Gödecke, K.: Trägheitskoeffizienten von Bimetallen in Abhängigkeit von d, Ventilation usw. 331
werden kann, Wenn das Bimetall auf —40° bis — 50° abgekühlt wird, so wird
die Temperaturstufe (Anfangstemperatur des Bimetalls — Kanalwindtemperatur)
erheblich erhöht, Bei großen Temperaturstufen von 50° treten andere Träg-
heitskoeffizienten auf als bei Differenzen von 15° bis 20° Wie Tabelle 4 zeigt,
argibt sich eine deutliche Abhängigkeit von der Temperaturstufe.
Es handelt sich um ein 0.5 mm gestrecktes Tabelle 4
Bimetall, das bei kleinen Temperatur- A lb
stufen einen «-Wert von 19 sec hat. Für 1 ds | Us | do | Cap 25 | Asg | 035
den vorliegenden Versuch wurde das Bi- ‘ 14 | 15 | 15.5| 16.4! 20 : 23 | 25 see
metall, um es möglichst „trocken“ zu halten,
in zerkleinertem Trockeneis auf —50° bis —60° abgekühlt. Dann wurde die Er-
wärmungskurve aufgenommen. . Zur Zeit 0 war die Anfangstemperatur — 45°, die
Temperatur des Kanalwinds +13°. In Tabelle 4 sind nun für die verschiedenen
Zeiten, die als Index an & geschrieben sind, die Trägheitskoeffizienten zusammen.
gestellt. Bis zu 0 liegen die Werte unter dem Normalwert von 19 sec,
darüber werden sie größer. Anfangs erklären sich die kleinen «-Werte von
14 bis 16.5 sec aus den großen Temperaturstufen. Nach 25 sec Erwärmung ist die
0°.Grenze erreicht. Die größeren Werte bis zu &;; == 25 sec finden ihre Erklärung
darin, daß das bei tiefen Temperaturen scheinbar trockene Bimetall doch mit einer
unsichtbaren Eisschicht überdeckt war, die sich bei der 0°-Grenze auflöste und als
Wasser auf dem Bimetall haftete. Nasse Bimetallthermometer sind also bis
zu 80 bis 40% träger als trockene, und zwar bei kleinen Temperatur-
stufen, denn die Temperaturdifferenz betrug nur 5° bis 7% Es ist also zu
schließen, daß die «x-Werte zu Beginn der Messung wahrscheinlich ohne dünne
Eisschicht noch kleiner sein würden. Ferner ist in den kleinen x-Werten der
schon oben genannte Effekt der Schräganströmung mit enthalten,
Außerdem wurden noch 0.4 mm runde Bimetalle untersucht, die nach Über-
schreiten der 0°-Grenze nach positiven Temperaturen hin dieselbe Vergrößerung
des Trägheitskoeffizienten zeigten. Die Berücksichtigung des größeren Träg-
heitskoeffizienten von nassen Thermometern wird erforderlich in Wolken und in
den darüberliegenden Schichten, bis das Wasser verdampft ist.
Bezüglich des Trägheitskoeffizienten in Abhängigkeit von der Temperatur
ist nach den letzten Versuchen aus oben angegebenen Gründen nichts auszusagen.
Aus den Ergebnissen aerologischer Auswertungen, in denen die Träg-
heit so berücksichtigt ist, als ob bei tiefen Temperaturen dieselben Trägheits-
koeffizienten auftreten wie bei hohen Temperaturen, kann man jedoch
schließen, daß eine Abhängigkeit von der Temperatur in der Größe,
wie sie W, Grundmann!) für Flüssigkeitsthermometer fand, nicht vor-
handen ist, da An- und Abstieg besonders in der oberen Troposphäre gut zu-
sammenfallen,
Der Sinn dieser Zeilen war, darauf aufmerksam zu machen, in
wie mannigfacher Weise der Trägheitskoeffizient veränderlich ist.
Dadurch, daß an den verschiedenen Aufstiegsstellen verschiedene
Bimetalle mit verschiedener Trägheit Verwendung finden, wird die
Einheitlichkeit des aerologischen Materials erheblich gestört. Jede
Änderung von @ um 1 sec verursacht in der unteren Troposphäre etwa 0.03°
Fehler, in der oberen Troposphäre dagegegen 0.06°, Diese Temperaturfehler
von 0.5° bis 1° bis 500 mb bewirken insgesamt Höhenfehler von ungefähr 5 bis
10 gdm, sie sind also noch verhältnismäßig klein. Bei Ballonaufstiegen können
unterhalb der Tropopause je nach dem Bimetall leicht Trägheitsfehler bis zu 3°
antstehen, wie an Hand der vom Verfasser!) beschriebenen Methode nachgerechnet
werden kann. Temperaturfehler von 3° verursachen aber in der oberen Tropo-
sphäre Höhenfehler von etwa 100 gdm. Erst wenn an allen aerologischen
Temperaturmessungen die Trägheit berücksichtigt wird, sind die
Temperaturwerte untereinander zu vergleichen.
E. Kleinschmidt, Hdb. Met. Instr, S. 8.