3-1 EFFIZIENTE NAVIGATION IM EIS 29
Projekt marsat Innerhalb des BMWi-geförderten Projektes MARSAT wur
de das Konzept des Ice-Pad entwickelt. Der Fokus lag auf der Übermittlung
hochaufgelöster Sentinel-i-Bilder an die Schiffsbrücke selbst bei niedrigen Band
breiten (z. B. über IRIDIUM). Der Nutzer kann für vordefinierte, kleine Gebiete
zunächst Metainformationen wie etwa das Alter eines neuen Satellitenbildes
erhalten. Auf Verlangen kann sich der Nutzer dieses Bild dann wahlweise in
hoher oder niedriger Auflösung nur für diesen kleinen Kartenausschnitt her
unterladen. Die Ice-Pad-Software wurde testweise auf dem Expeditionskreuz
fahrtschiff MS Hanseatic von Hapag-Lloyd Cruises eingesetzt (siehe Abbildung
3-3)-
Abb. 3.3: Testnutzung der Ice-Pad-Software auf dem Hapag-Lloyd Cruises Expeditions-
kreuzfahrtschiff MS Hanseatic in der Nordwestpassage. (Fotos: Hapag-Lloyd
Cruises)
ERFAHRUNGEN BEI DER BENUTZUNG VON COPERNICUS DATEN ALS KMU
Rückblickend auf die Gründungsjahre der Drift+Noise GmbH müssen wir sa
gen, dass die Benutzung offener Daten wie die des Copernicus-Programms ein
extrem hohes Innovationsniveau braucht, denn der Vorsprung zur Konkurrenz
ist nie groß, können doch alle auf die gleiche Datenquelle zurück greifen. Es
müssen ständig neue, intelligente Lösungen und sogenannte value-added Pro
dukte aus den offenen Daten erstellt werden.
Als sogenannter Zwischennutzer, der die Daten mit anderen Daten verschnei
det und in einen automatisierten Service mit einbaut, ist die Möglichkeit einer
programmatischen Datenabfrage z. B. per API für uns zwingend notwendig. Die
Datenablage auf einem FTP-Server mit der Möglichkeit, Metadaten abzufragen,
nutzen wir ebenfalls. Ein graphisches Frontend für den Datenzugang wie der
Copernicus Open Access Hub der ESA ist hingegen eher auf Endnutzer zuge
schnitten, kommt bei uns im Entwicklungsstadium eines neuen Services aber
auch zur Anwendung.
Abschließend bleibt zu sagen, dass jeder Dienstleister, der Daten wie die des
Copernicus-Programms nutzt, im Grunde ein big-data-Problem für seine Kun
den lösen muss. Aus der Fülle an Daten will man am Ende nur wenige Informa
tionen ableiten, die man aber nur bekommt, wenn man alle Daten zusammen
betrachtet. Im Fall der Eisnavigation ist es die beste Route. Aber eines ist klar:
da die Haftung am Ende beim Betreiber des Schiffes und damit beim Kapi
tän liegt, wird sich dieser in absehbarer Zeit nicht auf eine einzelne Kursemp
fehlung verlassen können - er benötigt einen eigenen Gesamtüberblick durch
aktuelle Satellitenbilder.
Drift+Noise ist
Partner im vom
BMWi geförderten
Projekt MARSAT,
gehört zu den
Copernicus Masters
Finalists in 2016
und hat 2018 das
ESA kick-start
Projekt PR1IMA
begonnen.
Korrespondenz: rabenstein@driftnoise.com