Teil D - Mindestanforderungen an die Erkundung von Trassen
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Teil D - Mindestanforderungen an die Erkundung von Trassen für die
parkinterne Verkabelung und stromabführende Kabel
Die geophysikalische und geotechnische Erkundung von Kabeltrassen hat zum Ziel, hin
reichende Informationen über die Eigenschaften und den Aufbau des Meeresbodens zu erlan
gen, um das Kabel in der erforderlichen Weise installieren zu können. Die Ergebnisse der Er
kundungen dienen dabei einerseits zur Optimierung einer geplanten Kabeltrasse unter
Berücksichtigung bei der Planung nicht bekannter Gegebenheiten, andererseits zur Fest
legung einer geeigneten Installationsmethode. Daher müssen die Ergebnisse insbesondere
die Bestimmung der Spülbarkeit des Meeresbodens und die Berechnung der zu erwartenden
Einbautiefe für die vorgesehene Installationsmethode (sog. „Burial Assessment“) in jedem
Bereich der Kabeltrasse ermöglichen.
Die Vermessung der Kabeltrasse muss den gesamten Kabelkorridor abdecken. Dies gilt
sowohl hinsichtlich der horizontalen Abdeckung als auch hinsichtlich der Vermessung in ver
tikalen Profilen. In der Regel ist es zweckmäßig, die Vermessung in zwei voneinander un
abhängige Erkundungsphasen zu gliedern, die jedoch in einer Messfahrt organisiert sein
können.
Die erste Phase beinhaltet die geophysikalischen Messungen, um einen linienhaften Ein- und
Überblick über das Messgebiet zu erhalten. Während dieses ersten Messabschnitts sollen die
bathymetrische Messung mit einem Fächerecholot (Multi-Beam Echosounder, MBES), die Er
fassung der Meeresbodenoberfläche mit SSS sowie flachseismische Messungen (z. B. Boo-
mer, Chirp Sonar, Pinger, parametrisches Lot) zur Bestimmung der geologischen Einheiten im
Profil durchgeführt werden. Es wird dringend empfohlen, die SSS-Vermessung mit einer
Metalldetektionsmessung zu kombinieren. Die detaillierten Anforderungen an das jeweilige
Messprinzip sind der Tabelle 10 zu entnehmen.
Der Umfang der Sedimentbeprobung bzw. der geotechnischen Untersuchungen ist auf Grund
lage der ausgewerteten und interpretierten geophysikalischen Messergebnisse festzulegen.
Bei bisher durchgeführten Kabeltrassenvermessungen in der AWZ der Nordsee lagen die
mittleren Beprobungs- bzw. Sondierungsintervalle typischerweise bei bis zu 4 km in geolo
gisch homogenen Kabeltrassenabschnitten, in geologisch komplex aufgebauten Kabeltras
senabschnitten dagegen bei 0,5 km. Zur Klärung komplizierter geologischer Verhältnisse kann
es erforderlich sein, dieses Intervall zu unterschreiten.
Nach Auswertung und Interpretation der geophysikalischen Messergebnisse sind auf der
Basis der gewonnenen Erkenntnisse gezielt solche Lokationen für die geotechnische und
geologische Beprobung auszuwählen, die ein umfassendes Verständnis der geologischen Be
dingungen entlang der Kabeltrasse hinsichtlich der Kabelinstallation ermöglichen. Dies um
fasst die Beprobung aller relevanten geophysikalischen Einheiten, die auf Grundlage der Un
tersuchungsergebnisse mit SSS bzw. flachseismischen Messungen identifiziert und auskar
tiert wurden. Lokationen, die der Absicherung der geologischen Interpretation aus den
geophysikalischen Messungen dienen, sind ebenfalls zu beproben. Zeigen die geophysika
lischen Messergebnisse auffällige und/oder besondere seismische Reflektoren, so wird drin
gend empfohlen, diese mit geotechnischen Methoden zu untersuchen. Dies gilt insbesondere,
wenn z. B. Torf, Tonlinsen, Geschiebemergel u. ä. zu erwarten sind. Zur Beprobung bzw. geo
technischen Untersuchung der Sedimente können z. B. Vibrokerngeräte, Kolben- und Schwe
relote, Greifer sowie Drucksondierungen (CPT) zum Einsatz kommen. Nähere Details zu den
Mindestanforderungen sind Tabelle 10 zu entnehmen.