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Full text: Hydrographie ist so aufwendig, sie darf nicht nur für einen Zweck da sein

Wissenschaftsgespräch 
36 
Hydrographische Nachrichten 
»Seekarten sind nicht teuer. 
Wir berücksichtigen nur den 
Aufwand für die eigentliche 
Herstellung der Karte, also 
für die kartographischen 
Arbeiten. Die eigentliche 
Seevermessung fließt in die 
Kalkulation gar nichr ein« 
Thomas Dehling 
einer Bachelor- oder Masterarbeit. Man muss sich 
einfach nur bewerben. Eine E-Mail an mich oder, 
besser noch, an den wissenschaftlichen Leiter ge 
nügt. Entscheidend ist allerdings, rechtzeitig anzu 
fragen. Einen Monat vorher 
ist zu kurzfristig. Wir müssen 
länger planen, um auch ei 
nen Einsatz an Bord ermög 
lichen zu können. 
Sie sind Vermessungsdirek 
tor. Was verbirgt sich hinter 
der Bezeichnung? 
Das ist eine Dienstbezeich 
nung, die man heute gar 
nicht mehr erlangen kann. 
Wenn heute jemand meine 
Aufgabe übernehmen wür 
de, würde er Technischer Re 
gierungsdirektor werden. Da klingt Vermessungs 
direktor doch viel besser. Es handelte sich um eine 
Laufbahn für Vermesser an einer Behörde, die es 
aber heutzutage in dieser Form nicht mehr gibt. Es 
fing mit dem Vermessungsrat an, dann folgte der 
Vermessungsoberrat, dann der Vermessungsdirek 
tor. Das ist durchaus vergleichbar mit den Dienst 
graden bei der Bundeswehr. 
Um was genau geht es beim Capacity Building, 
das Sie bei der IHO vorantreiben? 
Wir fördern weltweit die amtliche Hydrographie, 
insbesondere in den Regionen, in denen die Län 
der das nicht alleine können. Unsere Schwerpunkt 
gebiete sind die Karibik, die Südsee und Afrika. Für 
diese strategische Aufgabe der IHO haben wir 
Geld, wir werben zusätzliche Gelder ein, versuchen 
stetig den Capacity-Building-Fond zu erweitern. 
Diese Gelder setzen wir ein, um Fortbildungen 
durchzuführen, zum Beispiel Kurzeinweisungen, 
einwöchige Kurse, bis hin zur Finanzierung eines 
kompletten Studiums für ausgewählte Studenten. 
Den Ländern, die noch keinen funktionierenden 
Hydrographischen Dienst haben, statten wir Be 
suche ab, sogenannte High-Level-Visits, um de 
nen die Bedeutung der hydrographischen Arbeit 
klarzumachen. Anschließend folgen technische 
Besuche, bei denen wir gucken, wo sie stehen und 
was sie im Detail brauchen. Unser Ansinnen ist, die 
Aktivitäten möglichst aus den Regionen heraus zu 
steuern. Dazu nutzen wir die Regionalkommissio 
nen in der IHO, denn die Regionen wissen am bes 
ten, was dort besonders gefordert ist. 
Können Sie denn alles fördern, was die Regional 
kommissionen sich wünschen? 
In meinem Sub-Committee sind rund 30 Leute. 
Jeder möchte natürlich sein Projekt durchbekom 
men. Doch so viel Gelder stehen uns nicht zur 
Verfügung. Deshalb müssen wir die Vorschläge 
bewerten, wir müssen priorisieren. Das ist zwar 
schwierig, aber gut, denn so setzen wir das Geld 
für die wirklich wichtigen Vorhaben ein. 
Wie moderieren Sie das? 
In meiner Leitungsfunktion obliegt mir die Ver 
handlungsführung. Da kann ich viel lernen. Es ist 
wirklich spannend, mit den Persönlichkeiten aus 
den unterschiedlichen Kulturen auszukommen. 
Asiaten sind einfach anders als Südamerikaner - 
und das muss man in der persönlichen Verhand 
lung berücksichtigen. Ein Japaner ist zurückhal 
tender, bevor er etwas sagt, er äußert schon gar 
keine Kritik. Dahingegen sind zum Beispiel die 
US-Amerikaner völlig schmerzfrei. Diese Unter 
schiede bei den Wortäußerungen muss man be 
rücksichtigen, man muss allen genug Freiraum 
geben. Gleichzeitig muss ich Zusehen, dass ich 
mit dem Pensum durchkomme. Fürdieses Organi 
sationsgeschick wiederum sind ja wir Deutschen 
bekannt. 
Wie viele Wochen im Jahr sind Sie mit diesen Ca- 
pacity-Building-Aufgaben beschäftigt? 
Dieses Sub-Committee zu leiten, ist relativ auf 
wendig. Von meiner Arbeitszeit gehen vielleicht 
drei Wochen für diese Aufgabe drauf. Die Aufga 
be ist Teil meiner Diensttätigkeit am BSH, aber sie 
belastet mich nun nicht so sehr, dass andere Auf 
gaben darunter leiden würden. Aber ich muss zu 
geben, dass ich mit der normalen Arbeitszeit nicht 
auskomme. Mich reizt das Thema so sehr, dass ich 
einiges an Freizeit investiere. Ich bin keiner, der auf 
die Uhr guckt, um zu wissen, wann acht Stunden 
um sind. 
Das ganze Reisen, der ein oder andere Umzug, was 
macht das mit Ihnen persönlich? Wie wirkt sich das 
auf die Familie aus? 
Ich bin in meinem Leben 15-mal umgezogen, hat 
te schon in sieben Bundesländern meinen ersten 
Wohnsitz. Inzwischen sind wir in Rostock sesshaft 
geworden. Familiärwardiese Umzieherei natürlich 
schwierig. Aber mir lag immer daran, wirklich um 
zuziehen statt zu pendeln und nur noch eine Wo 
chenendehe zu führen. Umso wichtiger ist, dass 
man sich irgendwann settled. Ich war noch nie 
irgendwo so lange zu Hause wie in Rostock. Wir 
wollen auch nicht wieder weg. Wir haben Glück, 
meine Frau ist auch Vermesserin und hat ebenfalls 
gute Arbeit in Rostock gefunden. Ich könnte mei 
nen Beruf nicht so ausüben, wenn sie mich nicht 
unterstützen würde. Auch in Bezug auf meine 
Reiseaktivitäten. Aber länger als zwei Wochen am 
Stück bin ich nicht weg. 
Warum sind Seekarten so teuer? 
Seekarten sind nicht teuer. Ich finde sie sogar ziem 
lich preiswert. Bei der Preisgestaltung berücksich 
tigen wir nur den Aufwand für die eigentliche Her 
stellung der Karte, also für die kartographischen 
Arbeiten. Die ganze Seevermessung fließt in die 
Kalkulation gar nicht ein. Wenn wir den Aufwand, 
den wir in die Seevermessung reinstecken, um die 
Seekarte herzustellen, mit berücksichtigen wür 
den, könnte sich die Seekarte keiner mehr leisten. 
Selbst eine reiche Reederei würde das nicht bezah 
len wollen. Ich denke, der Preis für eine Seekarte ist 
keineswegs zu hoch, er ist vielmehr angemessen. 
Und ein bisschen was muss die Karte ja auch kos 
ten, denn etwas, das nichts kostet, ist auch nichts 
wert. Bei Elektronischen Seekarten sehe ich das
	        
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