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Full text: Hydrographie ist so aufwendig, sie darf nicht nur für einen Zweck da sein

Wissenschaftsgespräch 
38 
Hydrographische Nachrichten 
»Hydrographie ist viel mehr 
als Sicherheit der Schifffahrt. 
Laut Seeaufgabengesetz 
dient der Seevermessungs 
dienst der Daseinsvorsorge.« 
Thomas Dehling 
sind seit Langem bewährt, weit verbreitet und ef 
fizient. Aber neue optische Verfahren spielen eine 
immer größere Rolle. In abgelegenen Gebieten 
wertet man schon seit einiger Zelt Luftbilder aus. 
Auch die Laserbathymetrle und auch Laserver 
fahren unter Wasser werden 
In Zukunft mehr eingesetzt 
werden. Und die Plattfor 
men, die autonomen Fahr 
zeuge werden sich weiter 
entwickeln. 
Doch nicht nur die Tech 
nik wird die Hydrographie 
verändern, auch das Nut 
zungsspektrum wird sich 
erweitern. Wie ich schon ge 
sagt habe, wir werden das Meer noch stärker nut 
zen, wir werden es noch stärker schützen müssen. 
Dadurch steigt der Bedarf an hydrographischen 
Daten, und zwar nicht nur an der reinen Tiefenin 
formation. 
Was macht einen guten Hydrographen aus? 
Ein guter Hydrograph sollte Freude am Wasser ha 
ben. Er muss gerne an der See oder an den Seen 
sein. Das ist noch wichtiger als das technische 
Verständnis, das er selbstverständlich auch mit 
bringen muss. Er kann ruhig Seiteneinstelger sein, 
wenn er genug technischen Sachverstand hat, 
wird er sich In die Technik einarbeiten können. 
Außerdem muss ein guter Hydrograph bereit sein, 
seine Verfahren zu hinterfragen, er muss überle 
gen, ob das noch gültig ist. Diese Eigenschaft gilt 
natürlich für viele Berufe. Um es als Metapher zu 
sagen: Wasser ist ständig in Bewegung, Hydrogra 
phie Ist nicht an Grenzen gebunden, daher muss 
auch ein Hydrograph die Fähigkeit haben, über 
die Grenzen der eigenen Disziplin hinauszuden 
ken, er darf nicht an Ländergrenzen hängenblei 
ben. 
Das DHyG-Mitglied Mathias Jonas geht nach Mo 
naco. Ihr Kommentar dazu. 
Das ist ein großartiger Erfolg für die deutsche amt 
liche Hydrographie. In den fast 100 Jahren der 
Geschichte der IHO war noch kein Deutscher im 
Direktorium vertreten. Mathias Jonas wird nun als 
Generalsekretär an der Spitze stehen. Seine Wahl ist 
aber nicht nur aus deutscher Sicht ein Erfolg, sondern 
auch für die IHO ein wichtiger Schritt, um zukunftsfit 
zu werden. Ich wünsche Ihm für seine neue Aufgabe 
alles Gute. Am BSH wird er uns fehlen, aber ich bin si 
cher, dass er enge Beziehungen zu Rostock, zum BSH 
und zu Deutschland halten wird. 
Sie fahren viel mit dem Fahrrad. Steckt dahinter ein 
Umweltaspekt, ein Fitnessgedanke? 
Radfahren ist mein sportlicher Ausgleich. Die Stre 
cke zur Arbeit Ist eigentlich viel zu kurz. Ich fahre 
sehr gerne mit dem Rad, sicherlich spielt auch der 
Umweltaspekt dabei eine Rolle, aber nicht vorran 
gig. Ich halte Radfahren für die effizienteste und 
angenehmste Art und Weise, sich fortzubewegen. 
Welche Anekdote aus Ihrem Berufsleben eignet 
sich für eine Erzählung? 
Bei der Wracksuche gibt es zuweilen ungewöhn 
liche Funde. Im Fehmarnsund hat die »Deneb« 
einmal einen Straßenbagger gefunden. Der muss 
da schon eine Welle gelegen haben, denn er war 
schon voller Pocken. Aber offenbar hat ihn niemand 
vermisst. Erst Jahre später haben wir festgestellt, 
dass dieser Straßenbagger in Ostholstein einge 
setzt war und auf einer Schute nach Klei zurückge 
schleppt wurde. Als schwere See aufkam, ging der 
Bagger über Bord. Die Besatzung hat den Verlust 
erst bemerkt, als das Schiff in Kiel In der Förde war. 
Und dann war Ihnen das wohl unangenehm oder 
sie wollten die Folgen vermeiden, jedenfalls haben 
sie keinem von der Geschichte erzählt. Daher lag 
der Bagger jahrelang im Sund, zum Glück an einer 
Stelle, die für die Schifffahrt unbedeutend war. 
Bei einer anderen Vermessung haben wir meh 
rere Container auf dem Meeresgrund gefunden, 
deren Nummern unkenntlich gemacht waren. Wa 
rum? Weil sie voller Wodka waren. Es gibt also auch 
Dinge, die ganz absichtlich außenbords gehen. 
In Erinnerung geblieben ist mir auch, wie 
hemdsärmelig in manchen Ländern Probleme 
gelöst werden. In Maputo habe ich gesehen, wie 
pragmatisch die Leute vorgegangen sind, als die 
Lothalterung nicht mehr funktionierte. Das haben 
die mit Bordmitteln gelöst, indem sie alles mit 
selbst gedrehten Seilen arretiert haben. In solchen 
Situationen zeigt sich, mit wie viel Fachverstand 
die Leute Lösungen finden. Man darf sie in Ihrem 
Erfindungsreichtum und ihrem Verständnis nicht 
unterschätzen. Schwierig wird es erst dann, wenn 
die Technik zu kompliziert ist. Wenn man es mit 
einer Blackbox zu tun hat. Technik für Entwick 
lungsländer muss robust und darf nicht unnötig 
kompliziert sein. 
Was würden Sie gerne besser können? 
Ich würde gerne ein Musikinstrument spielen kön 
nen. Ich bin sehr musikinteressiert, mag viele Mu 
sikrichtungen, aber ich kann leider überhaupt kein 
Instrument spielen. Das finde ich bedauerlich. 
Was wissen Sie, ohne es beweisen zu können? 
Wissen ist wichtig, gerade für Ingenieure und Na 
turwissenschaftler. Durch stetige Wissbegierde 
entwickeln wir uns weiter. Doch ich glaube zu wis 
sen, dass die Menschheit nie allwissend sein wird. 
Die Weltformel werden wir nie entdecken. Unser 
Wissen nimmt zwar täglich zu, aber das Gefühl, 
insgesamt zu wenig zu wissen, wächst auch. Das 
ist paradox. 
Eine Beobachtung bereitet mir Sorgen: Über ein 
paar Dinge auf der Welt weiß ich etwas, well ich 
mich professionell damit beschäftige. Aber wenn 
ich Im Fernsehen etwas über diese Dinge sehe 
oder in der Zeitung darüber lese, dann muss Ich 
feststellen, wie viel eigentlich falsch oder ungenau 
dargestellt wird. Und wenn ich diese Beobachtung 
nun übertrage auf all das, wovon ich keine Ahnung 
habe, dann befürchte ich, dass wir alle viel zu viel 
von dem glauben, was mal gesagt oder geschrie 
ben wurde. Dabei dürfte ein großer Teil ungenau 
oder sogar falsch dargestellt sein. ±
	        
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