Jahresbericht
Nr. 6/1951
Die Untersuchungen über den Zusammenhang zwischen Wind, Trift
strom und Windstau wurden fortgeführt. Am Beispiel des äquatorialen Teils
des Atlantischen Ozeans wurde der Einfluß der Schubkraft des Windes, der
Breitenabhängigkeit der Corioliskraft und der Reibung auf den Volumen
transport untersucht. Es zeigt sich, daß ein starker Reibungseinfluß die durch
diese Breitenabhängigkeit bedingte Erhöhung der Stromgeschwindigkeif im
westlichen Teil des Ozeans nahezu kompensieren kann. Außerdem wurde
der Einfluß der Vertikalbewegung auf die horizontalen Stromungsvorgänge
im Meere behandelt. Die Arbeiten sind so weit fortgeschritten, daß nun
mehr für verschiedene Wetterlagen die Wirkung des Windes auf die Mee
resoberfläche und den Triftstrom bei vorgegebenem Windfeld ermittelt wer
den kann. Als erstes Beispiel wurde die herbstliche Schönwetterlage in ihrer
Wirkung auf Strömung und Meeresoberflächengestalt in der Ostsee unter
sucht. Aus den Strombeobachtungen, die im Frühjahr in der Deutschen
Bucht angestellt worden sind, wurden die Triftströme ermittelt. Die bis
herige Bearbeitung läßt wichtige Beziehungen zu den entsprechenden Modell
versuchen und den theoretischen Untersuchungen erkennen.
Im Franzius-Institut der Technischen Hochschule Hannover wurden die
Modellversuche über die Ausbreitung im geschichteten Wasser fortgeführt
und lieferten quantitative Ergebnisse über die Ausbreitungsgeschwindigkeit
des Wassers in Abhängigkeit von der Dichte.
Für das Mittelmeer-Seehandbuch wurden hydrographische Beiträge ge
liefert.
Im Dezernat „Regionale Ozeanographie“ wurde der mittlere
Zusammenhang zwischen Wind und Strömung im Kattegat, im Sund und in
der Beltsee in Strömungskarten für ausgewählte Windlagen zusammengestellt.
Anßerdem wurden für die nördliche, mittlere und südliche Nordsee aus
der Luftdruckverteilung die Monatsmittel des Windes der letzten 50 Jahre
bestimmt. Die aus diesen Ergebnissen herzuleitenden Angaben über die Was
serbewegungen versprachen für die Fischerei von großen Nutzen zu werden.
Untersuchungen über die Zusammenhänge zwischen den langjährigne Ände
rungen des Windes, des Wasserstandes und des hydrographischen Aufbaues
wurden ausgefühit und sollen es ermöglichen, die ozeanographisch-meteoro-
logisehen Einflüsse zu eliminieren, um die Wirkungen geologischer Natur
herauszupräparieren.
Im vergangenen Jahr wurde der Atlas mit den Monatskarten der Ober
flächentemperatur für Nord- und Ostsee und die angrenzenden Gewässer
veröffentlicht.
3. Eisdienst
Die technische Einrichtung, die Voraussetzung für eine einwandfreie
Durchführung des Eisdienstes ist, konnte weiterhin verbessert werden. Ah
der Vervollständigung der wissenschaftlichen Grundlagen für die Eisvor
hersage wurde weitergearbeitet. Verbesserungen in der Übermittlung der
Eismeldungen aus den skandinavisch-finnischen Küstengebieten wurden er
zielt. Die schwedisch-finnischen. Eismeldungen gelangten zum ersten Male
nach dem Kriegsende über das meteorologische Fernschreibnetz zum Eis
dienst. Durch das Entgegenkommen des Meteorologischen Amtes für Nord
westdeutschland konnten auch die deutschen Eismeldungen durch Fern
schreiben an Stockholm durchgegeben werden. Außerdem war es infolge
einer Verbesserung der eigenen Funkempfangsanlage möglich, die finnischen
Funkeisberichte lückenlos aufzunehmen. Hemmend für die Durchführung