Spiess: Die Deutsche Atlantische Expedition auf d. Vermessungs- u. Forschungsschiff „Meteor“. 79
der Bewegungen des Schiffes im Seegang mit dem elektrisch getriebenen Petravic-
kreisel Aufschlüsse geben sollen über die bisher im. wesentlichen geschätzte
Höhe und Länge der Meereswellen. Diese Sonderuntersuchungen werden an Bord
von Dr. Schumacher von der Deutschen Seewarte ausgeführt, der in dieser
Zeitschrift gesondert über sein Arbeitsgebiet berichten wird®).
B. Die blologischen Untersuchungen.
1. Aufgabenstellung,
Das Hauptproblem der ozeanographischen Untersuchungen, die Zirkulation,
ist auch von fundamentaler Bedeutung für die biologische Forschung. Zunächst
hängt von der Zirkulation die Verteilung des Sauerstoffes ab, der für das Leben
der Organismen notwendig ist und durch die Vertikalbewegung der Wasser-
massen auch in die großen Tiefen dringt und sie so zum Lebensraum macht.
Dann aber bedingt auch die Zirkulation die Verteilung der für die Organismen
wichtigen Nährstoffe und ihre stärkere oder geringere Vermehrung und wirkt
als verfrachtende Kraft nicht nur der Nährstoffe, sondern auch der kleinsten,
willenlos treibenden Organismen, des Planktons selbst, das wiederum den größeren
Tieren als Nahrung dient. Durch die Zirkulation werden also die wichtigen
Fragen der Gruppierung der Völker kleinster Lebewesen, ihrer geographischen
Verteilung und des von ihnen abhängigen Fischreichtums mit geklärt. Es
handelt sich somit für den Biologen der Expedition darum, nach denselben Ge-
sichtspunkten, nach denen die Ozeanographen das Zirkulationsproblem dureh die
chemisch-physikalischen Untersuchungen des Meerwassers erforschen, das Expe-
ditionsgebiet qualitativ und besonders quantitativ auf seinen Organismen-
gehalt zu untersuchen. Damit war die biologische Aufgabe der Expedition auf
reine Planktonuntersuchung beschränkt, Die ozeanographischen Wasserschöpf-
proben bieten die beste Gelegenheit zu quantitativer Planktonuntersuchung, da
in großer Anzahl und in Querschnitten zum Ozean aus den verschiedensten
korrespondierenden Tiefen Wassereinheiten heraufgebracht werden, die dank dem
Stande der Methodik, die von Professor Lohmann ausgearbeitet und auf der
„Deutschland“ angewandt wurde, auf Plankton untersucht und durchgezählt
werden können. Dieser Untersuchung dient in erster Linie das dichteste und
zugleich kleinste Nannoplankton (Zwergplankton), da es bis in die größten
Tiefen, aus denen immer nur relativ kleine Wassermengen geschöpft werden
können, vorkommt.
2, Die biologischen Untersuchungsmethoden.
Das Nannoplankton, welches auch durch das feinste Netz aus Seidengaze,
das an Bord dem Fang gröberen Planktons dient, nicht erfaßt werden kann,
wird auf dem Wege mehrmaliger Zentrifugierung kleiner Wassermengen ge-
wonnen. Von der Oberfläche und den Wasserschöpfern werden Mengen von
100 und 540 ccm aus korrespondierenden Tiefenstufen entnommen und mit drei
elektrischen Zentrifugen von dem Plankton befreit, das sich in den zugespitzten
unteren Enden der Zentrifugengläser ansammelt und nach Entfernen des Wassers
noch im lebenden Zustande unter dem Mikroskop auf seine Organismenformen
untersucht und ausgezählt wird. Außer der Auszählung der Zentrifugenproben
aus den großen Wassertiefen auf Nannoplankton wird Plankton zur quantitativen
Untersuchung gewonnen durch Sedimentierung in Standzylindern, aus etwa 1 bis
4 Litern Wasser. Dann werden mit einem Schlauch aus 50 und 100 m Wasser-
tiefe und mit der Deckwaschpumpe von der Wasseroberfläche Mengen von je
200 Litern Wasser gepumpt und durch feine Planktongaze filtriert, Quantitative
Netzfänge gröberen Planktons werden ferner aus 200 m Tiefe bis zur Oberfläche
mit dem Apsteinnetz, das eine Wassersäule von bestimmtem, errechnetem Quer-
schnitt filtriert, gewonnen, und mit dem Nansenschen Schließnetz werden Wasser-
schichten verschiedener Tiefe, etwa von 1000 bis 700 m oder von 500 bis 200 m
durchfischt, derart, daß auch diese Netzfänge noch eine gewisse quantitative
9) Vgl. Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin, Jahrgang 1926, Heft 1. A, Schumacher:
„Özeanographische Sonderuntersuchungen‘‘,