Sonne als Ursache der Schwankungen des Erdmagnetismus und der Polarlichter, 149
im Westen der entgegengesetzte, im Osten der gleichgerichtete Induktionsstrom
eine Verschiebung der maximalen Wirkung nach Osten verursachen. Auch ist
denkbar, dafs die Verspätung der Induktionsströme ähnlich wie bei den Dynamo-
maschinen eintreten muß.
Es wurde oben gesagt, dafs der Erdmagnetismus die äquatorialen Ströme
anziehe, und es liegt da die Frage sehr nahe: Nimmt nicht ein großer Theil
derselben seinen Weg über die magnetischen Pole, und werden daselbst nicht
in der oberen Atmosphäre permanente Polarlichter verursacht? Die magnetische
Fernwirkung der Sonne und die Rotation der Erde sind ja permanent vorhanden,
also müssen auch die Induktionsströme und die Polarlichter permanent vorhanden
sein. Freilich können Polarlichter dieser Art nicht mit den glänzenden Er-
scheinungen verglichen werden, welche die unregelmäfsigen magnetischen
Schwankungen begleiten, aber so wie die regelmäßigen magnetischen Schwan-
kungen, 80 sind auch die bezüglichen Polarlichter schwach an Iotensität und
stets vorhanden.
Nach den Beobachtungen, welche Nordenskjöld') während der Ueber-
winterung der „Vega“ im Winter 1878/79 in der Bering-Strafse angestellt,
koncentrirt sich das Licht der permanenten Polarlichter niemals in Strahlen,
sondern erscheint wie durch mattes Glas schimmernd. Es möge hier gestattet
sein, einige Worte des Naturforschers wiederzugeben.
„Unsere Reise fiel zwar in eins der Jahre, welches voraussichtlich ein
Minimumjahr für die Polarlichter sein mußte. Gerade dieser Umstand gestattete
mir aber, diese Naturerscheinung in einer speciell geeigneten Position, unter
ungewöhnlich günstigen Umständen zu studiren. Denn es liefsen sich hier die
leuchtenden Bögen (arches), welche ebenso in Skandinavien im Allgemeinen die
Ausgangspunkte der Nordlichtstrahlen bilden, an sich selbst, nicht verkümmert
durch die glänzenden Formen der Aurora, beobachten, und man konnte so
Thatsachen sammeln zur Aufklärung über die wahre Natur dieser Bögen, un-
gestört von zufälligen‘ Begleiterscheinungen. Indem ich in Bezug auf Details
auf eine Abhandlung verweise, die ich für die Abhandlungen der Schwedischen
Akademie nach Hause gesendet, will ich hier anführen, dafs die Nordlichter
während des Winters 1878/79 niemals mit so glänzenden Bändern oder Strahlen-
draperien erschienen, wie gewöhnlich in Skandinavien, sondern stets in der
Form von schwach leuchtenden Bögen, welche ihre Stellung unverändert bei-
behielten, Stunde für Stunde und Tag für Tag. Sie waren beständig sichtbar,
wenn der Himmel nicht bewölkt war oder ihr schwaches Licht durch die
Strahlen der Sonne oder des Vollmondes nicht verdunkelt wurde.“
Halten wir an der elektrischen Wirkung der Sonne fest, so sind alle
magnetischen Erscheinungen der Erde und ihrer Atmosphäre erklärt. Die Theorie
stimmt vollkommen mit den Erfahrungen überein, die Erdströme, die Oscilla-
tionen der Magnetnadeln und die Polarlichter stehen in einfacher und natür-
licher Verwandtschaft zu einander. Die Polarlichter, ein Beweis für die größere
Intensität der äquatorialen Ströme an den Polen, haben in den elektrischen
Strömen, welche vom Aequator nach den Polen gehen, ihre Ursache. Diese
Ansicht hat auch De la Rive bereits ausgesprochen, indem er aus den von
A. v. Humboldt entdeckten Polarbanden auf jene Ströme schliefsen konnte,
Wir hätten nun noch die unregelmäfsigen magnetischen Schwankungen
zu untersuchen, welche auf Intensitätsänderungen des Sonnenstromes zurückzu-
führen sind. Bekanntlich ist die Sonnenthätigkeit gewissen Perioden unter-
worfen, die Zu- und Abnahme derselben läfst sich an allen solaren Erscheinungen
konstatiren und ist an den Flecken am auffallendsten, Nicht nur die Häufigkeit
und Gröfse, auch die Geschwindigkeit und der Ort ihres Erscheinens wechseln
mit den Perioden. Viele Erscheinungen auf der Sonnenoberfläche scheinen von
der Stärke des elektrischen Stromes abhängig zu sein, und diese ist, wie wir
bereits gesehen haben, nicht konstant, sondern fast permanenten Intensitäts-
änderungen unterworfen, Nimmt der Sonnenstrom an Stärke zu, so sind auch
die Induktionswirkungen entsprechend stärker, und alle magnetischen Krschei-
nungen auf der Erde richten sich nach ihm. Die täglichen Schwankungen der
Magnetnadeln erreichen oft mehr als die doppelte Amplitude, die Erdströme
iy Gaea, Bd. 16. 8. 114.