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Full text: Copernicus für das Umweltmonitoring

AKTUELLE ANWENDUNGEN VON KMU UND BEHÖRDEN 
3.2 SATELLITENGESTÜTZTES KLIMAFOLGENMONITORING IN THÜRINGEN 
Oliver Bauer 1 , Rene Höfer 2 , Jonas Eberle 3 , Frank Reinhardt 1 
1 Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie, Jena, Deutschland 
2 Jena-Optronik GmbH, Jena, Deutschland 
^Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, Deutschland 
ZUSAMMENFASSUNG 
Durch den Klimawandel ändern sich die Zeitpunkte der Pflanzenentwick 
lungsphasen (Pflanzenphänologie) mit Auswirkungen auf Mensch und Um 
welt. Der Freistaat Thüringen initiierte 2017 ein Klimafolgenmonitoring, um 
diesen und andere Klimafolgenindikatoren regelmäßig zu beobachten. Für 
das Monitoring werden erdgebundene Beobachtungen mit Satellitenbeob 
achtungen kombiniert. Im Verbundvorhaben PhaenOPT haben wir ein Ver 
fahren entwickelt, das die regelmäßige Beobachtung der zeitlichen Ände 
rungen in der Pflanzenphänologie und die Visualisierung dieser Änderun 
gen über einen Webdienst ermöglicht. Der PhaenOPT-Webservice ist unter 
www. phaenopt. info frei zugänglich. 
EINLEITUNG 
Eine Hitze- und Dürreperiode wie im Sommer 2018 wird in naher Zukunft 
möglicherweise Normalität sein. Auf die durch den Klimawandel gestiegenen 
Durchschnittstemperaturen reagiert auch die Vegetation: Die Termine pflanzli 
cher Entwicklungsstadien (sogenannte phänologische Phasen) verschieben sich 
hin zu früheren Zeitpunkten im Jahr. So blüht die Sal-Weide in Thüringen mitt 
lerweile bis zu 13 Tage früher als 1951 (Ein Beispiel zeigt Abb. 3.4.) — und der 
Trend hält an! Diese zeitliche Verschiebung der phänologischen Phasen ist ein 
sogenannter Klimafolgenindikator, der in direktem Zusammenhang mit dem 
Klimawandel steht und in Zukunft häufiger zu beobachten sein wird (Schöntha- 
ler u. a. 2015). 
Durch eine längere Vegetationsperiode und eine frühere Pflanzenentwick 
lung nach dem Winter steigt das Risiko z. B. für eine frühere, längere und 
stärkere Pollenbelastung für Allergiker (Behrendt 2008; Eis u. a. 2011). Auch 
können in der Landwirtschaft Spätfröste zukünftig zu höheren Ernteausfällen 
führen, da Nutzpflanzen schon weiter entwickelt sind (Thüringer Ministerium 
für Umwelt, Energie und Naturschutz 2017). Eine zeitliche Verschiebung der 
Pflanzenphänologie hat demnach direkte Auswirkungen auf Menschen und 
Umwelt. 
PFLANZENPHÄNOLOGIE IN DEUTSCHLAND 
Das Erfassen der Pflanzenphänologie hat beim Deutschen Wetterdienst (DWD) 
eine lange Tradition: Ehrenamtliche Mitarbeiter erfassen an über 1.200 Punkten 
in Deutschland standardisiert seit Jahrzehnten phänologische Phasen diverser 
Pflanzen (Deutscher Wetterdienst 2015). Diese zeitlichen Änderungen können 
mit klimatischen Änderungen (z. B. von Temperatur und Niederschlag) in Be 
ziehung gebracht werden und so auf den Klimawandel rückschließen lassen. 
Satellitendaten des Copernicus-Programms geben nun die Möglichkeit, phä 
nologische Kenngrößen großflächig zu bestimmen und die bestehende, punk 
tuelle Datengrundlage des DWD damit zu unterstützen. Das Fachreferat „Kli-
	        
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