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Full text: Im Dienst für Schifffahrt und Meer

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MarineForum 7/8-2017 
Nord- und Ostsee neu. Daneben werden 
Sedimentproben genommen, aus denen 
Karten des Sedimentprofils und seiner Zu 
sammensetzung entwickelt werden. Die 
mit den Schiffen gewonnenen Datenmas 
sen sind nicht nur die Grundlage für See 
karten, sondern sind Basisinformation für 
viele weitere Aktivitäten auf See, für die 
Planung von Offshore-Windparks eben 
so wie für Umwelt- und Naturschutz, und 
sie stehen der Öffentlichkeit für die wirt 
schaftliche oder wissenschaftliche Wei 
terverwendung zur Verfügung- 
Wracks unter Wasser können für den 
Seeverkehr gefährlich werden. Allein in 
den deutschen Gebieten von Nord- und 
Ostsee sind rund 2.500 Unterwasserhin 
dernisse bekannt, und immer wieder fin 
den die Besatzungen der BSH-Schiffe neue. 
Viele müssen von Zeit zu Zeit überprüft 
werden, um sicher zu gehen, dass sie sich 
nicht verändern und evtl, den Verkehr be 
einträchtigen. So werden jedes Jahr ca. 250 
Objekte angesteuert. Oft müssen Taucher 
in die Tiefe, um zu prüfen, ob im Sonar 
bild nicht erkennbare Aufbauten vorhan 
den sind oder sich evtl. Munition an Bord 
befindet. Zu den Funden gehören gesunke 
ne Schiffe und Flugzeuge aus unterschied 
lichen Zeiten ebenso wie Autos, Container 
oder verlorene Anker. Kann ein Wrack die 
Sicherheit der Schifffahrt gefährden, wird 
es unmittelbar als gefährliches Hindernis 
gekennzeichnet und gegebenenfalls von 
der Wasserstraßen- und Schifffahrtsver- 
waitung geborgen. 
Während Neufunde und Veränderungen 
der Lage oder der Ausrichtung bekannter 
Wracks registriert und in die Seekarten ein 
getragen werden, fließen die Vermessungs 
daten in Datenbanken, aus denen das BSH 
die amtlichen Papierseekarten und elekt 
ronischen Seekarten (ENC) für die elektro 
nischen Seekartendarstellungs- und Infor 
mationssysteme (ECDIS) erstellt. Jedes Jahr 
arbeiten Beschäftigte des BSH mit Geowis- 
senschaftler.irihe.r1 und -Wissenschaftlern 
und Vermessungsingenieurinnen und -In 
genieuren unterschiedlichster Behörden, 
auch aus der Landvermessung, für rund zwei 
Wochen an Bord eines der Schiffe des BSH 
an hochpräzisen Messungen der Erdanzie- 
hungskfaft. Mit diesen Daten können noch 
genauere Seekarten hergestellt werden. 
Auch für die Herausforderungen in Off 
shore-Windparks werden spezielle Karten 
entwickelt. 
Technik für die moderne 
Schifffahrt 
ECDIS und das automatische Schiffsidenti 
fikationssystem (AIS) sind aus der moder 
nen Seeschifffahrt nicht mehr wegzuden 
ken. Wie der Schiffsdatenschreiber (VDR) 
wurden sie im Wesentlichen in Laboren des 
BSH entwickelt. Dort werden auch z.B. Po 
sitionsleuchten überprüft, die Funktionali 
tät der Einrichtungen auf der Schiffsbrücke 
untersucht oder Folgen von Schiffsbewe 
gungen simuliert. Eine besondere Heraus 
forderung ist heute, die Immer größere Da- 
tenflutan Bord sinnvoll zu kanalisieren und 
die sogenannte Mensch-Maschine-Schnitt 
steile immer besser zu definieren und zu 
konfigurieren. 
BSH - Teil der Flaggen 
staatverwaltung 
Nicht nur die spannenden Aufgaben auf 
Schiffen und auf See machen das BSH 
aus, als Teil der Flaggenstaatverwaltung 
stellen die Kollegen und Kolleginnen der 
Schifffahrtsabteilung Zeugnisse und Be 
scheinigungen aus, mit denen nachge 
wiesen wird, ob ein Schiff z.B. über aus 
reichende Versicherungen zur Entsorgung 
von Wracks oder Beseitigung von Mee 
resverschmutzungen verfügt und ob die 
Befähigung von Besatzungsmitgliedern 
internationalen Vorschriften entspricht. 
Schiffsausrüstungen werden im BSH über 
prüft, ob sie den Regeln der entsprechen 
den europäischen Richtlinien genügen, 
Ausflaggungen genehmigt und Fördermit 
tel für die Schifffahrt ausgezahlt. Selbst im 
Bereich der Abwehr äußerer Gefahren von 
Schiffen sind Aufgaben zu erledigen. Da 
zu gehört die Prüfung und Genehmigung 
von Gefahrenabwehrpiänen ebenso wie 
die Überwachungderanerkannten Stellen 
für die Gefahrenabwehr, 
Menschen im BSH 
Über 850 Beschäftigte arbeiten insgesamt im 
BSH. Die meereskundlichen Untersuchungen, 
Themen rund um Raumordnung und Off- 
shore-Bauten sowie Schifffahrtsa.ufgaben 
werden überwiegend in Hamburg wahrge 
nommen; der Rostocker BSH-Standort hat 
sich erfolgreich zum deutschen Zentrum der 
nautischen Hydrografie entwickelt. Und zu 
den Besatzungen der fünf Schiffe gehören 
gut 100 Männer und Frauen. Die meisten ver 
fügen über eine berufliche Qualifizierung so 
wohl in der Nautik als auch in der Vermessung 
-eine weltweit einmalige Doppelausbildung, 
die es gestattet, fachliche Aufgaben direkt an 
Bord auszuführen und die Zeit an Bord opti 
mal zu nutzen. 
Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten in 
mehr als 100 unterschiedlichen Berufen, da 
runter Kartografie, Nautik und Schiffsme 
chanik, Ozeanografie, Meereschemie, Geo- 
informatik, Meeresbiologie, Physik, Geologie, 
Geografie, Ingenieurwesen, Jura, Volkswirt 
schaft, Informationstechnologie, Bibliotheks 
wesen - und natürlich in der Verwaltung, 
ohne die eine Behörde nicht funktionsfähig 
wäre. Die enorme Vielfalt macht es manch 
mal schwierig, zwischen den verschiedenen 
Bereichen zu wechseln, sie bietet aber die 
wunderbare Chance, interdisziplinär zu ar 
beiten unddieThemenausden unterschied 
lichsten Perspektiven zu betrachten. ■ 
Monika Breuch-Moritz ist Präsidentin 
des Bundesamtes für Seeschifffahrt und 
Hydrographie und Maritime Ambassador 
der IMO 
Bilddarstellung im Rahmen der Wrack-Untersuchung
	        
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