Wissenschaftsgespräch
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Hydrographische Nachrichten
Hydrographie ist so aufwendig, sie darf
nicht nur für einen Zweck da sein«
Ein Wissenschaftsgespräch mit THOMAS DEHLING*
Als Leiter des Referats Seevermessung und Geodäsie am Bundesamt für Seeschifffahrt
und Hydrographie (BSH) hat Thomas Dehling einen Job, bei dem er viel unterwegs ist.
Sein Engagement im Capacity Building führt ihn in entlegene Gegenden. Was das Rei
sen mit ihm macht, ver-
DHyG | DHyG-Anerkannter Hydrograph | DHyG Student Excellence Award | BSH | Capacity Building | IHO
IFHS | Wiederholungsmessungen | Seevermessungstechniker | Qualltätsmanagement
rät er im HN-Interview.
Außerdem erläutert er,
weshalb Seekarten echt
preiswert sind. Und na
türlich steht er auch in
seiner neuen Funktion
als Erster Vorsitzender
der DHyG Rede und
Antwort.
Das Interview mit Thomas
Dehling führte Lars Schiller
am 18. Mai auf der Fahrt von
Rostock nach Hamburg.
Seit wann sind Sie Mitglied In der DHyG?
Im Jahr 2000 bin ich dem Verein beigetreten.
Und schon bald waren Sie im Beirat aktiv.
Stimmt, 2004 bin Ich In den Beirat gewählt wor
den. Und obwohl ich neu hinzugekommen bin,
hat man mich gleich zum Vorsitzenden bestimmt.
Ich war allerdings nur eine Wahlperiode lang im
Beirat, denn bereits 2006 bin Ich In den Vorstand
gekommen. Davor habe Ich eine Zeit lang im Ar
beitskreis »Standardisierung« mitgearbeitet.
Was hat sich in der DHyG seit Ihrem Beitritt geän
dert?
Die DHyG hat sich in den Jahren wirklich grund
legend verändert. Man kann den damaligen Zu
stand kaum mit dem heutigen vergleichen. Heute
machen ganz andere Dinge den Verein aus. Zwar
haben wir mit den Hydrographentagen nach wie
vor unsere Plattform, die es ermöglicht, sich über
die einzelnen Bereiche hinweg miteinander aus
zutauschen. Aber die Hydrographentage haben
heutzutage ein ganz anderes Format, sie sind
viel besser organisiert. Und mit den Hydrographi-
sehen Nachrichten geben
wir mittlerweile eine rich
tig professionelle Fachzeit
schrift heraus. Auch bei der
Nachwuchsförderung sind
wir einen ganzen Schritt
weiter, wenngleich wir bei
der Nachwuchsgewinnung
noch Potenzial haben.
2006 fand im Vorstand ein
echter Generatlonenwech-
sel statt. Mein Eindruck ist,
dass die Zusammenarbeit
Im Vorstand seither viel
freundschaftlicher und ko
operativer ist. Als Ich noch
Im Beirat war, ging es im Vorstand schon mal sehr
kontrovers zu.
Zu Beginn unserer Amtszeit mussten Holger
Klindt und ich vieles aufarbeiten. Wir mussten zu
nächst die Satzung anpassen, well uns das Amts
gericht mehrfach ermahnt hatte, doch bitte sat
zungskonform zu handeln. Heute läuft das alles in
geregelteren Bahnen.
»Die Meere werden in
den nächsten Jahre an
Bedeutung gewinnen. So
werden automatisch alle
Gewässerthemen sichtbarer
werden. Deutschland
wird nicht mehr >mit dem
Rücken zum Meer< stehen.
Stattdessen werden wir uns
dem Meer weiterzuwenden.«
Thomas Dehling
Welche Akzente wollen Sie denn fortan setzen?
Wo sehen Sie die Schwerpunkte Ihrer Arbeit?
Wir bauen heute auf einem guten Fundament auf.
Wichtig ist, noch mehr für den Nachwuchs zu tun.
Außerdem müssen wir erklären, welche Bedeu
tung die Hydrographie als Basiswissenschaft für
viele andere Zwecke hat. Nicht nur der Öffentlich
keit müssen wir zeigen, was wir machen und war
um wir es machen. Auch der Fachwelt, allen Insti
tutionen, die mit Gewässern zu tun haben, müssen
wir aufzeigen, welchen Nutzen die Hydrographie
bringt.
Denken Sie daran, mit anderen zusammenzuarbei
ten - so wie wir es mit der IFHS versuchen?
Ja, meine Idee ist schon, dass wir noch weitere
Gremien, Vereine, Institute, Firmen, Behörden ge
winnen, mit denen wir kooperieren können. Nicht
nur die, mit denen wir klassischerweise Zusam
menarbeiten, wie die Vereine, die die Bremer Erklä
rung unterzeichnet haben. Auch darüber hinaus
muss noch etwas möglich sein.
Die weltumspannende Zusammenarbeit mit
der IFHS Ist vom Prinzip her eine gute Sache, sie
gestaltet sich allerdings viel schwieriger als ge
dacht. Ich sehe zu wenig Output für das, was wir
an Engagement, aber auch finanziell reinstecken.
Die IFHS ist auch nicht wirklich ein Weltverband,
weil die panamerikanische Gesellschaft völlig un
abhängig agiert. Daher muss man fragen, wie man
In Zukunft vernünftig kooperieren kann. Das muss
aus meiner Sicht nicht zwingend ein offizieller Ver
ein sein, das kann auch eine lose Verbindung sein.
Wichtig ist, dass man eine gemeinsame Sprache
nach außen findet, sich zu wichtigen strategischen
Themen gemeinsam äußert. Auf jeden Fall müs
sen wir von der IHO und von der Industrie besser
wahrgenommen werden.
Wichtig ist mir, dass es weiterhin Veranstaltun
gen wie die HYDRO 2016 in Rostock gibt, bei de
nen die Fachwelt zusammenkommt. Aber solche
Veranstaltungen müssen nicht zwingend unter
einem Vereinsdach organisiert sein.
Die letzten beiden Ersten Vorsitzenden waren bei
de ziemlich genau zehn Jahre im Amt. Nehmen
wir mal an, auch Sie wären so lange im Amt, was
wird sich nach zehn Jahren alles geändert haben?