34 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Februar 1926,
wannenförmigen Vertiefungen des Bodens, wie sie dureh die Moränen vorauf-
gegangener Vereisung oder durch junge Faltung gebildet werden. Schließlich
gelten als Zeugen der Trockengebiete Salz, Gips und Sandsteine. Auch sie
sind nicht allein klimatisch bedingt, sondern ihrer Entstehung nach, wenigstens
was Salz und Gips anbelangt, an die Existenz abgeschlossener Salzseen, wie sie
die Regressionsgebiete auszeichnen, gebunden, Ergänzt werden diese Klimazeugen
der anorganischen Natur noch durch solche aus Pflanzen- und Tierwelt,
Auf Grund dieser Klimazeugen haben Köppen und Wegener die Klima-
gürtel der verschiedenen geologischen Epochen von Karbon und Perm bis zum
Quartär entworfen. Im großen und ganzen läßt sich sagen, daß die Klimazeugen
auf der nach der Wegenerschen Verschiebung stheorie rekonstruljerten Erdober-
Mäche ohne unwahrscheinlichen Zwang eine zonale Anordnung, den Klimazonen
entsprechend, ergeben, aus der sich weiterhin die jeweilige Lage der Pole ab-
leiten läßt. Für Europa folgt aus der Bearbeitung dieser ganzen geologischen
Vorzeit, daß es in dem gewaltigen Zeitraum vom Karbon bis zum Miozän
erheblich wärmer gewesen ist als in der Gegenwart, daß speziell Mitteleuropa
vom Karbon bis zum Eozän tropisches Klima gehabt hat und erst in den folgenden
Epochen raschere Erkaltung eingesetzt hat, die zu Beginn des Quartärs unter
den klimatischen Charakter der Jetztzeit herabgegangen ist. Ebenso wie Europa
sind auch Nordamerika und Nordasien in der geologischen Vergangenheit bis
zum Miozän erheblich wärmer gewesen, während die südlichen Gebiete dieser
Kontinente und Afrika und Australien kälteres Klima als heute aufwiesen,‘ Als
konkretes Beispiel seien folgende Breitenänderungen von Leipzig angegeben:
Im Karbon Äquatorlage, von Perm bis zum Eozän Schwankungen zwischen 13
und 20° N-Br. Im Miozän beginnt die stärkere Änderung der Breitenlage in
Richtung gegen den Pol. Wir finden Leipzig im Miozän unter 39° N-Br. und
zu Beginn des Quartärs in 53° N-Br., also 2° nördlicher, als seiner heutigen
Lage entspricht. Für Europa bedeutet diese nördlichere Lage eine gewaltige
klimatische Umwälzung von tropischen und subtropischen Verhältnissen während
einer ungeheuer langen Zeitspanne zu einem neuen Eiszeitalter, dem zweiten
seit der algonkisch-kambrischen Periode. Das Klima des quartären Eiszeitalters
ist von Köppen mit besonderer Ausführlichkeit behandelt worden, was um 50
leichter möglich war, als unsere Kenntnisse von dieser Epoche gegenüber der
Vorzeit die weitreichendsten sind. Der Nordpol lag zu Beginn des Eiszeitalters
etwa über der nördlichen Hudsonbai, Für die Mindel-Eiszeit, der zweiten von
der nach Penck und Brückner zu unterscheidenden viergliedrigen Teilung des
Eiszeitalters, gibt Köppen eine detailliertere Klimakarte. Nach ihr ist die Trennung
von Nordamerika und Grönland von Europa noch nicht lange erfolgt. Der nörd:
lichste Teil des Atlantischen Ozeans ist noch stark eingeengt zwischen Neufund:
land und Großbritannien und weiterhin zwischen Grönland und Skandinavien,
Norddeutschland hat etwa eine Breite von 58°. Haben Köppen- Wegener mit
Recht bei den Klimakarten der. früheren Zeitalter vermieden, außer den geo-
logischen Klimazeugen weitere klimatische Einzelheiten, wie etwa die mutmaßliche
Temperatur und Windverteilung, einzuzeichnen, um nicht den Eindruck einer
unangebrachten Genauigkeit zu erwecken, so konnte Köppen dank der größeren
Erforschung des Eiszeitalters diesen Schritt jetzt versuchen und die Klimakarte
von Europa in der Mindel-Eiszeit durch Isobaren, Angabe der Lage der. maß-
gebenden Aktionszentra und des dazugehörigen Windsystems ergänzen. Wir
finden im dieser Darstellung außer dem polaren Hochdruckkern über Grönland
und dem Nordrand von Nordamerika noch ein selbständiges Hoch über Skan-
dinavien, Die atlantischen Depressionen erreichen Europa in Spanien und nehmen
von hier ihren Weg über das Mittelmeer, also erheblich südlicher als heute. Sie
bedingen durch diese Zugstraße die mit der nördlichen Eiszeit korrespondierende
Pluvialzeit des Mittelmeergebietes. Das europäische Festland hat auf Grund
dieser Druckverteilung östliche Winde, wie sie auch durch die Lößablagerungen
bestätigt werden. Köppen erwähnt in diesem Zusammenhang eine von F, En-
quist vertretene Anschauung über Schneeablagerung und Windrichtung, Enquist
vertritt den Standpunkt, daß die Luvseite der Berge zwar mehr Niederschlag