil, wenn man
sein Besteck außer durch Loten auch noch durch die mit dem Libellenquadranten
gefundene Höhe berichtigen kann; ein Fehler von fünf Minuten, den man
natürlich immer in Rechnung ziehen wird, gegenüber der Möglichkeit einer Orts-
bestimmung nach astronomischen Objekten überhaupt, kommt kaum in Frage,
Mehr noch wie auf See, wird die Luftschiffahrt mit diesen Instrumenten
rechnen müssen. Es war mir hochinteressant, bei Herrn Butenschön einen
nach Angaben Sr. Exzellenz des Grafen Zeppelin gebauten Libellenquadranten
zu sehen,. der anstatt der sonst länglichen Libelle eine Dosenlibelle (runde) hatte,
um ein Verkanten des Instruments beim Beobachten zu-verhindern. Ihre Brauch-
barkeit dort zu. erproben, ist ohne Zweifel von großer Wichtigkeit, wird doch
die nächste Zukunft mit diesem neuen Verkehrsmittel rechnen müssen.
H. Fritsch, Kapitän.
Ann, d, Hydr. usw, 1913, Heft V.