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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Januar 1913,
war außerordentlich interessant. Anfangs, nachdem wir aus der Lagune von
Banana hinausgesteuert waren, war der Fluß noch sehr breit, und da wir in der
Mitte des Fahrwassers blieben, sah man von den Ufern nur wenig. Nach etwa
fünfstündiger Fahrt wurde die Fahrrinne immer enger und zeitweise fuhren
wir so dicht unter dem einen Ufer lang, daß man die Käfer über den Sand
kriechen sehen konnte, Je mehr wir flußaufwärts kamen, um so eintöniger
wurde die Szenerie um uns her. Weite Steppen breiteten sich in unabsehbare
Ferne um uns her und darüber spannte sich der einförmige graue Himmel der
beginnenden Regenzeit, Bald nach vier Uhr nachmittags sahen wir am Fuß
einer leichten Hügelkette Boma schon vor uns liegen, aber es dauerte bei dem
starken Strom fast noch zwei Stunden, ehe wir vor der Stadt ankern konnten,
Der Kommandant fand noch am selben Abend in dem gut eingerichteten Re-
gierungshospital liebenswürdigste Aufnahme und bei der besseren Unterbringung
hesserte sich sein Zustand von Tag zu Tag. Gleichwohl mußte er davon Ab-
stand nehmen, nach Ablauf des im Reiseplan vorgesehenen 10tägigen Aufenthalts
in Boma schon wieder an Bord zu kommen und das Schiff mußte zu dem letzten
Abschnitt der Ausreise ohne ihn in See gehen.
Was wir gelegentlich unseres Aufenthalts in Boma von dem belgischen
Kongogebiet gesehen haben, macht einen wohlhabenden, vorwärtskommenden
Eindruck. Während zu Lebzeiten des Königs Leopold die Ausgaben für die
Kolonie außerordentlich eng begrenzt gewesen sein sollen, werden jetzt große
Mittel zum inneren Ausbau des Gebietes verwendet und überall zur rationellen
Ausbeutung der Kolonie Verkehrsmittel jeglicher Art gefördert.
Das Land ist namentlich im Südosten bei Katanga reich an Kupferminen,
deren Ausbau wegen der geringen Tiefe unter dem Boden (wenig mehr als ein
Fuß) leicht und verhältnismäßig schon sehr ergiebig ist. Die Elfenbeinausfuhr
ist gegen früher, wo jeder Dampfer mit 50 bis 60 t Elfenbein ausging, etwas
zurückgegangen. Der Grund ist in der jetzt mehr gesetzlich geforderten
Sehonzeit der Elefanten zu suchen, Desgleichen war die Ausfuhr von Gummi
wegen des lange Zeit hindurch betriebenen Raubbaus an einzelnen Plätzen zur
Zeit vollkommen aufgehalten. Eine gewisse Gefahr für das ganze Kongogebiet
besteht in dem immer weiteren Umsichgreifen der Schlafkrankheit unter den
Eingeborenen, Die belgische Regierung ist auf jede Weise bestrebt, der Aus-
breitung dieser gefährlichen Krankheit durch prophylaktische Bestimmungen
und durch reichliche Besetzung des in Frage kommenden Gebiets mit Arzten
vorzubeugen. Abgesehen von Malaria sind sonst die gesundheitlichen Verhältnisse
am Kongo nicht schlecht.
Auf einem kleinen Schiff wie die »Möwe« ist die feuchte Hitze besonders
schwer zu ertragen und wir waren darum wirklich froh, als wir am 20, Sep-
tember den Kongo wieder abwärtsdampfen und zu der letzten wissenschaftlichen
Forschungsarbeit in See gehen konnten.
Die wissenschaftlichen Aufgaben des Schiffes für den letzten Reiseabschnitt
Banana—Swakopmund waren dreifacher Art. Einmal waren durch den nörd-
lichen und südlichen Teil des Benguelastroms senkrecht zur Küste wieder je ein
Schnitt mit eingehenden ozeanographischen Reihenbeobachtungen zu legen,
zweitens waren Lotungen zur Festlegung des Anschlusses des Walfisch-Rückens
an das afrikanische Festland vorzunehmen, und schließlich sollte in etwa 21° S-Br.
ein Vorstoß zu meteorologischen Höhenforschungen in dem ausgeprägten Passat
unternommen werden. Die Durchführung der letzten Aufgabe scheiterte an den
außerordentlich ungünstigen Wetter- und Seeverhältnissen, die in dem fraglichen
Gebiet angetroffen wurden,
Der südliche Teil des Walfisch-Rückens war schon durch frühere Expeditionen
vor allem auch von der »Valdivia« 1898 und der deutschen Südpolarexpedition
1901/03 angelotet worden, und S. M.S. »Planet« hatte dann auf seiner Fahrt eine
große Anzahl von Lotungen zur Feststellung des Verlaufs des Rückens vor-
genommen. Von etwa 35° S-Br. und 10° W-Lg. streicht der Rücken mit Tiefen
von 3000 bis 4000 m von der südatlantischen Schwelle ausgehend zunächst östlich
bis 2° O-Lg., ändert dann die Richtung in NNO bis auf 20° S-Br. Die dureh-