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Full text: Hydrographie ist so aufwendig, sie darf nicht nur für einen Zweck da sein

Wissenschaftsgespräch 
34 
Hydrographische Nachrichten 
»Man kann noch so 
genau mit dem Fächerlot 
vermessen, wenn man die 
Veränderlichkeit des Bodens 
nicht berücksichtigt, verliert 
die Messung schnell an Wert« 
Thomas Dehling 
Bisher erschienen: 
Horst Hecht (HN 82), 
Holger Klindt (HN 83), 
Joachim Behrens (HN 84), 
Bernd Jeuken (HN 85), 
Hans Werner Schenke (HN 86), 
Wilhelm Weinrebe (HN 87), 
William Heaps (HN 88), 
Christian Maushake (HN 89), 
Monika Breuch-Morltz (HN 90), 
Dietmar Grünreich (HN 91), 
Peter Gimpel (HN 92), 
Jörg Schimmler (HN 93), 
Delf Egge (HN 94), 
Günther Braun (HN 95), 
Siegfried Fahrentholz (HN 96), 
Günther Braun, Delf Egge, Ingo 
Harre, Horst Hecht, Wolfram 
Kirchner und Hans-Friedrich 
Neumann (HN 97), 
Werner und Andres Nicola 
(HN 98), 
Sören Themann (HN 99), 
Peter Ehlers (HN 100), 
Rob van Ree (HN 101), 
DHyG-Beirat (HN 102), 
Walter Offenborn (HN 103), 
Jens Schneider von Deimling 
(HN 104), 
Mathias Jonas (HN 105), 
Jürgen Peregovlts (HN 106) 
schon länger; in Frankreich und in Kanada gibt es 
Bestrebungen. Das wäre auch für Deutschland 
gut, nur müsste man das übergreifend machen. 
Hydrographie ist einfach international, da darf 
man die Wirkung eines deutschen Zertifikats nicht 
auf Deutschland begrenzen. 
Wäre das eine Möglichkeit, mit der IFHS näher zu- 
sammenzukommen? 
Ja, das wäre in der Tat ein 
interessantes Betätigungs 
feld für die IFHS. Aber es gibt 
schon Player, die sich auf 
den Weg gemacht haben, 
ohne die IFHS zu berück 
sichtigen. Da müsste sich die 
IFHS beeilen. 
Was und wo haben Sie stu 
diert? 
Ich habe Vermessungswesen 
an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg 
bei München studiert. Ich habe eine Offiziers 
laufbahn absolviert. Geplant waren mal zwölf 
Jahre, doch ich bin aufgrund der damaligen Re 
duzierungswelle bereits nach zehneinhalb Jahren 
gegangen. Für mich passte das ganz gut. Meine 
letzte Verwendung als Hauptmann war in Meck 
lenburg-Vorpommern die Vermessungsunterstüt 
zung Ost - ein großes Projekt, das mir sehr gut 
gefallen hat. Mit 30 Mann bin ich durch das Land 
gereist, wobei ich Mecklenburg-Vorpommern sehr 
gut kennengelernt habe. Als dieses Projekt auslief, 
war das für mich der richtige Zeitpunkt zu gehen. 
Ich wollte kein Berufssoldat werden. Als junger Of 
fizier fand ich die Kombination aus Führung, Erzie 
hung und Ausbildung besonders reizvoll. Doch je 
länger man dabei ist - das habe ich bei meinem 
Vater erlebt, der selber eine Offizierslaufbahn als 
Berufssoldat gemacht hat -, desto weiter weg ist 
man von diesen Themen. Und deswegen wollte 
ich nicht bei der Bundeswehr bleiben. Stattdessen 
wollte ich gerne mehr Vermessung machen, denn 
die habe ich in derTruppe nicht wirklich angewen 
det. 
Mit einem Studium bei der Bundeswehr ist der 
Weg zur Hydrographie nicht gerade vorgezeich 
net. Wie kamen Sie zur Hydrographie? 
Der Weg war in der Tat nicht vorgezeichnet, vor al 
lem wenn man als Heeresoffizier arbeitet, statt bei 
der Marine. Letztlich war es ein glücklicher Zufall, 
wenn nicht sogar eine Aneinanderreihung glückli 
cher Zufälle. In jedem Fall bin ich keinen geradlini 
gen Weg gegangen. 
