Wissenschaftsgespräch
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Hydrographische Nachrichten
»Man kann noch so
genau mit dem Fächerlot
vermessen, wenn man die
Veränderlichkeit des Bodens
nicht berücksichtigt, verliert
die Messung schnell an Wert«
Thomas Dehling
Bisher erschienen:
Horst Hecht (HN 82),
Holger Klindt (HN 83),
Joachim Behrens (HN 84),
Bernd Jeuken (HN 85),
Hans Werner Schenke (HN 86),
Wilhelm Weinrebe (HN 87),
William Heaps (HN 88),
Christian Maushake (HN 89),
Monika Breuch-Morltz (HN 90),
Dietmar Grünreich (HN 91),
Peter Gimpel (HN 92),
Jörg Schimmler (HN 93),
Delf Egge (HN 94),
Günther Braun (HN 95),
Siegfried Fahrentholz (HN 96),
Günther Braun, Delf Egge, Ingo
Harre, Horst Hecht, Wolfram
Kirchner und Hans-Friedrich
Neumann (HN 97),
Werner und Andres Nicola
(HN 98),
Sören Themann (HN 99),
Peter Ehlers (HN 100),
Rob van Ree (HN 101),
DHyG-Beirat (HN 102),
Walter Offenborn (HN 103),
Jens Schneider von Deimling
(HN 104),
Mathias Jonas (HN 105),
Jürgen Peregovlts (HN 106)
schon länger; in Frankreich und in Kanada gibt es
Bestrebungen. Das wäre auch für Deutschland
gut, nur müsste man das übergreifend machen.
Hydrographie ist einfach international, da darf
man die Wirkung eines deutschen Zertifikats nicht
auf Deutschland begrenzen.
Wäre das eine Möglichkeit, mit der IFHS näher zu-
sammenzukommen?
Ja, das wäre in der Tat ein
interessantes Betätigungs
feld für die IFHS. Aber es gibt
schon Player, die sich auf
den Weg gemacht haben,
ohne die IFHS zu berück
sichtigen. Da müsste sich die
IFHS beeilen.
Was und wo haben Sie stu
diert?
Ich habe Vermessungswesen
an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg
bei München studiert. Ich habe eine Offiziers
laufbahn absolviert. Geplant waren mal zwölf
Jahre, doch ich bin aufgrund der damaligen Re
duzierungswelle bereits nach zehneinhalb Jahren
gegangen. Für mich passte das ganz gut. Meine
letzte Verwendung als Hauptmann war in Meck
lenburg-Vorpommern die Vermessungsunterstüt
zung Ost - ein großes Projekt, das mir sehr gut
gefallen hat. Mit 30 Mann bin ich durch das Land
gereist, wobei ich Mecklenburg-Vorpommern sehr
gut kennengelernt habe. Als dieses Projekt auslief,
war das für mich der richtige Zeitpunkt zu gehen.
Ich wollte kein Berufssoldat werden. Als junger Of
fizier fand ich die Kombination aus Führung, Erzie
hung und Ausbildung besonders reizvoll. Doch je
länger man dabei ist - das habe ich bei meinem
Vater erlebt, der selber eine Offizierslaufbahn als
Berufssoldat gemacht hat -, desto weiter weg ist
man von diesen Themen. Und deswegen wollte
ich nicht bei der Bundeswehr bleiben. Stattdessen
wollte ich gerne mehr Vermessung machen, denn
die habe ich in derTruppe nicht wirklich angewen
det.
Mit einem Studium bei der Bundeswehr ist der
Weg zur Hydrographie nicht gerade vorgezeich
net. Wie kamen Sie zur Hydrographie?
Der Weg war in der Tat nicht vorgezeichnet, vor al
lem wenn man als Heeresoffizier arbeitet, statt bei
der Marine. Letztlich war es ein glücklicher Zufall,
wenn nicht sogar eine Aneinanderreihung glückli
cher Zufälle. In jedem Fall bin ich keinen geradlini
gen Weg gegangen.
