5-1 WAS SIE VOR DER VERARBEITUNG WISSEN SOLLTEN
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5.1.3 Reflexion und Absorption an der Erdoberfläche
Die auf einen Körper an der Erdoberfläche einfallende elektromagnetische Strah
lung wird von ihm teilweise absorbiert und reflektiert. Zu welchem Anteil die
se Absorptionen und Reflexionen stattfinden, ist vor allem von dem jeweiligen
Material des Körpers, seinem physikalischen Zustand, seiner Oberflächenrau
higkeit und den geometrischen Verhältnissen wie dem Einfallswinkel der Strah
lung und der Beobachtungsrichtung abhängig.
Aus diesen Eigenschaften resultieren unterschiedliche, objektspezifische Re
flexionsmuster, über welche die verschiedenen Objekte auf Satellitenbildern
identifiziert werden können. Werden nur die Intensitäten der reflektierten Strah
lung in eng begrenzten Bereichen des elektromagnetischen Spektrums erfasst,
so spricht man von Spektralsignaturen. Diese Signaturen können in spektralen
Reflexionskurven als eine Funktion der Wellenlänge dargestellt werden und
dienen als Grundlage zur Deutung von Fernerkundungsdaten. Abbildung 5.6
zeigt typische spektrale Reflexionskurven für vier Grundtypen auf der Erde:
trockenen Boden, Vegetation, klares Wasser und Wasser mit Phytoplankton.
Die auf die Erdober
fläche einfallende
elektromagnetische
Strahlung wird
von den Objekten
unterschiedlich
absorbiert und
reflektiert.
Sichtbar Nahes Infrarot
Mittleres Infrarot
Abb. 5.6: Die spektrale Reflexionskurve der Vegetation hat ein Minimum im sichtbaren
Teil des elektromagnetischen Spektrums. Die Reflexionswerte nehmen im na
hen Infrarotbereich stark zu. Die spektrale Reflexionskurve von trockenem,
unbedecktem Boden ist kaum variabel. Die Reflexionskurve von Wasser ist
durch hohe Absorption im nahen Infrarot und darüber hinaus charakterisiert.
Wasser mit Phytoplankton absorbiert im sichtbaren Bereich stärker als klares
Wasser. Aufgrund dieser Absorptionseigenschaften können Wassermassen so
wie Objekte, die Wasser enthalten, leicht identifiziert und abgegrenzt werden.
Bildquelle: http://www.rsacl.co.uk/images/base2.jpg (Abbildung modifi
ziert)
Grundsätzlich nehmen die Reflexionen mit zunehmender Feuchtigkeit über
den ganzen Spektralbereich hin ab. Aus diesem Grund wird z. B. feuchter Bo
den in Luft- oder Satellitenbildern stets dunkler wiedergegeben wird als tro
ckener Boden, der besonders stark und kontinuierlich hoch im Infrarotbereich
reflektiert.
Die Reflexionsverhälnisse von Wasserflächen genau zu spezifizieren, ist nicht
so einfach. Grundsätzlich reflektiert Wasser nur im sichtbaren Bereich des Lichts,
während es in den Bereichen darüber hinaus ausschließlich absorbiert. Aller
dings ist der Reflexionsgrad von Wasserflächen auch vom kinetischen Zustand
des Wasserkörpers, seiner organischen bzw. anorganischen Schwebstoffe (wie
z. B. Phytoplankton), der Wellenlänge der Strahlung, der Beschaffenheit des Ge
wässergrundes und der Beleuchtungsrichtung abhängig. So kann es beispiels