Teil C - Anhang zur Untersuchung der Schutzgüter
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Gipfel erkannten Rufe werden automatisch als Audio-Dateien abgespeichert, durch Wind und
Wellenschlag erzeugte Störgeräusche hingegen weitgehend ignoriert. Das System reduziert
durch seine Filterwirkung im Vergleich zu einer allein durch den Pegel getriggerten Aufnahme
technik (vgl. Frommolt et al. 2012) das auszuwertende Datenvolumen auf ein erträgliches Maß
(Hill & Flüppop 2008). Es handelt sich jedoch nicht um ein System zur automatischen Ruf
erkennung. Tests mit unter-schiedlichen Algorithmen erbrachten letztlich für das zu erwar
tende breite Artenspektrum - auf FIN01 wurden beispielsweise in etwa 10 Jahren 112 Arten
rein akustisch registriert - insgesamt keine zufriedenstellenden Ergebnisse. Software zur
automatischen Erkennung der Arten darf daher nicht verwendet werden.
Die gespeicherten Dateien sollen später von qualifizierten Mitarbeitern zur Bestimmung mög
lichst bis auf Artniveau abgehört werden. Dafür ist ein geschlossener Kopfhörer zu verwenden
und die Spektren der Audiodateien sollten für eine leichtere Analyse zeitgleich mittels geeig
neter Software (beispielsweise RAVEN http://www.birds.cornell.edu/brp/raven/ravenoverview.
html) ausreichend groß dargestellt werden. In Zeiten mit starker Vogelrufaktivität können oft
mehrere Dateien pro Minute entstehen. Einzelne Vögel bzw. Vogeltrupps werden auf mehreren
Dateien in Folge gespeichert, wenn die Pausen zwischen den detektierten Rufen länger als
1,5 s ist oder die maximale Dateigröße von 5 s erreicht wird (beides ist in AROMA voreinge
stellt und sollte nicht verändert werden). Jede rufpositive Datei wird zusammen mit dem Zeit
punkt der Aufnahme und der detektierten Art als Datensatz protokolliert. Sind mehr als eine
Art pro Datei bestimmbar, werden entsprechend mehrere Datensätze erzeugt. Rufe (oder auch
Gesänge) offensichtlich am Aufnahmeort rastender Individuen oder Vogelgruppen, erkennbar
an zeitlicher Häufung von offensichtlich immer in gleicher Entfernung rufenden Tieren, werden
der Datei entsprechend gekennzeichnet. Dennoch sollten die Datensätze mit der Bemerkung
„Rast“ versehen und aufgezeichnet werden. Auf eine Quantifizierung wird bewusst verzichtet,
da je nach Wetter, Vogelart und vielen weiteren Faktoren eine unterschiedliche Reichweite des
Systems grundsätzlich anzunehmen ist. Generelle Zugintensitäten werden nachts per Radar
ermittelt, allein die Ruferfassung liefert ergänzend dazu bei allen Einschränkungen ein Bild der
beteiligten Arten. Die Analyse der Daten in der relativen Einheit „rufpositive Dateien/h“ liefert
auch ohne direkten quantitativen Bezug ausreichende Informationen, um bestimmte Rufkon
zentrationen zu erkennen. Die Darstellung der Ergebnisse hat artbezogen je Zugnacht und
Stunde unter Kennzeichnung der Nachtdauer zu erfolgen.
Zur weiteren Diskussion der Methode und der mit ihr gewonnenen Daten sowie Auswertungs
möglichkeiten siehe Hüppop et al. (2012). Dort wurden die Rufe von nur wenigen Experten
bearbeitet und quantitativ in geschätzten lnd./h ausgedrückt. Da die Zahl der künftigen Bear
beiter und deren qualitative Vergleichbarkeit nicht bekannt ist, möchten wir hier auf die große
Erfahrung voraussetzende Schätzung der Individuenzahl/h zugunsten der einfacheren Einheit
„rufpositive Dateien/h“ verzichten. Zur Qualitätssicherung soll eine zufällige Stichprobe von
5 % der rufpositiven Dateien von einem zweiten Bearbeiter ausgewertet werden. Im Falle
deutlicher Abweichungen sollten die Bearbeiter entsprechend geschult oder ausgetauscht
werden.
Weitere Informationen zur Methodik und Nutzungsmöglichkeiten der Software AROMA unter:
Institut für Vogelforschung „Vogelwarte Helgoland”
Dr. Ommo Hüppop
An der Vogelwarte 21
26386 Wilhelmshaven
E-Mail: ommo.hueppop@ifv-vogelwarte.de