Wissenschaftsgespräch
ähnlich, der Preis ist vielleicht etwas höher, dafür
hat man aber auch mehr Möglichkeiten.
Bei der Hydrographie, so heißt es oft, gehe es um
die Sicherheit der Schifffahrt - ist Hydrographie
nicht noch viel mehr?
Ja, viel mehr! Die Aufgaben im BSH sind tatsächlich
sehr stark auf die Sicherheit der Schifffahrt bezogen,
was die Nautische Hydrographie betrifft oder
auch die Herstellung der Seekarten. Und auch bei
der Seevermessung, die ich mache, ist die Sicherheit
der Schifffahrt ein wichtiges Thema. Aber insgesamt
dient der Seevermessungsdienst, so wie er
im Seeaufgabengesetz definiert ist, der Daseinsvorsorge.
Wir wollen natürlich Sicherheit liefern - und
durch diese Sicherheit erhöhen wir den Umweltschutz.
Wenn die Wahrscheinlichkeit für Havarien
sinkt, erhöht sich der Umweltschutz - ist natürlich
schwer zu beziffern, wie viel das ist. Für den Meeresschutz,
für den Schutz vorm Meer und für alle
möglichen Nutzungen des Meeres braucht man
hydrographische Informationen und insbesondere
auch die Seevermessungsergebnisse. Ob es nun
um Sturmflutereignisse geht, um Baumaßnahmen
oder den Küstenschutz, Hydrographie geht weit
über die Sicherheit der Schifffahrt hinaus.
Am BSH, das als Behörde ja Teil des Verkehrsministeriums
ist, ist die Schifffahrt natürlich ein wesentlicher
Aspekt. Aber Seevermessung ist so aufwendig,
dass man sie nicht nur für einen Zweck machen darf.
Es wäre eine Verschwendung von Steuergeldern,
wenn wir die hydrographischen Informationen
nicht auch für andere Zwecke hergeben würden.
Wie ist das beim Capacity Building, zielt das noch
hauptsächlich auf die Sicherheit der Schifffahrt ab?
Das wird kontrovers gesehen. Die Mehrheit der
Hydrographischen Dienste betrachtet die Hydrographie
viel breiter als nur zum Zweck der Navigation.
Es gibt aber immer noch einige Länder, die
das relativ eng sehen und die auch die Daten nicht
gerne herausgeben, weil sie Sicherheitsbedenken
haben. Die Mehrheit jedoch stellt inzwischen die
Daten für alle möglichen Zwecke bereit. Sie wissen,
dass wir ein viel breiteres Spektrum abdecken
als nur die Sicherheit der Schifffahrt. Natürlich werden
unsere Vermessungen nie für andere Spezialanwendungen
ausreichen. Wenn jemand einen
Windpark plant oder eine Pipeline legen will, dann
muss er den Meeresboden noch einmal detaillierter
vermessen. Aber die Basisinformationen, die
wir zur Verfügung stellen, bieten ihm schon mal
einen guten Überblick. Mit diesem Wissen kann er
dann detaillierter nachsehen, vielleicht auch mit
genaueren Methoden, vielleicht schaut er auch in
den Meeresgrund rein.
Wie wird sich die Hydrographie entwickeln? Welche
weiteren Felder wird es geben?
Die Sensorik wird sich weiterentwickeln. Bislang
arbeiten wir mit hydroakustischen Verfahren, die
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