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Full text: Hydrographie ist so aufwendig, sie darf nicht nur für einen Zweck da sein

Wissenschaftsgespräch 
32 
Hydrographische Nachrichten 
Hydrographie ist so aufwendig, sie darf 
nicht nur für einen Zweck da sein« 
Ein Wissenschaftsgespräch mit THOMAS DEHLING* 
Als Leiter des Referats Seevermessung und Geodäsie am Bundesamt für Seeschifffahrt 
und Hydrographie (BSH) hat Thomas Dehling einen Job, bei dem er viel unterwegs ist. 
Sein Engagement im Capacity Building führt ihn in entlegene Gegenden. Was das Rei 
sen mit ihm macht, ver- 
DHyG | DHyG-Anerkannter Hydrograph | DHyG Student Excellence Award | BSH | Capacity Building | IHO 
IFHS | Wiederholungsmessungen | Seevermessungstechniker | Qualltätsmanagement 
rät er im HN-Interview. 
Außerdem erläutert er, 
weshalb Seekarten echt 
preiswert sind. Und na 
türlich steht er auch in 
seiner neuen Funktion 
als Erster Vorsitzender 
der DHyG Rede und 
Antwort. 
Das Interview mit Thomas 
Dehling führte Lars Schiller 
am 18. Mai auf der Fahrt von 
Rostock nach Hamburg. 
Seit wann sind Sie Mitglied In der DHyG? 
Im Jahr 2000 bin ich dem Verein beigetreten. 
Und schon bald waren Sie im Beirat aktiv. 
Stimmt, 2004 bin Ich In den Beirat gewählt wor 
den. Und obwohl ich neu hinzugekommen bin, 
hat man mich gleich zum Vorsitzenden bestimmt. 
Ich war allerdings nur eine Wahlperiode lang im 
Beirat, denn bereits 2006 bin Ich In den Vorstand 
gekommen. Davor habe Ich eine Zeit lang im Ar 
beitskreis »Standardisierung« mitgearbeitet. 
Was hat sich in der DHyG seit Ihrem Beitritt geän 
dert? 
Die DHyG hat sich in den Jahren wirklich grund 
legend verändert. Man kann den damaligen Zu 
stand kaum mit dem heutigen vergleichen. Heute 
machen ganz andere Dinge den Verein aus. Zwar 
haben wir mit den Hydrographentagen nach wie 
vor unsere Plattform, die es ermöglicht, sich über 
die einzelnen Bereiche hinweg miteinander aus 
zutauschen. Aber die Hydrographentage haben 
heutzutage ein ganz anderes Format, sie sind 
viel besser organisiert. Und mit den Hydrographi- 
sehen Nachrichten geben 
wir mittlerweile eine rich 
tig professionelle Fachzeit 
schrift heraus. Auch bei der 
Nachwuchsförderung sind 
wir einen ganzen Schritt 
weiter, wenngleich wir bei 
der Nachwuchsgewinnung 
noch Potenzial haben. 
2006 fand im Vorstand ein 
echter Generatlonenwech- 
sel statt. Mein Eindruck ist, 
dass die Zusammenarbeit 
Im Vorstand seither viel 
freundschaftlicher und ko 
operativer ist. Als Ich noch 
Im Beirat war, ging es im Vorstand schon mal sehr 
kontrovers zu. 
Zu Beginn unserer Amtszeit mussten Holger 
Klindt und ich vieles aufarbeiten. Wir mussten zu 
nächst die Satzung anpassen, well uns das Amts 
gericht mehrfach ermahnt hatte, doch bitte sat 
zungskonform zu handeln. Heute läuft das alles in 
geregelteren Bahnen. 
»Die Meere werden in 
den nächsten Jahre an 
Bedeutung gewinnen. So 
werden automatisch alle 
Gewässerthemen sichtbarer 
werden. Deutschland 
wird nicht mehr >mit dem 
Rücken zum Meer< stehen. 
Stattdessen werden wir uns 
dem Meer weiterzuwenden.« 
Thomas Dehling 
Welche Akzente wollen Sie denn fortan setzen? 
Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit? 
Wir bauen heute auf einem guten Fundament auf. 
Wichtig ist, noch mehr für den Nachwuchs zu tun. 
Außerdem müssen wir erklären, welche Bedeu 
tung die Hydrographie als Basiswissenschaft für 
viele andere Zwecke hat. Nicht nur der Öffentlich 
keit müssen wir zeigen, was wir machen und war 
um wir es machen. Auch der Fachwelt, allen Insti 
tutionen, die mit Gewässern zu tun haben, müssen 
wir aufzeigen, welchen Nutzen die Hydrographie 
bringt. 
Denken Sie daran, mit anderen zusammenzuarbei 
ten - so wie wir es mit der IFHS versuchen? 
Ja, meine Idee ist schon, dass wir noch weitere 
Gremien, Vereine, Institute, Firmen, Behörden ge 
winnen, mit denen wir kooperieren können. Nicht 
nur die, mit denen wir klassischerweise Zusam 
menarbeiten, wie die Vereine, die die Bremer Erklä 
rung unterzeichnet haben. Auch darüber hinaus 
muss noch etwas möglich sein. 
Die weltumspannende Zusammenarbeit mit 
der IFHS Ist vom Prinzip her eine gute Sache, sie 
gestaltet sich allerdings viel schwieriger als ge 
dacht. Ich sehe zu wenig Output für das, was wir 
an Engagement, aber auch finanziell reinstecken. 
Die IFHS ist auch nicht wirklich ein Weltverband, 
weil die panamerikanische Gesellschaft völlig un 
abhängig agiert. Daher muss man fragen, wie man 
In Zukunft vernünftig kooperieren kann. Das muss 
aus meiner Sicht nicht zwingend ein offizieller Ver 
ein sein, das kann auch eine lose Verbindung sein. 
Wichtig ist, dass man eine gemeinsame Sprache 
nach außen findet, sich zu wichtigen strategischen 
Themen gemeinsam äußert. Auf jeden Fall müs 
sen wir von der IHO und von der Industrie besser 
wahrgenommen werden. 
Wichtig ist mir, dass es weiterhin Veranstaltun 
gen wie die HYDRO 2016 in Rostock gibt, bei de 
nen die Fachwelt zusammenkommt. Aber solche 
Veranstaltungen müssen nicht zwingend unter 
einem Vereinsdach organisiert sein. 
Die letzten beiden Ersten Vorsitzenden waren bei 
de ziemlich genau zehn Jahre im Amt. Nehmen 
wir mal an, auch Sie wären so lange im Amt, was 
wird sich nach zehn Jahren alles geändert haben?
	        
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