Die Maritime Wirtschaft 19
Am 6. Mai 1966 brachte ein amerikani
scher Frachter die ersten Container nach
Deutschland. Mit 255 dieser Stahlboxen
einheitlicher Größe war die „MS Fairland“
beladen, als sie in den damaligen Bremer
Überseehafen einlief. Die Ankunft mar
kierte ein neues Zeitalter in der Fracht
schifffahrt und verhalt auch den deut
schen Reedereien zu neuer Blüte. Heute,
rund 50 Jahre später, hat sich die Situa
tion geändert. Nach Eigentum betreiben
deutsche Reeder noch immer die weltweit
größte Containerschiffsflotte der Welt, die
deutsche Handelsflotte ist die viertgrößte
der Welt. Das Umfeld in der Frachtschiff
fahrt ist jedoch extrem schwierig. Die
Frachtschifffahrt erlebt eine Krise, wie es
sie seit dem Zweiten Weltkrieg und den
sechziger Jahren nicht mehr gab, gekenn
zeichnet von Überkapazitäten an Trans
portraum und niedrigen Frachtraten. Nach
wie vor werden große Warenströme rund
um den Globus transportiert. Sie nehmen
kontinuierlich zu. Es besteht jedoch
weiterhin ein Überangebot an Schiffs
raum. Aber erst bei einer Auslastung von
rund 90 Prozent rentiert sich zum Beispiel
ein Containerschiff.
Schiffbau und Meerestechnik sind der
Kern der maritimen Wirtschaft
Schifffahrt ist ein Bereich der maritimen
Wirtschaft. Den Kern dieses Wirtschafts
zweiges, der mit rund 75 Milliarden Euro
Umsatz (Anmerkung: inklusive Häfen und
Logistik - die fehlen in den Zahlen der
Druckvorlage 18/11725) zur deutschen
Wirtschaftsleistung beiträgt, bilden
Schiffbau und Meerestechnik. Dazu
gehören alle industriellen Fertigungen und
die damit verbundenen Dienstleistungen.
Werften, Systemanbieter, Hersteller von
Komponenten, Einrichtungen und Zube
hör sowie technische und betriebswirt
schaftliche Dienstleistungsunternehmen
arbeiten in diesem Markt. Die gesamte
Branche umfasst rund 2800 Unternehmen,
Einrichtungen und Institutionen. Die
Bandbreite reicht von spezialisierten
Hoch- und Fachhochschulen über Einrich
tungen der Grundlagen- und angewand
ten Forschung sowie weiteren Dienstleis
tungsanbietern über Hersteller von
Material, Komponenten und Systemen bis
hin zu den Werften, die heute die Rolle
der Systemintegratoren übernommen
haben. Werften sowie die Maschinen- und
Anlagenbauer zählen insgesamt rund
500 Unternehmen mit zirka 80000 Be
schäftigten und einem Jahresumsatz von
rund 18 Milliarden Euro.
Das Statistische Bundesamt verzeichnet
rund 60 Schiff- und Bootsbaubetriebe in
Deutschland mit mindestens 50 Beschäf
tigten pro Unternehmen. Deren Band
breite reicht vom Neubau ziviler Schiffe
über Marineschiffbau, Boots-, Yacht- und
Binnenschiffbau, Reparaturen und Um
bauten bis zur Herstellung von Plattformen
und Anlagen für die Offshore-Industrie.
Die Belegschaften der Betriebe umfassen
über 18000 Beschäftigte. Der gesamte
Umsatz belief sich 2016 auf 5,1 Milliarden
Euro. Der Exportanteil beträgt 65 Prozent.
Die Zahlen für 2017 lagen zum Abschluss
des Berichtes noch nicht vor.
Die maritime Industrie ist neben den
Küstenregionen in den zentralen Indust
riestandorten in Baden-Württemberg,
Bayern und Nordrhein-Westfalen angesie
delt. Rund zwei Fünftel des Gesamtwertes
eines Schiffes steuern klassische Maschi
nen- und Anlagenbauer bei, darunter viele
der großen und bekannten deutschen
Industrieunternehmen, deren maritimes
Geschäftsfeld nur ein Randprodukt des
Gesamtportfolios darstellt und daher nicht
immer sichtbar ist. Ebenso dazu gehören
Produzenten von Materialien wie Stahl und
anderen Metallen, von Farben und Lacken
bis zu Verbrauchsmaterialien, Dienstleis
tungen, angefangen von Klassifikations
gesellschaften bis hin zu Gerüstbauern
sowie unterschiedlichste handwerkliche
Gewerke, unter denen sehr viele regionale
Anbieter zu finden sind.