Mich hat schon immer besonders die Ingenieur 
geodäsie interessiert, die angewandte Geodäsie, 
wenn auch auf der Landseite. Doch als ich mein 
zweites Staatsexamen in diesem Bereich gemacht 
habe, gab es keine Stellen. Ich bin dann nach Berlin 
gegangen, wo ich ÖbVI werden wollte. Durch Be 
kannte von der Familie bekam ich die Information, 
dass am BSH die Stelle des Sachgebietsleiters für 
die Nordseevermessung frei wurde. Meine Frau 
hat mich überredet, mich zu bewerben. Ich war 
mir erst gar nicht so sicher. Ich wusste nicht, ob 
Wracksuche das richtige wäre, auch wenn mich 
das Meer immer schon sehr gereizt hat und ich 
gerne an der See und auf dem Wasser bin. Zum 
Glück habe ich diesen Schritt gemacht und mich 
in die ganze neue Thematik eingearbeitet. 
Sie haben gleich als Sachgebietsleiter begonnen? 
Die Seevermessung im BSH ist so aufgeteilt, dass 
die Führungspositionen im höheren Dienst ange 
siedelt sind. Dies setzt ein universitäres Studium 
und in der Regel ein zweites Staatsexamen voraus. 
Die Sachbearbeitung wird von Ingenieuren und 
Technikern wahrgenommen. 
Wie war denn dann Ihr weiterer Weg durchs BSH? 
Das ging ganz schnell. Ich hatte im April 1998 an 
gefangen, bereits im September 1999 wurde ich 
Referatsleiter, also Leiter der gesamten Seevermes 
sung, weil mein Vorgänger, der Dr. Schiffner, in den 
Ruhestand gegangen ist. Auf die Stelle hatte ich 
mich beworben, wobei ich gar nicht unbedingt 
erwartet hatte, schon genommen zu werden. Ich 
war noch nicht so erfahren. Als ich die Stelle be 
kam, bin ich von Hamburg nach Rostock umgezo 
gen. Seither mache ich das und mir ist nie lang 
weilig geworden, wohl weil die Arbeit von heute 
nichts mit der von damals zu tun hatte. Heute ma 
che ich ganz andere Sachen. 
Welche denn? 
Ich arbeite sehr viel mehr international. Zum Bei 
spiel leite ich das Capacity Building Sub-Commit- 
tee der IHO, bin viel in Regionalkommissionen 
aktiv, um die Seevermessung mit den Nachbarlän 
dern abzustimmen. Innerhalb des Referats am BSH 
habe ich die gesamte Seevermessung bestimmt 
schon dreimal umgekrempelt. Denn die Verfah 
ren, die wir 1999 zur Seevermessung verwendet 
haben, kann man mit den heutigen Verfahren 
nicht vergleichen. Nicht nur die Technik hat sich 
weiterentwickelt, sondern wir haben auch unsere 
Produkte umgestellt und an die Kundenanforde 
rungen angepasst. Seit vielen Jahren bin ich auch 
Vertreter des Abteilungsleiters, weswegen mir vie 
le Aufgaben zukommen, die eigentlich über mei 
nen Verantwortungsbereich hinausgehen. 
Ein Karriere im Amt ist nicht planbar, oder? 
Ein gerader Weg lässt sich nicht gehen. Niemand 
kann damit rechnen, in Bälde das zu tun, was ich 
heute mache. Denn es gibt nur diese eine Stelle, 
und die zu kriegen ist nicht planbar. Man braucht 
Glück. Und manchmal hilft der Zufall weiter. 
Heute reisen Sie von Rostock nach Hamburg, am 
Abend geht es wieder zurück. Gehört dieses Un 
terwegssein zu einem typischen Arbeitstag? 
Ich bin schon relativ viel unterwegs. Zumindest 
gibt es Phasen, in denen ich recht viel reise. Aber 
es gibt auch den ganz normalen Büroarbeitstag, 
der in der Regel von Besprechungen dominiert ist. 
An den Tagen, an denen ich länger unterwegs bin, 
nutze ich die Transferzeiten meist, um Dinge vorzu 
bereiten und auch um den Kopf freizubekommen. 
Manchmal fallen mir auf Autofahrten Dinge ein, auf 
die ich im Tagesalltag nicht kommen würde.
	        
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