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Das zweiundsechzigste Jahr der Deutschen Seewarte, 1936.
Über die Beteiligung der Gruppe an den 1936 von der Kriegsmarine heraus
gegebenen Seehandbüchern s. S. 16. Ferner sind Abschnitte über „Klima
und Wetter“ folgender bis zum Schluß des Berichtsjahres noch nicht er
schienener Handbücher bearbeitet worden; „Westküste Amerikas, I. Teil“,
„Westküste Frankreichs“ und „Rotes Meer und Golf von Aden“ (Dr. Becker).
Gruppe W/S.
Flug- und Höhenwetterdienst für See und Uehersee.
a) Allgemeines.
Die Verdichtung des deutschen Luftverkehrs nach Südamerika und die
erstmaligen Flüge der Deutschen Lufthansa wie die Luftschiffreisen der Deut
schen Zeppelin-Reederei nach Nordamerika ergaben eine erhebliche Vermehrung
der Beratungen gegenüber 1935. Es wurden 1936 2077 Ozeanflugwetterberichte
gegen 1366 im Jahr 1935 herausgegeben.
Die Zunahme beträgt also 711 Wetterberichte = 52 %. Weitere Einzel
heiten vergleiche unter c).
Unterricht undLehrtätigkeit. Wie alljährlich beteiligte sich die
Gruppe an dem Unterrichtskursus für Lehrer der Seefahrtschule. Ebenso
wurden zahlreiche Offiziere auf den Höhenwindmeßschiffen in der Durch
führung der Höhenwindmessungen, außerdem im Zeichnen der Bordwetter
karten unterwiesen. Zu diesem Zweck wurden 63 Bordbesuche ausgeführt.
Teilnahme an Luftschiffreisen und Flügen. Mehrere An
gehörige der Gruppe hatten Gelegenheit, an Luftschiffreisen und Ozeanflügen
teilzunehmen. Hierfür wird der Zeppelin-Reederei und der Deutschen Luft
hansa der wärmste Dank ausgesprochen.
b) Maritime Aerologie.
Die Handelsschiffe, von denen aus Höhenwindmessungen vorgenommen
werden, konnten von 6 auf 7 vermehrt werden, und zwar um den D. „New
York“ der Hamburg-Amerika Linie, der in der Nordatlantikfahrt eingesetzt ist.
2 weitere Schiffe derselben Reederei sollen folgen. Außerdem wurde auf dem
D. „Jan Wellern“ der „Ersten Deutschen Walfanggesellschaft“ eine Windmeß
stelle eingerichtet, die seit Ende September arbeitet. Im ganzen wurden im
Berichtsjahr 710 Höhenwindmessungen von diesen Schiffen vorgenommen und
davon 470 = 66 % durch Funkspruch der Deutschen Seewarte übermittelt. Ein
Teil von ihnen wurde auch unmittelbar an die jeweils in Fahrt befindlichen
Luftschiffe abgegeben.
Zu den Messungen der Handelsschiffe kamen noch 694 von den Flugzeug
hilfsschiffen, so daß sich die Gesamtzahl der Schiffsmessungen auf 1404 beläuft.
Davon überschritten oder erreichten 20 eine Höhe von 20 000 m. Als Höchst
wert war eine Höhe von über 23 km zu verzeichnen. Den beteiligten Reedereien
und Schiffsofflzieren spricht die Seewarte ihren wärmsten Dank aus.
Die wissenschaftliche Bearbeitung der eingegangenen Meldungen wurde
dauernd auf dem laufenden gehalten.
c) Langstrecken- und Ozean-Flugwetterdienst.
1. Ozeanflugwetterdienst Hamburg.
In der Zeit vom 31. März bis zum 7. Dezember wurden die Luftschiffe „Graf
Zeppelin“ und „Hindenburg“ auf 20 Südamerikafahrten, in der Zeit vom 6. Mai
bis 12. Oktober auf 10 Nordamerikafahrten mit Wetterübersichten und Vorher
sagen versorgt.