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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 36 (1908)

Sandström, J. Wo: Drnamische Versuche mit Meerwasser, 
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und diese Kräfte sind es, die den nordwärts gehenden Zweig des Golfstroms 
treiben, In der unteren Schicht dagegen findet Wasserzufuhr in den arktischen 
und Wasserabfluß in den tropischen Gegenden statt, Dadurch wird diese Schicht 
in den arktischen Gegenden dicker als in den Tropen, und ihre untere Grenz- 
Näche wird somit beinahe horizontal; siehe Fig, 13. Die Bjerknesschen Kräfte 
in dieser Schicht sind südwärts gerichtet, und sie sind es, die den kalten, süd- 
wärts gehenden unteren Zweig des Golfstroms treiben. 
Die Wassermenge, die im Golfstrom vorwärts getrieben wird, 
hängt ausschließlich von der Wärmemenge ab, die der unteren Golf- 
stromschicht in den Tropen zugeführt, bzw. aus der oberen Golfstrom- 
schicht in den arktischen Gegenden weggeführt wird, 
Die Bjerknesschen Kräfte, die den Golfstrom vorwärts treiben, passen 
sich den Verhältnissen immer so an, daß sie genau die Größe haben, die er- 
forderlich ist, um das in den Tropen bzw. den arktischen Gegenden umgewandelte 
Wasser wegzuführen, Die zu diesem Zweck notwendige Regulierung der 
Bjerknesschen Kräfte erfolgt vollkommen automatisch, wie die folgenden Bei- 
spiele zeigen werden, 
Wenn z.B, ein nördlicher Wind längs des ganzen Golfstroms weht, so 
wird seine Bewegung dadurch zunächst gehemmt. Die Erwärmung in den 
Tropen und die Abkühlung in den arktischen Gegenden dauern jedoch fort, und 
es werden deshalb die gleichen Wassermengen in jeder Zeiteinheit wie früher 
umgewandelt, was zur Folge hat, daß der Golfstrom mit seiner nunmehr ver- 
minderten Geschwindigkeit nicht alles umgewandelte Wasser mit sich fortzu- 
führen . vermag, Die Folge hiervon wieder ist eine Anhäufung des warmen 
Wassers in den Tropen bzw. des kalten Wassers in den arktischen Gegenden. 
Diese Anhäufung bewirkt aber, daB die Scheidefläche zwischen den beiden Golf- 
Stromschichten (siche Fig. 13) einen steileren Verlauf nimmt, d.h, mit anderen 
Worten eine Verstärkung der Bjerknesschen Kräfte, die den Golfstrom treiben. 
Diese Verstärkung der Bjerknesschen Kräfte setzt sich fort, so lange als die 
oben erwähnte Anhäufung stattfindet, d.h. so lange, als der Golfstrom zu geringe 
Geschwindigkeit besitzt, Die Bjerknesschen Kräfte wachsen also, bis sie so 
stark werden, daß sie imstande sind, die normale Wassermenge trotz des Gegen- 
windes fortzutreiben, 
Wenn dagegen längs des Golfstroms südlicher Wind weht, so wird dessen 
Geschwindigkeit zunächst beschleunigt, und er vermag mehr Wasser mit sich fort- 
zuführen, als in den Tropen und in den arktischen Gegenden umgewandelt wird, 
Die Folge davon ist, daß sich die bisher schräg verlaufende Scheidefläche 
zwischen den beiden Golfstromschichten beinahe horizontal legt; die Bjerknesschen 
Kräfte, die den Golfstrom treiben, nehmen ab, und die Abnahme dieser Kräfte 
dauert so lange an, als der Golfstrom zu große Geschwindigkeit hat, d.h, bis 
lie Bjerknesschen Kräfte so gering geworden sind, daß sie trotz der Hilfe des 
Windes nicht mehr als die normale Wassermenge vorwärts zu treiben vermögen. 
Die Bjerknesschen Kräfte, die das Golfstromwasser vorwärts treiben, 
passen sich also immer dem Widerstande an, den der Golfstrom zu überwinden 
hat, Bei stillem Wetter rührt dieser Widerstand nur von der inneren Reibung 
les Wassers her, Man brauchte also nur die Bjerknesschen Kräfte im 
Golfstrom bei stillem Wetter zu messen, um die Größe des Wider- 
standes infolge der inneren Reibung des Meerwassers, den der Golf- 
strom bei seiner Vorwärtsbewegung zu überwinden hat, bestimmen zu 
können, Wenn Wind über dem Golfstrom weht, so sind die Bjerknesschen 
Kräfte gleich der algebraisechen Summe der Widerstände, die durch die innere 
Reibung des Meerwassers und durch den Wind hervorgerufen werden. 
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Es fällt ziemlich schwer, die schräge Fläche zwischen den beiden Golf- 
stromschichten experimentell darzustellen, Die Schwierigkeit besteht darin, daß 
es dasselbe Wasser sein muß, das oberhalb wie unterhalb der Fläche strömt. 
Wenn man also einen Teil des Wassers färbt, würde sehr bald das ganze Wasser
	        
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