Mich hat schon immer besonders die Ingenieur
geodäsie interessiert, die angewandte Geodäsie,
wenn auch auf der Landseite. Doch als ich mein
zweites Staatsexamen in diesem Bereich gemacht
habe, gab es keine Stellen. Ich bin dann nach Berlin
gegangen, wo ich ÖbVI werden wollte. Durch Be
kannte von der Familie bekam ich die Information,
dass am BSH die Stelle des Sachgebietsleiters für
die Nordseevermessung frei wurde. Meine Frau
hat mich überredet, mich zu bewerben. Ich war
mir erst gar nicht so sicher. Ich wusste nicht, ob
Wracksuche das richtige wäre, auch wenn mich
das Meer immer schon sehr gereizt hat und ich
gerne an der See und auf dem Wasser bin. Zum
Glück habe ich diesen Schritt gemacht und mich
in die ganze neue Thematik eingearbeitet.
Sie haben gleich als Sachgebietsleiter begonnen?
Die Seevermessung im BSH ist so aufgeteilt, dass
die Führungspositionen im höheren Dienst ange
siedelt sind. Dies setzt ein universitäres Studium
und in der Regel ein zweites Staatsexamen voraus.
Die Sachbearbeitung wird von Ingenieuren und
Technikern wahrgenommen.
Wie war denn dann Ihr weiterer Weg durchs BSH?
Das ging ganz schnell. Ich hatte im April 1998 an
gefangen, bereits im September 1999 wurde ich
Referatsleiter, also Leiter der gesamten Seevermes
sung, weil mein Vorgänger, der Dr. Schiffner, in den
Ruhestand gegangen ist. Auf die Stelle hatte ich
mich beworben, wobei ich gar nicht unbedingt
erwartet hatte, schon genommen zu werden. Ich
war noch nicht so erfahren. Als ich die Stelle be
kam, bin ich von Hamburg nach Rostock umgezo
gen. Seither mache ich das und mir ist nie lang
weilig geworden, wohl weil die Arbeit von heute
nichts mit der von damals zu tun hatte. Heute ma
che ich ganz andere Sachen.
Welche denn?
Ich arbeite sehr viel mehr international. Zum Bei
spiel leite ich das Capacity Building Sub-Commit-
tee der IHO, bin viel in Regionalkommissionen
aktiv, um die Seevermessung mit den Nachbarlän
dern abzustimmen. Innerhalb des Referats am BSH
habe ich die gesamte Seevermessung bestimmt
schon dreimal umgekrempelt. Denn die Verfah
ren, die wir 1999 zur Seevermessung verwendet
haben, kann man mit den heutigen Verfahren
nicht vergleichen. Nicht nur die Technik hat sich
weiterentwickelt, sondern wir haben auch unsere
Produkte umgestellt und an die Kundenanforde
rungen angepasst. Seit vielen Jahren bin ich auch
Vertreter des Abteilungsleiters, weswegen mir vie
le Aufgaben zukommen, die eigentlich über mei
nen Verantwortungsbereich hinausgehen.
Ein Karriere im Amt ist nicht planbar, oder?
Ein gerader Weg lässt sich nicht gehen. Niemand
kann damit rechnen, in Bälde das zu tun, was ich
heute mache. Denn es gibt nur diese eine Stelle,
und die zu kriegen ist nicht planbar. Man braucht
Glück. Und manchmal hilft der Zufall weiter.
Heute reisen Sie von Rostock nach Hamburg, am
Abend geht es wieder zurück. Gehört dieses Un
terwegssein zu einem typischen Arbeitstag?
Ich bin schon relativ viel unterwegs. Zumindest
gibt es Phasen, in denen ich recht viel reise. Aber
es gibt auch den ganz normalen Büroarbeitstag,
der in der Regel von Besprechungen dominiert ist.
An den Tagen, an denen ich länger unterwegs bin,
nutze ich die Transferzeiten meist, um Dinge vorzu
bereiten und auch um den Kopf freizubekommen.
Manchmal fallen mir auf Autofahrten Dinge ein, auf
die ich im Tagesalltag nicht kommen würde.